Am 4. November 2026 öffnet in der Universitätsbibliothek der TU Chemnitz die Ausstellung „200 Jahre Bildgeschichte(n) – Fotografische Spuren im Universitätsarchiv Chemnitz“. Zu sehen sind Fotografien aus den Beständen des Universitätsarchivs – nicht bloß als alte Bilder, sondern als historische Quellen, die Menschen, Gebäude, Veranstaltungen und den Hochschulalltag aus ganz unterschiedlichen Jahrzehnten und Blickwinkeln festhalten.

Der Rundgang beginnt um 16 Uhr. Danach ist die Ausstellung bis zum 2. April 2027 im Bibliotheksgebäude an der Straße der Nationen während der Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek kostenlos zugänglich. Für Studierende dürfte sich ein Abstecher lohnen: Zwischen Glasplatten, Dias und frühen digitalen Fotografien steckt reichlich Hochschulgeschichte, manchmal ordentlich beschriftet, manchmal mit Lücken.

Bilder aus fast zwei Jahrhunderten

Seit fast 200 Jahren werden im Archiv Fotografien der TU Chemnitz und ihrer Vorgängerinstitution, der Gewerbeschule Chemnitz, aufbewahrt. Der Bestand umfasst mehr als 150.000 Fotografien beziehungsweise rund 150.000 fotografische Motive. Dazu gehören Positive, Negative, Glasplatten und Dias verschiedener Herstellungsverfahren ebenso wie frühe digitale Fotografien. Die ältesten Aufnahmen stammen aus den 1860er-Jahren; die Überlieferung wächst im Laufe der Zeit weiter.

Die Bezeichnung „Sammlung“ passt dabei nur eingeschränkt. Der größte Teil des Materials kam über Ablieferungen hochschuleigener Fotostellen ins Archiv und wurde an der Einrichtung selbst hergestellt. Die Motive stammen überwiegend aus der Universitäts- und Hochschulzeitung sowie aus Fotostellen der Einrichtung. Weitere Bestände liegen in der Pressestelle der TU, etwa ab 1990, im Fotolabor der Fakultät für Maschinenbau/Schweißtechnik und im Institut für Physik, dort allerdings nur Negative ab 1991.

Einen wesentlichen Teil bildet die Ablieferung des Hochschulfotografen Walter Scheiding aus den Jahren 1955 bis 1973. Für seine Negative gibt es ein von Scheiding geführtes Nachweisbuch zu den Negativfilmen. Viele Aufnahmen dokumentieren die Entwicklung der Einrichtung von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, einschließlich der eingegliederten Schulen. Professoren und Lehrkräfte nehmen darin einen wichtigen Platz ein. Einige Bilder sind zwar in schlechtem Erhaltungszustand, wurden wegen ihrer dokumentarischen Bedeutung aber trotzdem aufgenommen.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Ein Album von 1867/68

Ganz nah kommt man der frühen Bildgeschichte im Professorenalbum zum 75-jährigen Jubiläum der Gewerbeschule von 1911 und in den Fotoalben ehemaliger Studierender. Eines davon gehörte Richard Hofmann, einem früheren Schüler der Königlichen Baugewerkenschule Chemnitz. Hofmann legte es während einer Europareise in den Jahren 1867/68 an.

Die Seiten führen nach Leipzig, Dresden, Prag, Teplitz und Wien. Zu sehen sind historische Bauwerke, teilweise längst verschwunden. Ein Fotoalbum wird so zum Reisebegleiter, aber auch zum stillen Beleg dafür, wie Städte und Architektur einmal ausgesehen haben. Der Professorenband ist vollständig erfasst – bei anderen Teilen des Bestands muss man mitunter länger suchen.

Archivleiter Stephan Luther weist darauf hin, dass das in historischen Akten erwähnte Fotoarchiv der alten Gewerbeschule nur noch teilweise erhalten ist. Die umfangreiche Fotosammlung und die Filmsammlung der Staatlichen Akademie gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. Hinweise auf ihren Verbleib wurden bislang nicht in den Akten gefunden. Möglich ist, dass die Bestände 1944 wegen der zunehmenden Bombenangriffe auf Chemnitz ausgelagert wurden und anschließend bei einem beteiligten Professor oder an einem anderen Ort blieben. Beweisen lässt sich diese Auslagerungsthese nicht.

Nach 1945 wurden die meisten Lehrkräfte aufgrund ihrer Verstrickung in das NS-System oder ihrer Mitgliedschaft in NS-Organisationen nach einem SMAD-Befehl entlassen. Diese Umstände stützen die Vermutung einer Auslagerung, klären den Verbleib der Bestände aber nicht. Erhalten sind lediglich einige Fotos, die für Veröffentlichungen aus der ursprünglichen Sammlung entnommen worden waren.

Ordnung mit Lücken

Bis 1998 war der fotografische Bestand nur unzureichend erschlossen. Im Rahmen eines ABM-Projekts begann ab 1998 die intensive Erfassung in einer Datenbank. Eine vollständige, klassifikationsbezogene Aufnahme wurde allerdings nicht angestrebt: Innerhalb der Klassifikationspunkte findet sich teilweise nur eine Auswahl von Bildern, ganze Klassifikationspunkte können fehlen.

Die Bestände sind nach der Klassifikation des Inhaltsverzeichnisses geordnet. Teilweise wurde zusätzlich eine zweite Klassifikation eingetragen, die im Findbuch nicht ausgewertet werden kann. Über die Datenbank lässt sich dennoch nach der ersten und zweiten Klassifikation suchen. Am Ende des Findbuchs steht außerdem eine Indexliste – nur sind dort nicht zu allen Bildern Einträge vorhanden. Wer über den Index sucht, findet also nicht automatisch jedes passende Foto.

Mehrfach wechselnde Bearbeiter und unterschiedliche Kenntnisse über den Bestand führten zu verschiedenen Klassifikationen und Indexbegriffen. Eine nachträgliche Vereinheitlichung wurde versucht, konnte wegen des hohen Arbeitsaufwands aber nicht vollständig umgesetzt werden. Bei akademischen Titeln wird in der Regel nur der höchste Titel einer Person angegeben, selbst wenn diese Person ihn zum Zeitpunkt der Aufnahme noch gar nicht führte.

Ergänzende Angaben kamen nur hinzu, wenn sie mit vertretbarem Aufwand ermittelt werden konnten; eine lückenlose Erfassung war nicht das Ziel. Bei Fotoserien werden typische, aussagekräftige und qualitativ gute Motive ausgewählt. Nicht in die Datenbank aufgenommene Fotos werden kassiert. Der Bestand bleibt trotzdem in Bewegung: Schenkungen ehemaliger Studierender und Dozierender ergänzen ihn laufend.

Was Archive sichtbar machen

Wie viel Arbeit hinter solchen Bildern steckt, zeigt ein Blick nach Stuttgart. Dort wurde die Aktenüberlieferung des Forschungsinstituts für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart, kurz FKFS, mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft archivisch erschlossen. Die Unterlagen aus den Jahren 1918 bis etwa 2011 haben ihren Schwerpunkt zwischen 1930 und 1945.

Das FKFS wurde 1930 als Stiftung bürgerlichen Rechts und „An-Institut“ der Technischen Hochschule Stuttgart gegründet. Dahinter standen Bemühungen zur Wirtschaftsförderung des Landes Württemberg und der Kraftfahrzeugindustrie. Von Anfang an betrieb das Institut Auftragsforschung für große Kraftfahrzeug- und Motorenhersteller, darunter BMW, Daimler-Benz, Hirth, Horch, Ford und Zündapp. Zunächst ging es um moderne Pkw-Konzepte.

Mit Beginn der NS-Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Autarkie- und Rüstungsforschung: Motoren- und Flugmotorenentwicklung, Gleiskettentechnik sowie Betriebsstoffforschung. 1937 arbeiteten etwa 250 Ingenieure und Facharbeiter am FKFS, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Beschäftigtenzahl auf etwa 650. Darunter waren zahlreiche Zwangsarbeiter, die teilweise auch für fachlich qualifizierte Tätigkeiten eingesetzt wurden.

Erschlossen wurden 2.413 Archivalieneinheiten mit Forschungsberichten, Sachakten, Fotos, Dias und Filmen sowie 92 Archivalieneinheiten mit Personalunterlagen zu 1.199 Personen. Darunter befinden sich Unterlagen zu 104 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus West- und Osteuropa. Ein umfangreicher Bildbestand dokumentiert Prüfstände und Versuchsaufbauten. Zusammen mit den Forschungsberichten lässt sich nachvollziehen, wie sich Methoden und Themen der damals noch jungen Kraftfahrzeug- und Motorentechnik entwickelten.

Nach 1945 nahm das FKFS seine Forschungsarbeit wieder auf. Nun lagen die Schwerpunkte auf Fahrwiderstand, Sicherheitstechnik, Wirtschaftlichkeit und Fahrzeugmotorentechnik. Ende 2014 übernahm das Universitätsarchiv Stuttgart die Unterlagen, die schon zuvor häufig genutzt und nachgefragt worden waren. Sie geben Auskunft über Forschungsprojekte und Forschungsfelder, die Karrieren leitender Ingenieure der Nachkriegszeit, die Organisation und Betriebsführung einer großen Forschungsanstalt im NS-Staat sowie die Eingliederung der Belegschaft in die NS-Volksgemeinschaft und in den NS-Musterbetrieb.

Die Metadaten umfassen 2.505 Datensätze mit mittlerer Erschließungstiefe, 3.987 verschiedene Sachschlagworte und 11.574 Deskribierungen. Hinzu kommt ein Personenindex zu 1.199 Personen. Veröffentlicht sind die Daten in der Online-Datenbank des Universitätsarchivs Stuttgart und zusätzlich im Archivportal-D der Deutschen Digitalen Bibliothek. Das Projekt lief vom 1. Dezember 2015 bis zum 31. Juli 2018; Projektbearbeiter war Dr. Volker Z