Gen Z regelt: Junge Menschen demonstrieren bundesweit für Bildung, soziale Sicherheit und gegen Wehrpflicht
Am Samstag, 31. Oktober 2026, wollen junge Menschen in Hamburg für bessere Lebensbedingungen, bessere Bildung und gegen eine Wehrpflicht demonstrieren. Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte nach Aktionen in Frankreich, Italien und Belgien zu bundesweiten Protesten aufgerufen. Nach eigenen Angaben sind Demonstrationen in 32 Städten angekündigt (Stand: 29. Oktober).
In Hamburg soll die Demonstration um 14 Uhr am Jungfernstieg beginnen und über die Mönckebergstraße zum Lohmühlenpark in St. Georg führen. Der Anmelder rechnet mit 1.000 bis 2.000 Teilnehmenden. Auf der Website der Initiative hatten sich bis zum Vormittag des 29. Oktober mehr als 9.000 Menschen digital angekündigt, bis Donnerstagnachmittag waren es fast 9.400. Wie viele tatsächlich kommen, war zunächst offen.
Wer die Hamburger Demo angemeldet hat
Zunächst lag der Hamburger Polizei nach eigenen Angaben nur die Anmeldung einer Privatperson zu einer Demonstration „Gegen Wehrpflicht“ vor, nicht aus dem Umfeld von „Gen Z regelt“. Später wurde das Motto laut Polizei um „Gen Z regelt!“ ergänzt. Die Initiative erklärte anschließend, sie organisiere die Hamburger Demonstration. Zwischenzeitlich habe es zwei Anmeldungen aus ihrem Umfeld gegeben; eine davon wurde zurückgezogen.
Nach aktuellem Kenntnisstand der Polizei findet keine eigenständige, der Gen-Z-Bewegung zuzurechnende Versammlung statt. Es habe Gespräche zwischen dem Anmelder der Wehrpflicht-Demonstration und Organisatorinnen und Organisatoren einer ursprünglich geplanten Gen-Z-Versammlung gegeben. Die Polizei geht deshalb davon aus, dass sich Anhängerinnen und Anhänger der Bewegung der angemeldeten Demonstration anschließen könnten.
Seit Donnerstagnachmittag steht auf der offiziellen Website zur Hamburger Demonstration allerdings der Hinweis, dass die Initiative nicht für deren Inhalte und Organisation zuständig sei. Gleichzeitig wurde dort weiterhin für Samstag um 14 Uhr zu einer Kundgebung am Jungfernstieg aufgerufen. Ein kleines Durcheinander, das die Einsatzplanung nicht leichter macht.
Bildung, Klima und die Frage nach der Wehrpflicht
„Gen Z regelt“ fordert mehr Geld für das Schulsystem, konsequenten Klimaschutz, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und den Verzicht auf eine Wehrpflicht. Im Positionspapier nennt die Initiative außerdem Kürzungen im Bildungsbereich, Inflation, aus ihrer Sicht ungerechte Lastenverteilung, öffentliche Überwachung und Fachkräftemangel.
Das Bündnis spricht auch über Gesundheit und psychische Versorgung, soziale Gerechtigkeit, den Rechtsruck und Krieg. Sein gemeinsamer Kern: Die junge Generation müsse politische Lasten tragen, habe aber zu wenig Mitbestimmung und politische Sichtbarkeit. Gefordert werden mehr Investitionen in Bildung statt eines Sparkurses, Schritte gegen steigende Lebenshaltungskosten und ungleiche Verteilung sowie eine Zukunft, in der junge Menschen selbstbestimmt leben können.
Die Organisatorinnen und Organisatoren erklären sich solidarisch mit Protesten in Frankreich, Belgien und Italien. Ihre eigenen Aktionen bezeichnet die Initiative als friedlich, überparteilich und offen für alle. Sie spricht sich gegen Gewalt, Extremismus, Rassismus und Hetze aus.
Was junge Menschen erzählen
Wie konkret die Forderungen gemeint sind, zeigt Konny Schmitz, 16, Organisator in Wuppertal. Die Proteste in Frankreich hätten ihn und andere inspiriert. Er habe den Eindruck, dass die Regierung die junge Generation vergesse. Schmitz fordert mehr Geld für Bildung statt zusätzlicher Ausgaben für Waffen und verweist auf kaputte Schulen, fehlende Mittel, den Wegfall von Jugend-Suchthilfe und schwer erreichbare Psychotherapie. Dazu kämen Leistungsdruck, teure Schulsachen und die Wehrpflicht. Die Interessen junger Menschen müssten bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.
Emily-Melissa Schoon, 16, Mitorganisatorin in Münster, nennt Klimaschutz, Bildung, den Rechtsruck, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit. Für sie hängt das mit der Frage zusammen, wessen Bedürfnisse politisch berücksichtigt werden. Sicherheit bedeute nicht nur militärische Verteidigung, sondern auch Gesundheitsversorgung, soziale Sicherheit und Bildung. Chronisch kranke Menschen müssten gute medizinische Versorgung erhalten. Die Themen sollten außerdem nicht gegen andere Generationen ausgespielt werden; Schoon wolle nicht hinnehmen, dass über die Zukunft junger Menschen entschieden werde, ohne ihre Anliegen ausreichend anzuhören.
David, 22, Mitorganisator in Wuppertal, kritisiert Kürzungen bei Bildung, Gesundheit und Rente im Verhältnis zu den Kosten der Militarisierung. Gesellschaftliche Probleme könnten nicht durch passives Abwarten gelöst werden. Er fordert gesellschaftliche Lösungen und ein solidarisches Zusammenleben.
Auch Marie Hacker, 17, Schülervertreterin aus Köln, berichtet, die Proteste seien unter Jugendlichen ein Thema, die sonst wenig mit Demonstrationen zu tun hätten. Sie kritisiert Lehrermangel, Leistungsdruck und unsanierte Schulgebäude und will friedlich für bessere Bildung demonstrieren. Gemeinsamer Protest gebe ihr Hoffnung und das Gefühl, etwas verändern zu können. Von der Politik erwartet sie eine Reaktion.
Lea, 18, aus Wuppertal will gegen sogenannte strukturelle Gewalt demonstrieren. Dazu zählt sie Gewalt durch Polizei, Männer im eigenen Umfeld, Rassismus, Krieg und Besatzung. Tobias, 21, aus Wuppertal, kritisiert dagegen, dass junge Menschen möglicherweise für einen Staat kämpfen oder sterben sollen, während gleichzeitig Zukunftsinvestitionen gekürzt würden.
Politische Unterstützung kommt aus unterschiedlichen Richtungen. Aleyna Karaca, 20, Vorsitzende der Jusos Wuppertal, begrüßt, dass junge Menschen sich für Veränderungen einsetzen, und fordert eine Debatte, in der Jugendliche ernst genommen werden. Bezahlbarer Wohnraum, gute Bildung, finanzielle Sicherheit und eine verlässliche Gesundheitsversorgung seien zentrale Anliegen; Kürzungen in diesen Bereichen bewertet sie als problematisch.
Lina Giannone, 21, Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen Wuppertal, fordert mehr Mitbestimmung junger Menschen und eine bessere Bildungspolitik. Die Jungen Liberalen unterstützten Engagement für bessere Bildungschancen. Friedliche Demonstrationen seien ein demokratisches Recht, Gewalt dagegen kein demokratisches Argument. Giannone verweist auf Gewaltaufrufe oder entsprechende Beiträge in sozialen Medien.
Finn Grimsehl-Schmitz, 26, Grünen-Politiker aus Solingen, verbindet ökologische und soziale Fragen. Anliegen junger Menschen erhielten in der Bundespolitik weniger Aufmerksamkeit als früher, sagt er, und nennt zusätzlich den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur als Zukunftsaufgabe. Er begrüßt, dass junge Menschen wieder stärker politisch aktiv werden, will aber nicht selbst demonstrieren – möglicherweise die Proteste vor Ort beobachten.
Daniel Pilz, 24, SPD-Fraktionsvorsitzender im Remscheider Stadtrat, sieht ähnliche Probleme bei jungen Menschen und in der Kommunalpolitik: Kürzungen und fehlende Unterstützung durch Landes- und Bundesebene, fehlende Bildungsinvestitionen, hohe Lebenshaltungskosten und fehlende Perspektiven. Für ihn ist das weniger ein Generationenkonflikt als ein gemeinsames Problem. Er fordert eine gerechtere Verteilung der Lasten statt Einsparungen zulasten junger Menschen. Sicherheitsinvestitionen sollten nicht grundsätzlich gegen andere Investitionen ausgespielt werden. Friedliche Proteste unterstützt Pilz; er hofft auf eine Mobilisierung ähnlich der von Fridays for Future.
Soufian Goudi, 29, SPD und Bezirksbürgermeister von Wuppertal-Elberfeld, kann die Proteste angesichts von Krisen, steigenden Lebenshaltungskosten und ungleichen Bildungs- und Aufstiegschancen nachvollziehen. Viele junge Menschen fragten sich, welche Perspektiven die Gesellschaft ihnen biete. Es sei wichtig, dass sie ihre Stimme erheben – friedlich sollten die Demonstrationen bleiben.
Polizei bereitet Großeinsatz vor
Die Hamburger Polizei plant voraussichtlich einen Großeinsatz mit mehreren Hundertschaften und Drohnen, um bei möglichen Ausschreitungen reagieren zu können. Nach ihrer Einschätzung wird der Verlauf dennoch weitgehend störungsfrei sein. Polizeisprecher Sebastian Born erklärte, es gebe derzeit keine Erkenntnisse, dass in Hamburg ähnliche Verhältnisse wie in Frankreich zu erwarten seien.
Bei Demonstrationen von Schülerinnen, Schülern und Studierenden in Frankreich, Belgien, Italien und Spanien waren in den vergangenen Wochen teilweise Randalierer dabei. Es kam zu Verletzten bei Zusammenstößen mit der Polizei, Brandstiftungen und Plünderungen. Für Wuppertal rechnet Konny Schmitz bei etwa 150 erwarteten Teilnehmenden nicht mit einer Unterwanderung durch gewaltbereite Personen. Finn Grimsehl-Schmitz sieht wegen der breiten Themenpalette ein mögliches Risiko der Vereinnahmung, warnt aber vor Vorverurteilungen.
Das Bündnis fordert die Teilnehmenden auf, keine Masken zu tragen und identifizierbar zu bleiben. Dass die Demonstrationen am Halloween-Abend stattfinden, könnte die Sicherheitslage zusätzlich erschweren. In Hamburg kam es in der
