In Düsseldorf ging die 50. Folge des WestLotto-SpielStudios vor Live-Publikum über die Bühne. Aufgezeichnet wurde die Jubiläumsfolge bei der Responsible Leadership Conference. Gastgeber Axel Weber hatte dafür einen Gesprächspartner eingeladen, der sich seit Jahrzehnten mit Sucht und Verhalten beschäftigt: den Suchtforscher Prof. Dr. Gerhard Bühringer.

Bühringer ist Diplom-Psychologe, Psychotherapeut und Suchtforscher. Er war langjähriger Direktor des Instituts für Therapieforschung in München und arbeitet heute als Seniorprofessor für Suchtforschung an der TU Dresden. Im Gespräch ging es um Spielerschutz, Selbstverantwortung, Forschung, Regulierung und die Verantwortung eines legalen Glücksspielmarkts.

Zwischen Schutz und Eigenverantwortung

Der öffentliche Blick auf Glücksspiel werde stark vom problematischen Spielverhalten geprägt, sagte Bühringer. Die große Mehrheit der Spieler spiele allerdings risikoarm. Deshalb brauche es aus seiner Sicht gute Informationen, frühzeitige Hilfen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Risiken – statt pauschaler Verbote.

Verantwortung liege dabei nicht bei einer einzigen Seite. Staat, Anbieter und Spieler müssten gleichermaßen ihren Teil beitragen. Die deutsche Glücksspielregulierung mit ihren zahlreichen Schutzvorgaben bezeichnete Bühringer zugleich als zu kompliziert. Wissenschaftliche Forschung profitiere seiner Einschätzung nach außerdem zu selten von den vorhandenen Daten.

Sein Vorschlag klingt zunächst ungewohnt, ist aber ziemlich anschaulich: Wer an einem neuen Glücksspielangebot teilnehmen möchte, sollte vorher lernen können, wie es funktioniert und welche Risiken damit verbunden sind. Bühringer verglich das mit der Ausbildung vor dem Autofahren. Erst verstehen, dann loslegen – so ungefähr.

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Junge Menschen und digitale Spielwelten

Besondere Risiken sieht der Forscher bei jungen Menschen. Lootboxen und virtuelle Währungen, integrierte Casinomechanismen und die frühe Gewöhnung an glücksspielähnliche Angebote können problematische Muster begünstigen. Gerade dort verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel, digitalem Einkauf und Glücksspiel manchmal schneller, als einem lieb ist.

Passend dazu forscht das Fachgebiet Allgemeine Psychologie: Kognition an der Universität Duisburg-Essen zu den kognitionspsychologischen Grundlagen menschlichen Entscheidungsverhaltens. Im Mittelpunkt stehen Suchterkrankungen, die insbesondere im Zusammenhang mit der Nutzung von Computern oder Smartphones entstehen. Die Forschung verbindet Grundlagenforschung mit klinischer Forschung.

Ein Schwerpunkt liegt auf Verhaltenssüchten, darunter affektive und kognitive Mechanismen der Internetsucht. Untersucht werden psychologische und neurobiologische Prozesse, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung spezifischer Internetnutzungsstörungen beitragen. Ziel ist es, Erkenntnisse für eine bessere Prävention und Therapie internetbezogenen Suchtverhaltens zu gewinnen.

Geleitet wird das Fachgebiet von Prof. Dr. Matthias Brand. Er leitet außerdem das Center for Behavioral Addiction Research an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Weitere Informationen stehen unter uni-due.de/kognitionspsychologie/.

Ein Podcast mit Jubiläumsfolge

Das WestLotto SpielStudio ist ein Podcast über den Glücksspielmarkt. In Gesprächen geht es um Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven der Branche. Die Folge mit Gerhard Bühringer ist auf gängigen Plattformen wie Spotify, Apple Podcasts und Podigee verfügbar. Als Quelle wird WestLotto Heute genannt.

Ein kleiner Stolperstein bleibt derzeit bei der Recherche zur Glücksspiel-Forschung an der Universität Hohenheim: Die Homepage ist vorübergehend nicht verfügbar. Grund sind kritische Sicherheitslücken in einer PHP-Komponente, die bei vielen Webdiensten eingesetzt wird. Die Universität nahm deshalb am Mittwoch, 21. Oktober 2026, vorsorglich einige Webdienste vom Netz.

Nach der Installation verfügbarer Sicherheitsupdates konnten die meisten webbasierten Dienste wieder gestartet werden. Laut Universität handelte es sich nicht um einen Cyberangriff. Die Website befindet sich derzeit in einem Relaunch-Prozess; viele Seiten, darunter Einrichtungsseiten, liegen noch im abzulösenden System. Dieses benötigt zunächst ein umfangreicheres Update.

Eine vollständige Homepage soll voraussichtlich erst in einigen Tagen wieder verfügbar sein. Zentrale Dienste bleiben erreichbar: ILIAS, HohCampus, Webmail mit 2FA-Token, Print-Service, Tickets, Chemkataster, IDM und listserv.uni-hohenheim.de. Die Jubiläumsfolge selbst ist davon unabhängig – und inzwischen dort zu finden, wo Podcasts eben so herumliegen: auf Spotify, Apple Podcasts und Podigee.