An der Goethe-Universität Frankfurt wächst der Widerstand gegen die geplante Neuordnung der Hochschule. Professorinnen und Professoren des Instituts für Soziologie kritisieren die Pläne des Präsidiums als „fachlich entkernt“ und „geradezu wissenschaftsfeindlich“. Nach ihrer Darstellung soll die Universität nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben umgebaut werden; Wissenschaftlichkeit werde dabei zur „bloßen Fassade“.

Der Uni-Senat stufte das Konzept in seiner aktuellen Form als „nicht zustimmungsfähig“ ein. Trotzdem liegt ein 59-seitiges Rahmenkonzept auf dem Tisch. Es geht um eine weitreichende Reform, die nach Berichten von FAZ und Frankfurter Rundschau 2026 beschlossen und ab 2028 umgesetzt werden soll. Präsidium und Senat sollen gemeinsam entscheiden.

Sieben Fachbereiche statt 16

Der Kern des Entwurfs: Die Zahl der Fachbereiche soll von 16 auf sieben sinken. Bisher eigenständige Fakultäten würden zusammengeschlossen, Medizin soll als einziger Fachbereich eigenständig bleiben. Die geisteswissenschaftlichen Fachbereiche sollen von fünf auf zwei schrumpfen. Institute mit nur einer oder zwei Professuren sollen verschwinden; künftig wären Institute mit jeweils acht bis 16 Professuren vorgesehen.

Rund 60 der derzeit mehr als 600 Professuren könnten wegfallen. Zugleich will die Hochschulleitung Kooperationen und Synergien mit den Universitäten Mainz und Darmstadt stärker nutzen. Sie begründet die Reform zusätzlich mit Veränderungen in der Wissenschaft: demografischer Wandel, Künstliche Intelligenz und Digitalisierung spielen in den Überlegungen eine Rolle.

Das Präsidium bezeichnet das Papier als Entwurf und die darin enthaltenen Punkte zunächst als Vorschläge. Gleichzeitig erklärt die Hochschulleitung, auf die Kürzungen der Landesregierung mit strukturellen Veränderungen reagieren zu müssen. Für die Goethe-Universität, die 2025 mehr als 40.000 Studierende hatte und über ein Budget von knapp 837 Millionen Euro verfügte, steht also einiges auf dem Spiel.

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Die Soziologinnen und Soziologen sehen in dem Vorhaben allerdings keine vorsichtige Anpassung, sondern eine umfassende Neuordnung, eine „Tabula rasa“. Die Universität könnte sich über Jahre mit sich selbst beschäftigen, während die Arbeitskraft ihrer Mitglieder in immer neuen Reformen „verheizt“ werde. Die Hochschulleitung setze auf überholte Managementstrategien, heißt es in ihrer Kritik.

Streit über Geld und Verantwortung

Im Hintergrund stehen die Einsparvorgaben des Hessischen Hochschulpakts für 2026 bis 2031. Für die Goethe-Universität bedeutet der Pakt nach den vorliegenden Angaben durchschnittlich zehn Prozent weniger im jährlichen Budget. Das hessische Wissenschaftsministerium widerspricht allerdings der Darstellung, der Hochschulpakt sei die Ursache für die Strukturüberlegungen: 2026 sei eine einmalige Kürzung um rund 1,3 Prozent vorgesehen, ab 2027 solle die Finanzierung wieder das Niveau von 2025 erreichen. Ab 2028 seien jährliche Erhöhungen der Hochschulfinanzierung zwischen 48 und 100 Millionen Euro geplant.

Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) betont, strukturelle Entscheidungen lägen in der Verantwortung der Universität. Die Grünen im hessischen Landtag widersprechen dieser Darstellung und verweisen auf den Zusammenhang zwischen Finanzierungskürzungen und dem möglichen Wegfall von 60 Professuren. Für die Soziologinnen und Soziologen ist klar: Die Sparvorgaben der hessischen Landespolitik stellen die Grundlagen des Hochschulbetriebs infrage. Sie fordern eine Neuverhandlung des Hochschulpakts und eine ausreichende Finanzierung.

Auch innerhalb der Universität knirscht es. Nikolaus Müller-Schöll, Professor und Senatsmitglied, erklärte, er sei erst kurzfristig informiert worden. Das Ausmaß der Pläne sei ihm erst durch die Presseberichterstattung klar geworden. Er kritisiert einen überwiegend von der Hochschulleitung gesteuerten „Top-down“-Prozess. Die geplanten Zusammenlegungen seien nicht sinnvoll und nicht mit den Betroffenen abgestimmt. Fachbereiche hätten bereits eigene Lösungsansätze entwickelt, die durch das Präsidiumspapier nun infrage gestellt würden.

Der AStA erklärte ebenfalls, erst aus der Presse von dem Papier erfahren zu haben. Die Studierenden seien nicht ausreichend einbezogen worden. Die GEW Hessen warnt vor einem Qualitätsverlust im Studium und einer höheren Arbeitsbelastung für die Beschäftigten. Die Frankfurter Linken-Politikerin Heike Leitschuh fordert einen demokratischen Austausch und die Beteiligung von Lehrenden und Studierenden.

Die Kritik reicht noch weiter zurück. Die Professorenschaft habe zu lange zur Entwicklung einer „unternehmerischen Universität“ geschwiegen, schreiben die Soziologinnen und Soziologen. Bürokratisierung, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und der Abbau akademischer Selbstverwaltung seien schon länger erkennbar gewesen. „Fügsames Schweigen“ sei für sie keine Option mehr.

Ein Pakt mit vielen Zahlen

Der Hessische Hochschulpakt 2026–2031 soll den Hochschulen trotz notwendiger Haushaltskonsolidierung verlässliche Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre sichern. Er stärkt die Hochschulautonomie und soll bürokratische Vorgaben reduzieren. Gremmels erklärte, die Vereinbarung schaffe Planungssicherheit für sechs Jahre. Einen größeren finanziellen Spielraum hätte er sich gewünscht, angesichts der schwierigen Haushaltslage sei jedoch das Bestmögliche erreicht worden.

Der Pakt trat am 1. Januar 2026 in Kraft und gilt bis 2031. Ein neues, erweitertes Sockelbudget ersetzt zahlreiche Einzeltöpfe und Landesprogramme. Darin enthalten sind unter anderem jährlich zwölf Millionen Euro aus dem Programm hessian.AI sowie zehn Millionen Euro, entsprechend 50 Prozent der Mittel aus dem Digitalpakt Hochschulen. Insgesamt werden jährlich 22 Millionen Euro Digitalmittel in den Hochschulpakt integriert; sie sollen langfristige Digitalisierungsstrategien stärken.

Bisherige Förderprogramme werden dauerhaft fortgeführt. Die Hochschulen erhalten mehr Flexibilität bei der Verwendung ihrer Budgets, die detaillierte Einzelsteuerung wird reduziert. Ab 2028 stehen jährlich mindestens 37,5 Millionen Euro zur Finanzierung von Tarifabschlüssen ab 2027 bereit. Bei Tarifabschlüssen von mehr als vier Prozent sollen zusätzliche Landesmittel fließen, damit keine strukturellen Defizite entstehen.

Der Anteil der leistungsorientierten Finanzierung steigt von 15,5 Prozent im Jahr 2025 auf 18,1 Prozent im Jahr 2026. Die neue Förderlinie „STEP“ soll Strukturentwicklung und Profilbildung über ein transparentes und administrativ vereinfachtes Verfahren unterstützen. Erstmals wurde außerdem eine verbindliche Übergangsregelung zwischen zwei Hochschulpakten vereinbart.

2026 leisten die Hochschulen einen Konsolidierungsbeitrag von rund 30 Millionen Euro, das entspricht 1,3 Prozent ihrer Budgets von 2025. 2027 soll das Budget wieder das Niveau von 2025 erreichen, ab 2028 sollen die Budgets jährlich steigen. Die Hochschulen setzen die Konsolidierungsmaßnahmen eigenverantwortlich um; das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) macht dazu keine Vorgaben, sondern schließt mit jeder Hochschule individuelle Zielvereinbarungen.

Proteste in mehreren Hochschulstädten

In mehreren hessischen Universitätsstädten gibt es Proteste gegen den Hochschulpakt. Studierende in Gießen veranstalteten am Donnerstag eine Kundgebung. Dort trafen sich auch Wissenschaftsminister Gremmels und Vertreter der hessischen Hochschulen. An der Goethe-Universität rufen die Soziologinnen und Soziologen Studierende, Beschäftigte und Lehrende dazu auf, sich gemeinsam gegen Kürzungen zu wehren und für die Einheit von Forschung und Lehre einzutreten.

Der Hochschulpakt wurde nach Angaben des Landes seit Mai 2024 verhandelt. Zum gemeinsamen Auftakt kamen das HMWK, das Hessische Ministerium der Finanzen (HMdF) und die Hochschulen zusammen. Sechs Hochschulleitungstagungen dienten der strategischen Abstimmung und fungierten als übergeordnetes Entscheidungsgremium. Zwei Arbeitsgruppen tagten jeweils zehnmal: Die AG Ziele erarbeitete hochschulpolitische Leitlinien, die AG Budgetierung die finanzielle Ausgestaltung. Gemeinsam erstellten beide Gruppen das Finanz- und das Zielekapitel des Pakts.

Staatssekretär Christoph Degen und Minister Timon Gremmels begleiteten die Verhandlungen kontinuierlich. Finanzminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz beteiligte sich an Gesprächen mit Hochschulleitungen und Senaten. Das HMWK führte zusätzlich Gespräche mit Gewerkschaften, der Landes-Asten-Konferenz und verschiedenen Statusgruppen der Hochschulen. Die Hochschulen legten eine Protokollnotiz mit ihren Bedenken vor – wie bereits beim Hochschulpakt 2010.

Die 14 beteiligten Hochschulen unterzeichneten den Pakt, bekräftigten aber ihre grundsätzliche