H₂-Luftfahrtgipfel in Pfeffenhausen gründet Netzwerk WFLAP für wasserstoffbasierte Antriebe
In Pfeffenhausen hat am 29. und 30. September 2026 ein zweitägiger H2-Luftfahrtgipfel stattgefunden. Rund 130 Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Industrie und Politik aus Deutschland sowie einigen Nachbarländern kamen dafür zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen wasserstoffbasierter Luftfahrtantriebe – und die Frage, was davon bereits greifbar ist und was noch reichlich Geduld verlangt.
Wasserstoffbetriebene Bodenfahrzeuge sind bereits verfügbar. Die Antriebstechnik für wasserstoffbetriebene Kleinstflugzeuge befindet sich dagegen noch in der Entwicklung. Während des Gipfels berieten die Teilnehmer über technologische Ansätze und Rahmenbedingungen für den Ausbau der Wasserstofftechnologie in der Fahrzeug- und Luftfahrtbranche.
Gipfel in der Brauereihalle
Veranstaltungsort war die Brauereihalle Pöllinger, Moosburgerstraße 23, 84076 Pfeffenhausen. Als Veranstaltungsadresse wurde außerdem Moosburger Straße 65, 84076 Pfeffenhausen, angegeben. Das Programm lief an beiden Tagen von 08:30 bis 18:00 Uhr.
Auf der Tagesordnung standen Brennstoffzellen, Kryotechnik, Infrastruktur, Verflüssigung, Materialien, Testing und Zulassung. Dazu kamen Praxisbeispiele, branchenübergreifende Fachvorträge und eine begleitende Ausstellung im Wasserstoffzentrum Pfeffenhausen. Ausgerichtet wurde der Gipfel unter anderem von Hynergy. Eine Anmeldung war beim Veranstalter unter info[at]hynergy[dot]de möglich.
Die Schirmherrschaft übernahmen Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Bundestagsmitglied Florian Oßner. Aiwanger nahm am zweiten Veranstaltungstag teil. Gegründet wurde während des Treffens außerdem das Informationscluster „Wasserstoffzentrum Fahrzeug- und Luftfahrtantriebe Pfeffenhausen“ – kurz WFLAP.
Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem Hubert Aiwanger, der Bundestagsabgeordnete Florian Ossner, Pfeffenhausens Bürgermeister Florian Hölzl und Tobias Brunner vom Unternehmen Hynergy. Der Artikel über den Gipfel erschien am 4. Oktober 2026.
Was Wasserstoff in der Luftfahrt leisten könnte
Wasserstoff gilt als mögliche Schlüsseltechnologie, um die Zivilluftfahrt zu dekarbonisieren und Emissionen zu verringern. Wird H₂ mit erneuerbaren Energien hergestellt, entsteht dabei kein CO₂-Nebenprodukt; Wasser ist zudem in großen Mengen verfügbar. Damit könnte die Technologie zu den Zielen des europäischen Green Deal beitragen, vor allem zur Ablösung fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien.
Forschungs- und Entwicklungsprojekte haben bislang vielversprechende Ergebnisse erzielt. Trotzdem braucht es weitere Arbeiten zu H₂ als Flugkraftstoff. Die EU hat ihre Forschungsaktivitäten zu Wasserstoff deutlich ausgeweitet. Ein Arbeitspapier der Europäischen Kommission vom 22. Januar 2022 betont die Bedeutung europäischer Investitionen in Forschung und Innovation im Wasserstoffbereich.
Die EASA betrachtet dabei gasförmigen und flüssigen Wasserstoff sowie dessen mögliche Rolle in der Luftfahrtantriebstechnik. Entscheidend sind nicht nur die Eigenschaften des Stoffes, sondern auch sein gesamter Lebenszyklus – von der Herstellung bis zur Nutzung. Als zentrale Ansätze gelten die langfristige Verringerung der Brutto-CO₂-Emissionen bis hin zu keinen CO₂-Emissionen und die schrittweise Reduzierung aller Emissionen im Luftverkehr bis zur Emissionsfreiheit beziehungsweise CO₂-Neutralität.
Speicher, Flughäfen und Sicherheitsfragen
Ein Haken steckt in der Energiedichte: H₂ weist eine geringere Energiedichte als herkömmlicher Flugzeugtreibstoff auf. Für dieselbe Flugstrecke wäre deshalb ein größeres Speichervolumen an Bord nötig. Die vorhandenen Treibstofftanks reichen nur für sehr kurze Strecken; außerdem eignet sich die derzeitige Unterbringung der Tanks in den Flügeln nicht für gasförmigen oder flüssigen Wasserstoff.
Bevor reguläre H₂-Flüge möglich werden, müssen geeignete Infrastruktur und Lieferketten an Flughäfen aufgebaut werden. Als anfängliche Einsatzbereiche gelten Pendel-, Regional-, Kurz- und Mittelstreckenflüge. Größere Passagierflugzeuge müssten wegen des höheren Wasserstoffvolumens grundlegend umkonstruiert werden – das wird eher langfristig erwartet.
Die Sicherheit der Fluggäste hat bei allen H₂-Flugzeugkonzepten Priorität. Neue Flugzeugkonstruktionen mit Wasserstoffantrieb müssen die geltenden Spezifikationen erfüllen, damit das bestehende hohe Sicherheitsniveau erhalten bleibt. Die EASA arbeitet dafür in der Partnerschaft für saubere Luftfahrt mit Zertifizierungsexperten und Forschungsteams der Initiative für sauberen Wasserstoff zusammen. Die Partnerschaft ist die Nachfolgeinitiative des EU-geförderten Projekts Clean Sky und soll die Verringerung der Emissionen im Luftverkehr unterstützen.
Der EASA-Beitrag zu Wasserstoff und seinem Potenzial für die Luftfahrt wurde am 8. März 2022 veröffentlicht und zuletzt am 23. März 2023 aktualisiert. In Pfeffenhausen ging es nun um die nächsten praktischen Schritte – mit Bodenfahrzeugen, kleinen Flugzeugen, vielen offenen technischen Fragen und einem neuen Netzwerk namens WFLAP.
