Hackerangriff auf die Universität Halle: Daten von 51.000 Studienbewerbungen möglicherweise betroffen
In Halle ist der Morgen nach dem Hacker-Angriff auf die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg noch nicht ruhig. Unter den Studierenden herrscht weiterhin Unsicherheit: Was könnten die Angreifer mit ihren Daten machen? Einige erfuhren eher zufällig von dem Angriff, der in der Vorwoche bekannt geworden war. Heute ist der 23. Oktober 2026.
Der Newsblog der Mitteldeutschen Zeitung hatte am Donnerstag, 22. Oktober 2026, über aktuelle Ereignisse aus Politik, Kultur, Sport und Verkehr berichtet. Um 5:51 Uhr ging es um den Cyberangriff auf die Universität Halle. Der Blog soll im Laufe des Tages um weitere Meldungen aus Halle ergänzt werden.
Zwischen Konzert und Seniorenball
Um 6:29 Uhr rückte außerdem ein Auftritt von Heinz Rudolf Kunze in den Blick. Der Rockmusiker trat mit seiner Band in Halle auf. Auf dem Programm standen nachdenkliche, humorvolle und klassische Stücke – also kein Abend, der sich auf eine einzige Stimmung festnageln ließ.
Und am Sonntag, 25. Oktober, wird im Steintor-Varieté getanzt: Gemeinsam mit halleschen Wohnungsunternehmen veranstaltet das Haus den zweiten Seniorenball. Die Organisatoren wollen damit Einsamkeit und Altersarmut entgegenwirken. Der Eintritt kostet 5 Euro, viele Karten gibt es nicht mehr; nur noch wenige Tickets sind verfügbar.
Was über den Angriff bekannt ist
Nach Angaben der Übersicht von KonBriefing könnten Angreifer am 14. Oktober 2026 Daten aus rund 51.000 Studienbewerbungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg abgerufen haben. Möglicherweise betroffen sind Kontaktdaten und hochgeladene Dokumente. Für Bewerberinnen, Bewerber und Studierende ist gerade diese Ungewissheit bitter: Nicht zu wissen, ob etwas abgeflossen ist, nagt.
Halle steht damit nicht allein. An der Humboldt-Universität zu Berlin wurden am 12. Oktober nach auffälligen Netzwerkaktivitäten vorsorglich Geräte und Server isoliert; eine forensische Untersuchung soll klären, ob Daten abgeflossen sind. Beim Hochschulservicezentrum Baden-Württemberg in Reutlingen wurden am 7. Oktober nach einem Cyberangriff alle Systeme offline genommen, die Internetverbindung getrennt und die Telefonanlage deaktiviert. Ermittlungsbehörden und die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg wurden eingeschaltet.
Auch international häuften sich im Oktober 2026 die Vorfälle. An der Technical University of Denmark in Lyngby erlangten Angreifer am 2. Oktober Zugriff auf das Identitäts- und Berechtigungsmanagement und luden große Datenmengen herunter. Informationen von bis zu 200.000 aktuellen und ehemaligen Nutzern könnten betroffen sein. An der Osaka Metropolitan University in Japan ließ ein Ransomware-Angriff rund 500 Server ausfallen; Campusnetzwerk und mehrere Hochschulsysteme waren nicht nutzbar, Lehrveranstaltungen wurden abgesagt. Daten von mindestens 130.000 Studierenden und Beschäftigten könnten abgeflossen sein.
Im University of Illinois Chicago College of Medicine wurden im Oktober Daten von Servern entwendet, einige Systeme waren zeitweise nicht verfügbar. Hauptnetz der Universität und Patientenversorgung waren nach Universitätsangaben nicht betroffen. Bei Sapienza Università di Roma drangen Unbekannte am 30. September in die noch getestete KI-Plattform ChatMinerva eines externen Unternehmens ein; geprüft wurde, ob personenbezogene Informationen aus Nutzerdatenbanken abgegriffen wurden.
Eine lange Spur durch Hochschulen
Schon im September 2026 gab es mehrere Fälle: Die Universität Bremen nahm nach einem Zero-Day-Angriff auf einige dezentrale Systeme die betroffenen Systeme vom Netz und schloss die Sicherheitslücke. Zentrale Dienste waren nicht betroffen; nach Angaben der Universität flossen keine Studierendendaten ab. An der Canadian Mennonite University in Winnipeg verschaffte sich ein unbekannter Dritter am 18. September unbefugt Zugriff auf IT-Systeme und entwendete Informationen. Wahrscheinlich betroffen sind personenbezogene Daten aktueller und ehemaliger Studierender sowie Beschäftigter.
An der Universität Mannheim griffen Unbekannte am 17. September auf einen Server des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik, Learning, Design & Technology zu. Der Angriff wurde an diesem Tag festgestellt, der Server anschließend vom Universitätsnetz getrennt. Die Täter drohten mit der Veröffentlichung der gespeicherten Daten. Die Ludwig-Maximilians-Universität München informierte am 16. September über einen Datenschutzvorfall durch unbefugten Zugriff.
In Brasilien zeigten Rechner in Universitätslaboren der Universidade Católica do Salvador am 14. September eine Erpressernachricht; wegen der Netzstörung fiel der Internetzugang auf dem Campus aus, Lehrveranstaltungen und Prüfungen mussten teilweise verschoben werden. Beim Student-Financial-Aid-Büro des Mississippi Institutions of Higher Learning in den USA beeinträchtigte ein Netzwerksicherheitsvorfall am 7. September die Verarbeitung und Auszahlung. Anträge konnten weiterhin eingereicht werden.
Im Juni traf es die Mount Royal University in Calgary: Mehrere Systeme und Online-Dienste fielen nach einem Ransomware-Angriff aus. Später bestätigte die Universität, dass Angreifer Daten auf einem gemeinsam genutzten Laufwerk eingesehen und entwendet hatten. Bei der University of Tartu in Estland wurde zwischen dem 14. und 16. Juni über eine Schwachstelle Malware im Webshop installiert; Angreifer konnten auf die Administrationsansicht und Kundendaten zugreifen.
Die University of Nottingham meldete am 9. Juni, eine externe Partei habe auf eine erhebliche Datenmenge im Studierendenverwaltungssystem zugegriffen. Betroffen waren aktuelle und ehemalige Studierende, möglicherweise kompromittiert wurden Kontakt-, Hochschul-, Finanz- und weitere personenbezogene Daten. An der Universitat de València wurden am 25. Mai Daten eines veralteten Servers einer Forschungsgruppe exfiltriert, überwiegend ältere Videodateien. Lösegeld wurde nicht gezahlt.
Über den externen Canvas-Anbieter wurden am 6. Mai an der Universiteit van Amsterdam Basisdaten von Studierenden und Beschäftigten offengelegt. Die Universität nahm Canvas vorsorglich zeitweise offline und meldete den Vorfall der Datenschutzbehörde und der Polizei. An der Universität des Saarlandes griff ein Angreifer am 21. April auf 40.600 Profile einer Lernplattform zu. Überwiegend waren Namen betroffen; bei rund 1.300 Profilen waren zusätzliche, von Nutzern selbst eingetragene Angaben sichtbar. Sensible Daten waren nach Angaben der Universität nicht betroffen.
Auch die ersten Monate des Jahres brachten keine Verschnaufpause. An der Belhaven University in den USA wurden Teile des internen Netzwerks vorsorglich offline genommen, einige Dienste waren knapp zwei Wochen eingeschränkt, Online-Lehrveranstaltungen zeitweise ausgesetzt. Die Universidade Federal de Sergipe schaltete nach einem Angriff auf Windows-Systeme Rechner vorsorglich ab; zentrale Verwaltungs- und Lehrsysteme funktionierten nach Angaben der Hochschule weiter.
Deutlich härter traf es das University of Mississippi Medical Center: Ein Ransomware-Angriff legte unter anderem elektronische Patientenakten, Telefonie und weitere IT-Systeme lahm. Kliniken wurden zeitweise geschlossen und planbare Behandlungen abgesagt, während Krankenhäuser und Notaufnahmen mit Notfallprozessen weiterarbeiteten. Bei Sapienza Università di Roma beeinträchtigte ein Angriff am 1. Februar die IT-Dienste; Betroffene wurden über mögliche Auswirkungen auf personenbezogene Daten informiert. Die Vorfallbearbeitung wurde im April formal abgeschlossen.
An der Technischen Universität Wien hatte ein Angreifer spätestens ab dem 21. Januar unbefugten Zugriff auf administrative Active-Directory-Konten. Unter anderem konnten Namen, E-Mail-Adressen und Passwort-Hashes abgegriffen werden; zentrale Passwörter wurden zurückgesetzt.
Auch 2025 und 2024 waren geprägt von Vorfällen
Im Dezember 2025 griffen Unbefugte bei der University of Sydney auf eine Online-Codebibliothek zu und luden historische Datensätze herunter. Betroffen waren Daten von Beschäftigten, ehemaligen Beschäftigten, Studierenden, Alumni und einigen Unterstützern. Die Hochschule Mainz fuhr ihre IT-Systeme nach einem Cyberangriff am 24. November vollständig herunter. E-Mail-Dienste waren stark eingeschränkt, die Präsenzlehre lief weiter. Angreifer nutzten unter anderem Fernwartungssoftware und einen Keylogger; auf betroffenen Geräten eingegebene oder gespeicherte Passwörter galten als potenziell kompromittiert.
Ein DDoS-Angriff auf die UZ Gent beeinträchtigte am 5. November 2025 vorübergehend Website und einzelne digitale Dienste
