Am Campus Griebnitzsee dürfte es in den kommenden Jahren enger werden – und zugleich deutlich größer. Die Hasso Plattner Foundation konkretisiert ihre Pläne für den neuen HPI-Campus in Potsdam. Künftig soll das Gelände vollständig vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) genutzt werden.

Dafür sollen die Fakultäten der Universität Potsdam vom Griebnitzsee auf den neuen Campus Brauhausberg umziehen. Der Ortswechsel schafft Raum für zusätzliche Forschungsflächen am HPI und für mehr Plätze in Wohnheimen. Für Studierende und Forschende bedeutet das: neue Wege, neue Gebäude, viel Baustellenlogistik – und hoffentlich irgendwann weniger Platzsuche.

Task Force arbeitet am Campus Brauhausberg

Die Vorbereitungen für den vierten Campus der Universität Potsdam am Brauhausberg sowie den Ausbau des HPI am Griebnitzsee laufen nach Angaben der Beteiligten planmäßig. Ministerpräsident Dietmar Woidke und Hasso-Plattner-Stiftungsgründer Professor Hasso Plattner leiten die Task Force, die inzwischen zum vierten Mal in der Potsdamer Staatskanzlei tagte.

Finanzminister Daniel Keller nahm erstmals an der Sitzung teil. Hintergrund ist der Wechsel des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen vom Innen- ins Finanzministerium. Die Task Force tagt nach Bedarf, ungefähr alle zwölf Wochen. Ihr Ziel: die Qualität und den zügigen Fortschritt des Gesamtprojekts sichern und die rechtzeitige Fertigstellung ermöglichen.

Die bisherigen Sitzungen fanden am 8. Juli 2025 als Auftaktsitzung und am 14. Oktober 2025 statt. Unterstützt wird das Gremium von zwei Arbeitsgruppen. Die Arbeitsgruppe „Planen und Bauen“ wird von der Ministerin des Innern und für Kommunales geleitet. Vertreten sind Staatskanzlei, Stiftung, Ministerium des Innern und für Kommunales, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Ministerium der Finanzen und für Europa, Universität Potsdam, Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen, Hasso-Plattner-Institut (HPI) und Landeshauptstadt Potsdam.

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Die Arbeitsgruppe „Lehr- und Forschungskooperation“ steht unter der Leitung der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Zu ihr gehören Vertretungen von Staatskanzlei, Stiftung, Hasso-Plattner-Institut (HPI), Universität Potsdam sowie dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Vom Letter of Intent zum Bebauungsplan

Brandenburg, die Universität Potsdam und die Hasso Plattner Foundation unterzeichneten am 2. Juni 2025 einen Letter of Intent. Darin geht es um den Neubau des Campus Brauhausberg, den Ausbau des HPI und die Weiterentwicklung der gemeinsam mit der Universität betriebenen Digital Engineering Fakultät am Campus Griebnitzsee.

Am 2. Juni 2026, genau ein Jahr nach der Unterzeichnung, soll die öffentliche Beteiligung am Entwurf des Bebauungsplans für den Brauhausberg beginnen. Die städtebauliche Vorzugsvariante für den neuen Campus soll Mitte Juni vorgestellt werden. Aus drei zunächst öffentlich präsentierten städtebaulichen Varianten wurde in einem Werkstattverfahren ein bevorzugter Entwurf entwickelt. Dabei wurden Funktionalität, Umweltaspekte, die Qualität der Freiräume und das Zusammenspiel von Neu- und Altbauten berücksichtigt.

Die Variante soll als Grundlage für den Bebauungsplan dienen. Erarbeitet wird dieser von der Landeshauptstadt Potsdam; die Stadtverordneten sollen ihn 2027 beschließen. Parallel entstehen ein Raum- und Flächenprogramm, eine funktionale Leistungsbeschreibung und ein technisches Raumbuch. Klingt trocken, ist für die spätere Gestalt des Campus aber entscheidend.

Die im Letter of Intent festgehaltenen Vorhaben wurden außerdem hinsichtlich stiftungs-, vergabe- und steuerrechtlicher Fragen geprüft. Derzeit werden die vertraglichen Grundlagen ausgearbeitet. Das Finanzministerium und die Stiftung erarbeiten ein Eckpunktepapier als Basis für die späteren Verträge. Vereinbarungen, unter anderem zum Erwerb von Grundstücken, sollen möglichst noch 2026 geschlossen werden.

Ein Markterkundungsverfahren wurde in der Vorwoche abgeschlossen. Das Ergebnis: Es gibt keine weiteren Zuwendungsgeber. Das Land kann die Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandorts nun gemeinsam mit der Hasso Plattner Foundation vorantreiben.

Mehr Raum für digitale Forschung

Der Ausbau des HPI und der Digital Engineering Fakultät soll zur digitalen Souveränität Deutschlands und Europas beitragen. Die Digital Engineering Fakultät soll weitere Masterstudiengänge, internationale Kooperationen und Forschungsschwerpunkte entwickeln, insbesondere zur Künstlichen Intelligenz.

Die Hasso Plattner Foundation will bislang von der Universität genutzte Flächen und Gebäude am Campus Griebnitzsee übernehmen. Im Gegenzug soll sie der Universität auf dem Brauhausberg einen neuen Campus bereitstellen. Dieser soll international ausgerichtete Standards für Forschung und Lehre erfüllen. Zusätzlich sollen die Universitätsstandorte in Golm und am Neuen Palais gestärkt werden.

Auch das Hochschulrecht in Brandenburg wird gerade neu aufgestellt. Nach einem Beteiligungsprozess befindet sich die Reform im Gesetzgebungsverfahren. Ab 1. Januar 2027 sollen an staatlichen Hochschulen Berufungsverfahren für Professuren schneller laufen, Auswahlverfahren für Studierende stärker an der individuellen Qualifikation ausgerichtet werden und die Hochschulen bei der Gestaltung von Studiengängen autonomer werden.

Das Kabinett verabschiedete den Gesetzentwurf am 31. März. Er trägt den Titel „Gesetz zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Brandenburgischen Hochschulsystems“. Der Landtag berät die Novelle; eine Verabschiedung ist vor der Sommerpause vorgesehen.

Hier an der Uni Babelsberg, am 14. Oktober 2026, wirkt das Projekt deshalb weniger wie eine einzelne Baustelle als wie ein ziemlich großes Geflecht aus Bauplanung, Hochschulpolitik und Forschungsstrategie. Am Griebnitzsee soll das HPI wachsen, während die Universität am Brauhausberg eine neue Adresse bekommt. Dazwischen liegen Sitzungen, Verträge, Beteiligungsverfahren – und noch einige Entscheidungen, die auf den Tischen der beteiligten Ministerien warten.