IG Metall erhöht mit Warnstreiks den Druck in der Metall- und Elektroindustrie
Heute, am 2. November 2026, beginnt die IG Metall im Südwesten mit ersten Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie. In den Tarifverhandlungen gibt es bislang keine Annäherung. Die Gewerkschaft will den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen – und das dürfte in vielen Betrieben deutlich zu hören sein.
In Baden-Württemberg sind landesweit Streiks und Kundgebungen an neun Standorten geplant. Dazu gehören ZF Wabco in Mannheim, IWK Verpackungstechnik in Stutensee bei Karlsruhe, TDK Micronas in Freiburg, HERMETIC-Pumpen in Gundelfingen bei Freiburg und Schaeffler in Bühl. Dort ist außerdem eine zentrale Kundgebung mehrerer Betriebe vorgesehen, darunter dormakaba, ABB, Bosch Bühl und PWO.
Warnstreiks im Südwesten und in Rheinland-Pfalz
Auch in Rheinland-Pfalz sind nach dem Auftakt am Vortag bei thyssenkrupp Rasselstein in Andernach flächendeckende Aktionen geplant. In Koblenz sollen mehrere Demonstrationszüge durch das Industriegebiet ziehen. Anschließend sind Kundgebungen mit Beschäftigten aus sieben Betrieben vorgesehen. Beschäftigte von thyssenkrupp Bilstein in Mandern wollen sich in Trier beteiligen.
Mit dem Ende der Friedenspflicht um Mitternacht starteten am Sonntag um 0 Uhr die ersten Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie. Bis Ende der Woche sind Aktionen in mehr als 2.000 Betrieben geplant. Die IG Metall reagiert damit auf das Arbeitgeberangebot aus der zweiten Runde der Tarifverhandlungen 2026.
Gefordert werden fünf Prozent mehr Lohn sowie Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze. In der IG-Metall-Mitte geht es für rund 388.000 Beschäftigte in den vier Bundesländern des Bezirks um fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit, die Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten, eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Beschäftigte und Auszubildende in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie eine soziale Komponente zugunsten niedrigerer Entgeltgruppen.
Arbeitgeberangebot sorgt für Ärger
In der zweiten Verhandlungsrunde der vergangenen Woche boten die Arbeitgeber eine Einmalzahlung im Jahr 2027 und eine Tariferhöhung um 1,3 Prozent im Jahr 2028 an. Konkret soll es Mitte 2027 eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttos geben – je nach Tarifgebiet 555 bis etwa 800 Euro. Die Zahlung könnte abhängig von der wirtschaftlichen Lage des Betriebs ausgesetzt oder angepasst werden.
Zum 1. Juli 2028 sollen die Monatsentgelte um 1,3 Prozent steigen. Der Tarifvertrag soll 26 Monate laufen und Ende Dezember 2028 auslaufen. Die Entgelterhöhung würde damit erst nach 20 Monaten Wartezeit beginnen und entspricht rechnerisch etwa 0,6 Prozent pro Jahr. Für die IG Metall liegt dieses Angebot deutlich unter der eigenen Forderung und ist „unzureichend und nicht verhandelbar“.
Zusätzlich verlangen die Arbeitgeber eine dauerhafte Ausweitung der Möglichkeit, Zahlungen je nach wirtschaftlicher Lage eines Betriebs zu verschieben oder auszusetzen. Sie wollen tarifliche Gespräche über Krankenstände und Maßnahmen zur Senkung der Krankheitskosten führen, außerdem über den Einsatz künstlicher Intelligenz. Im Bezirk Mitte steht das Angebot laut Artikel offenbar unter dem Vorbehalt betrieblicher Vereinbarungen zur Sicherung von Investitionen, Innovationen, Standorten und Beschäftigung. Die Arbeitgeber wollen dort ebenfalls Gespräche über Krankenstände in den Betrieben führen.
IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger kritisierte, die Forderungen der Arbeitgeber seien umfangreich, während ihr Angebot gering ausfalle. IG-Metall-Verhandlungsführerin und Bezirksleiterin Barbara Resch fordert für die nächste Verhandlungsrunde ein verbessertes Angebot und ein Konzept für die industrielle Zukunft Baden-Württembergs.
Zwischen Stellenabbau und besserer Auslastung
Die Arbeitgeber warnen vor Stellenabbau. Laut einer Umfrage des Arbeitgeberverbands der Metall- und Elektroindustrie plant mehr als die Hälfte der Unternehmen in Baden-Württemberg, in den kommenden sechs Monaten Stellen abzubauen. Nach Angaben der Arbeitgeber müssten die Arbeitskosten sinken, damit Investitionen möglich werden.
Das Bild aus den Betrieben ist allerdings nicht überall gleich trüb. Wirtschaftsinstitute haben ihre Prognosen für die Metall- und Elektroindustrie zuletzt nach oben korrigiert. Einer IG-Metall-Umfrage zufolge weisen 62 Prozent der Betriebe wieder eine gute oder sehr gute Auslastung auf. Die Auto- und Zulieferindustrie ist schwach, während Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Elektrotechnik und Wehrtechnik eine hohe Nachfrage verzeichnen.
Auch die Mehrheit der Betriebsräte bewertet die Aussichten für die kommenden sechs Monate als gut oder sehr gut – sogar in der Autoindustrie. Gleichzeitig drücken hohe Preise auf die Beschäftigten. Die IG Metall will deshalb die Kaufkraft sichern; der private Konsum macht mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts aus.
Der Warnstreikmodus war angekündigt
Schon vor der zweiten Tarifverhandlung demonstrierten rund 300 Beschäftigte für fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit. Die Arbeitgeber wiederholten dabei ihr bereits in anderen Tarifgebieten vorgelegtes Angebot. Die IG Metall Mitte wollte nach eigenen Angaben zügig einen Tarifabschluss erreichen. Nach der zweiten Verhandlung kündigte Verhandlungsführer Jörg Köhlinger dann den Wechsel in den Warnstreikmodus an.
Für die Mittelgruppe sieht das Angebot eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent ab Juli 2028, eine ab Juli 2027 beginnende und nach unten differenzierbare Einmalzahlung sowie ein Tarifvertragsende zum 31. Dezember 2028 vor. Außerdem soll die automatische Differenzierung ausgeweitet und dauerhaft fortgeführt werden.
Bei der künstlichen Intelligenz liegt ebenfalls Zündstoff. Die IG Metall hatte im Januar 2026 mit der „Initiative für Arbeit und Aufschwung“ Vorschläge für eine beschleunigte Einführung vorgelegt. Eine substanzielle Antwort der Arbeitgeber steht nach Angaben der Gewerkschaft noch aus. Nun wird erst einmal gestreikt – in Mannheim, Bühl, Koblenz und an vielen weiteren Orten. Der nächste Verhandlungstisch wartet trotzdem schon.
