Med Berlin, 28.10.2026 – Im Klinikum Mutterhaus in Trier bekommen Krebspatienten zunehmend Zugang zu klinischen Studien. Für einen Patienten mit Lymphdrüsenkrebs bedeutet das derzeit: keine übliche Chemotherapie, sondern sechs Infusionen mit einem Immun-Checkpoint-Inhibitor. Das Medikament reguliert bestimmte Eiweiße des Immunsystems.

Normalerweise wird Lymphdrüsenkrebs mit vier Chemotherapie-Zyklen und einer Bestrahlung der betroffenen Region behandelt. Die vom Universitätsklinikum Köln finanzierte Studie prüft, ob bei einer sehr frühen Erkrankung auf die Chemotherapie verzichtet werden kann. Deutschlandweit wurden dafür 50 Patienten ausgewählt.

Sechs Infusionen statt Chemotherapie

Chefarzt Frank Rücker sprach den Patienten wegen geeigneter medizinischer Werte auf die Teilnahme an. Die Diagnose habe ihn zunächst sehr erschrocken, erzählt der Betroffene. Auch seine Familie habe bis zur Klärung der Behandlung stark darunter gelitten. Vorab informierte er sich über Chemo- und Immuntherapie und verglich vor allem die möglichen Nebenwirkungen.

Nach vier von sechs Behandlungen fühlt er sich nach eigener Aussage gut und kann weiterarbeiten. Während einer Chemotherapie wäre das wegen möglicher Nebenwirkungen vermutlich nicht möglich gewesen, vermutet er. Seine Hoffnung: ohne Chemotherapie gesund zu werden. Sollte das nicht klappen, könnten seine Erfahrungen vielleicht anderen Patienten zugutekommen.

Rücker nennt klinische Studien einen wichtigen Weg, neue medizinische Therapien zugänglich zu machen. Dabei werden nach seinen Angaben auch zugelassene Medikamente, die bereits bei anderen Erkrankungen eingesetzt werden, in weiteren Anwendungsbereichen geprüft. Garantien für eine erfolgreiche Behandlung hält er dagegen für unseriös. Sie könnten das Vertrauen zwischen Arzt und Patient beschädigen. Offenheit über Chancen und Risiken sei Pflicht.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Damit solche Studien überhaupt zustande kommen, müssen Ärzte gut vernetzt sein. Außerdem braucht das Klinikum ausreichend viele Fälle mit dem jeweiligen Krankheitsbild. Studien sollten zügig abgeschlossen werden, sagt Rücker, damit ihre Ergebnisse nicht von neuen medizinischen Entwicklungen überholt werden. Das Klinikum Mutterhaus erhält nach eigenen Angaben lediglich eine Aufwandsentschädigung, die Finanzierung übernimmt die Universitätsklinik Köln.

Was sich in der Immuntherapie bewegt

Die Forschung am Hodgkin-Lymphom setzt derzeit an mehreren Stellen am Immunsystem an. Forschende blockierten gezielt das Molekül CD86 und konnten dadurch den „Schlafzustand“ von T-Zellen aufheben. Das unterstreicht die zentrale Rolle von CD86 bei der Hemmung dieser Immunzellen.

Parallel entwickelte das Team eine CAR-T-Zell-Therapie gegen CD86. Anti-CD86-CAR-T-Zellen zeigten laut den Forschenden in mehreren Krankheitsmodellen eine hohe Wirksamkeit. CD86 gilt damit als mögliche Zielstruktur für neue Therapien gegen das Hodgkin-Lymphom beim Menschen. Wissenschaftler der LMU arbeiten an der Herstellung solcher anti-CD86-CAR-T-Zellen für eine klinische Studie. Dafür braucht es verschiedene Komponenten, Kooperationspartner und finanzielle Mittel.

Die Forschung könnte außerdem eine neue Generation von Immuncheckpoint-Inhibitoren anstoßen. Diese Medikamente sollen das Immunsystem nicht nur reaktivieren, sondern Krebszellen auch direkt abtöten. Bis daraus eine zugelassene Behandlung wird, ist es allerdings ein weiter Weg – Labor, Krankheitsmodelle, klinische Prüfung, dann erst Routine.

Hodgkin-Lymphom: eine Krankheit mit vielen Gesichtern

Das Hodgkin-Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Die neoplastischen Zellen stammen meist von B-Lymphozyten ab. Rund 95 Prozent der Fälle entfallen auf das klassische Hodgkin-Lymphom (cHL), das durch wenige Hodgkin-Reed-Sternberg-Zellen in einem reaktiven Zellmilieu gekennzeichnet ist. Etwa fünf Prozent machen das nodulär-lymphozytenprädominante Hodgkin-Lymphom (NLPHL) aus.

Häufig beginnt die Erkrankung an zervikalen, mediastinalen oder inguinalen Lymphknoten. Die Ausbreitung kann lymphogen, hämatogen oder direkt in extralymphatische Organe erfolgen. Pro Jahr gibt es zwei bis drei Fälle je 100.000 Einwohner. Der Altersgipfel liegt bei 32 Jahren, etwa ein Viertel der Betroffenen ist älter als 60 Jahre.

Typisch sind länger bestehende, meist schmerzlose und mitunter wechselnde Lymphknotenschwellungen. Dazu können Fieber, Pel-Ebstein-Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Juckreiz kommen. Alkoholschmerz ist selten und tritt bei etwa fünf Prozent der Patienten auf. Im Labor finden sich manchmal eine erhöhte BSG oder ein erhöhtes CRP, Leukozytose, Eosinophilie oder Lymphozytopenie. Spezifisch sind diese Veränderungen nicht; einen einzelnen Laborwert zur Diagnose oder Verlaufskontrolle gibt es nicht.

Die Diagnose wird histologisch durch eine Lymphknotenbiopsie gestellt, möglichst durch die Entfernung eines ganzen Lymphknotens. Eine Feinnadelaspiration reicht wegen des geringen Anteils an H-RS-Zellen und der nicht beurteilbaren Lymphknotenstruktur nicht aus. Bei schwierigen Befunden sollte eine Referenzpathologie hinzugezogen werden. Entwickelt sich die Erkrankung klinisch weiter, obwohl zunächst von einer reaktiven Veränderung ausgegangen wurde, ist eine erneute Biopsie erforderlich.

Zum Staging gehören die Anamnese zu B-Symptomen, die körperliche Untersuchung auf vergrößerte Lymphknoten und eine Hepatosplenomegalie sowie Blutbild, BSG, LDH, Leber- und Nierenparameter und Harnsäure. Hinzu kommen Röntgen-Thorax, eine kontrastmittelgestützte CT von Hals, Thorax und Abdomen sowie ein PET-CT mit Deauville-Score. Gegebenenfalls werden Knochenmarkaspiration und -biopsie durchgeführt.

Ist das Knochenmark in der PET unauffällig und zeigt auch das Skelett keinen Befund, kann auf die Knochenmarkpunktion verzichtet werden; der negative prädiktive Wert der PET liegt dann bei etwa 99 Prozent. PET-positive, stadien- und therapiebestimmende Herde sollten biopsiert werden. Eine Leberbiopsie ist nur bei Verdacht auf diffusen Leberbefall nötig, wenn das Ergebnis die Therapie beeinflussen würde. Fokale Leberläsionen in CT oder Ultraschall gelten als Befall. Eine explorative Laparotomie mit Splenektomie ist obsolet.

Vor Therapiebeginn sollen Lungenfunktion, EKG und Echokardiografie untersucht werden. Auch eine Beratung zur Fertilitätserhaltung gehört dazu. Beim cHL werden ein nodulär-sklerosierender Typ, ein Mischtyp, ein lymphozytenreicher und ein lymphozytenarmer Typ unterschieden. H-RS-Zellen tragen typischerweise CD30 und CD15; die histologische Subklassifikation hat allerdings keine therapeutischen Konsequenzen. Beim NLPHL heißen die malignen Zellen L&H-Zellen. Sie sind meist CD20- und CD79a-positiv, aber CD30-negativ. Deshalb ist Brentuximab Vedotin beim NLPHL wegen fehlender CD30-Expression nicht wirksam und nicht zugelassen.

Therapie richtet sich nach Stadium und Risiko

Die modifizierte Ann-Arbor-Klassifikation teilt die Erkrankung in vier Stadien ein: Stadium I bedeutet eine Lymphknotenregion oder einen lokalisierten extralymphatischen Befall. In Stadium II sind mindestens zwei Lymphknotenregionen oder ein lokalisierter extralymphatischer Befall auf einer Seite des Zwerchfells betroffen. Stadium III liegt bei Befall auf beiden Seiten des Zwerchfells vor, Stadium IV bei diffusem oder disseminiertem Befall eines oder mehrerer extralymphatischer Organe. Der Zusatz A steht für fehlende, B für vorhandene B-Symptome. Gemeint sind ungeklärtes Fieber über 38 °C, ungeklärter Nachtschweiß mit Wechsel der Nachtwäsche und ungeklärter Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent innerhalb von sechs Monaten.

Als GHSG-Risikofaktoren gelten der Befall von mindestens drei Lymphknotenarealen, eine BSG von mindestens 50 mm/h ohne B-Symptome oder mindestens 30 mm/h mit B-Symptomen, ein großer Mediastinaltumor von mindestens einem Drittel des maximalen Thoraxquerdurchmessers und extranodaler Befall.

Die Differenzialdiagnose umfasst bakterielle oder virale Lymphadenitiden wie Tuberkulose, Toxoplasmose, EBV, CMV und HIV, andere maligne Lymphome, Lymphknotenmetastasen solider Tumoren, Thymome, Keimzelltumoren und Sarkoidose.</p