Eine aktuelle Studie der Health and Medical University in Potsdam und der Medical School Hamburg beleuchtet die Einstellungen von Medizinstudierenden zur interprofessionellen Bildung (IPE) in Deutschland. In der Befragung, die 256 angehende Mediziner:innen aus dem IRO-Netzwerk einbezog, zeigte sich ein bemerkenswerter Trend. Während Frauen eine positive Haltung gegenüber IPE zeigten, nahm die Bereitschaft zur Teilnahme an interprofessionellen Lehrformaten in höheren Semestern tendenziell ab. Diese Erkenntnisse könnten weitreichende Einfluss auf die zukünftige Ausbildung angehender Mediziner:innen haben, da IPE als Schlüssel zur Verbesserung der Patientenversorgung und -sicherheit angesehen wird.
Die Studie hat ermittelt, dass die Studierenden Psychologie und Soziologie, Anatomie sowie Physiologie als die am besten geeigneten vorklinischen Fächer für die Integration von IPE ansehen. In klinischen Phasen hingegen halten sie Psychiatrie, Psychosomatik und Allgemeinmedizin für besonders geeignet. Die Forschung empfiehlt daher eine frühzeitige Implementierung von IPE-Programmen in die Curricula, damit Studierende verschiedener Gesundheitsberufe frühzeitig voneinander lernen und gemeinsam arbeiten können. Diese Erkenntnisse sind die erste umfassende Untersuchung zu den Einstellungen zu IPE an privaten medizinischen Hochschulen in Deutschland, wie medicalschool-berlin.de berichtet.
Interprofessionelle Ausbildungsansätze in Deutschland
Referenzprojekte aus anderen Institutionen, wie der Medizinischen Fakultät Heidelberg, stellen jedoch ebenfalls wertvolle Informationen zur Verfügung. Diese Fakultät bietet neben Humanmedizin auch Zahnmedizin und einen Studiengang in Interprofessioneller Gesundheitsversorgung an. Der Studiengang qualifiziert Auszubildende aus Pflege-, Therapie- und Diagnoseberufen und fördert eine interprofessionelle Lehr- und Lernkultur, die auf nationalen und internationalen Empfehlungen basiert. Thematische Schwerpunkte des Curriculums sind Kommunikation, Teamarbeit, evidenzbasierte Praxis und Arbeitsorganisation, wie medizinische-fakultaet-hd.uni-heidelberg.de darlegt.
Ein innovativer Ansatz der Fakultät sind gemeinsame Lehrveranstaltungen, die darauf abzielen, die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe zu fördern. Seit dem Wintersemester 2013/14 wird ein Seminar zur interprofessionellen Kommunikation jährlich angeboten, das über 28 Unterrichtseinheiten umfasst. Zudem gibt es einen interprofessionellen Journal Club, der die Studierenden auf den Umgang mit englischer Fachliteratur und Evidenzrecherche vorbereitet. Ein speziell entwickeltes Planspiel vermittelt betriebswirtschaftliche Grundlagen zur Erstellung eines Businessplans, was für die angehenden Fachkräfte von enormem Nutzen sein kann.
Fortschritte bei interprofessioneller Lehre
Das Curriculum an der Medizinischen Fakultät Heidelberg enthält zudem zahlreiche innovative Formate wie Seminare zur Fehlerkommunikation, zur komplementären und integrativen Medizin sowie zur Patientensicherheit in interprofessionellen Teams. Ein Pilotprojekt mit dem Namen „HIPSTA“ ermöglicht es Medizinstudierenden und Pflegekräften, in einem interprofessionellen Rahmen für mehrere Wochen zusammenzuarbeiten. Auch Betriebseinsichten, wie Palliativstationen, werden seit dem Sommersemester 2017 eingesetzt, um die Studierenden auf den sensiblen Umgang mit dem Thema Tod und Sterben vorzubereiten.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Implementierung interprofessioneller Ausbildungsformate in den Curricula der medizinischen Hochschulen nicht nur die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Gesundheitsberufen fördert, sondern auch die gesamte Patientenversorgung verbessern kann. Zukünftige Studien werden zeigen müssen, inwieweit diese Ansätze an der Basis akzeptiert werden und im praktischen Rahmen funktionieren. Die Empfehlungen der aktuellen Studie und die bewährten Praktiken aus Heidelberg bilden jedoch eine starke Grundlage für die weitere Entwicklung der medizinischen Ausbildung in Deutschland.