Jena greift nach dem Exzellenzstatus: Entscheidung mit Signalwirkung für Ostdeutschlands Hochschulen
Für die Friedrich-Schiller-Universität Jena könnte dieser 2. Oktober 2026 ein historischer Tag werden: Am späten Nachmittag fällt die Entscheidung, ob sie Thüringens erste Exzellenzuniversität wird. An der Universität Magdeburg dürfte man heute ebenfalls genau hinschauen, denn die Entscheidung betrifft die deutsche Hochschullandschaft weit über Jena hinaus.
Elf Neuanträge für den Exzellenzstatus liegen vor. Neben Jena bewerben sich zehn weitere Universitäten oder Verbünde. Vergeben werden bis zu fünf neue Plätze. Neun Universitäten und ein Verbund haben ihren Exzellenzstatus bereits verteidigt.
Jenas Weg zum Antrag
Der Status wird im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern vergeben. Das Programm soll Spitzenforschung stärken und Hochschulen international sichtbarer machen. In der aktuellen Förderphase erhalten die ausgewählten Universitäten laut Bundesforschungsministerium jeweils rund zwölf Millionen Euro pro Jahr.
Die FSU Jena erhielt im vergangenen Jahr Fördermittel für zwei disziplinübergreifende Exzellenzcluster. Hochschulen mit mindestens zwei geförderten Exzellenzclustern können sich um den Status als Exzellenzuniversität bewerben. Das Cluster „Balance of the Microverse“ wurde im Mai 2025 zum zweiten Mal gefördert und erforscht Mikroorganismen.
Das zweite Cluster trägt den Namen „Imaginamics. Practices and Dynamics of Social Imagining“. Es soll helfen, gesellschaftliche Konflikte und Debatten besser zu verstehen. Im November 2025 reichte die Universität ihren Antrag „Light. Life. Liberty. – Connecting People and Ideas“ beim Wissenschaftsrat ein.
Im Juni 2026 besuchte eine internationale Gutachtergruppe die Universität. Präsentationen, Rundgänge und Gespräche vermittelten den Experten Einblicke in die Hochschule und ihre Strategie. Eine Sprecherin erklärte, Jena gehe selbstbewusst und optimistisch in die Entscheidung. Die Universität verweist auf ihre wissenschaftliche Profilierung und die fachliche Breite, die aus den beiden Exzellenzclustern entsteht. Gleichzeitig sieht sie sich in einem Wettbewerb mit anderen Universitäten und Universitätsverbünden.
Wer über die Förderung entscheidet
Über die Förderung entscheidet die Exzellenzkommission. Zu ihr gehören ein Expertenkomitee mit 39 Wissenschaftsvertreterinnen und -vertretern sowie die Wissenschaftsministerinnen und -minister von Bund und Ländern. Den Vorsitz führen die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Vorsitzende des Wissenschaftsrats; beide haben kein Stimmrecht.
Die genaue Aufgabenverteilung ist in der Exzellenzstrategie festgelegt: Über Antragsskizzen und Anträge entscheiden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission. Das Committee of Experts besteht aus 39 ausgewiesenen Forschenden verschiedener Wissenschaftsgebiete und bildet das gesamte Fächerspektrum ab. Seine Mitglieder bringen außerdem langjährige Erfahrungen im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft mit.
Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage fachwissenschaftlicher Begutachtungen und gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission ab. Es entscheidet außerdem, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen, und bewertet die Ergebnisse der Evaluation von Exzellenzuniversitäten.
Die Exzellenzkommission setzt sich aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder zusammen. Auf Grundlage der Empfehlungen des Expertenkomitees entscheidet sie über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten. Weitere Informationen stellt die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz auf ihrer Webseite zur Exzellenzstrategie bereit.
Mit Dresden und Berlin unter den ostdeutschen Standorten
Zu den bisherigen ostdeutschen Exzellenzstandorten gehören die Technische Universität Dresden sowie der Berliner Exzellenzverbund aus Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technischer Universität Berlin und Charité – Universitätsmedizin Berlin. Jena könnte als weiterer Standort hinzukommen und zugleich Thüringens ersten Exzellenzstatus holen.
Die Förderung der ausgewählten Standorte beginnt am 1. Januar 2027. Exzellenzuniversitäten und -verbünde werden dauerhaft gefördert, müssen sich aber alle sieben Jahre einer wissenschaftlichen Evaluation stellen. Der heutige Nachmittag entscheidet also über den Startpunkt – nicht über eine Ruhepause für die kommenden Jahre.
