Am 1. und 2. Oktober 2026 wird das Wiener Rathaus zum Treffpunkt für Fachleute, die sich mit den Lebenswelten junger Menschen beschäftigen. Im Wappensaal findet die 73. Fachtagung der österreichischen Kinder- und Jugendhilfepsychologinnen statt. Der Titel: „JUNGE WELTEN“.

Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Lebenswelten Jugendlicher und die Frage, wie sie den Alltag und die psychische Entwicklung beeinflussen. Wer genauer hinschaut, kann Gefährdungen besser einschätzen, aber auch Chancen und Alternativen erkennen. Das klingt zunächst nüchtern – in der Praxis geht es um ziemlich konkrete Fragen: Was zieht Jugendliche an? Wo suchen sie Anerkennung? Und wann kippt ein Konflikt?

Radikalisierung, Migration und digitale Räume

Den Auftakt macht Alexander Ritzmann mit seinem Vortrag über den Zusammenhang zwischen Selbstwirksamkeitserleben und Radikalisierung im Kontext von Kampfsport im Jugendalter. Ritzmann arbeitet seit über 25 Jahren zu Demokratieförderung sowie zur Prävention von gewaltorientiertem Extremismus und Terrorismus.

Anschließend spricht Prof. Dr. Philipp Jugert über Identität und Teilhabe von Jugendlichen in der Migrationsgesellschaft. Jugert ist Professor für Sozialpsychologie und Interkulturelle Psychologie an der Universität Duisburg-Essen.

Esim Karakuyu widmet sich den Entwicklungen und Dynamiken in den digitalen Lebenswelten junger Menschen. Karakuyu arbeitet in der Extremismusprävention sowie in der gendersensiblen und rassismuskritischen Jugendarbeit. Gerade online liegen Provokation, Zugehörigkeit und Überforderung manchmal nur einen Wisch auseinander.

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Danach geht es mit Prof. Dr. Nina Romanczuk-Seiferth um wissenschaftliche Erkenntnisse zu Verhaltenssüchten – einschließlich ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung. Sie ist Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der MSB Medical School Berlin und leitet dort eine Spezialambulanz für Verhaltenssüchte und exzessive Mediennutzung.

Den Abschluss der Vortragsreihe bildet Klin.-Doz. Dr. Dagmar Pauli mit dem Vortrag „Was brauchen Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsinkongruenz und was brauchen sie nicht?“. Pauli ist Chefärztin und medizinisch-therapeutische Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

Termine, Rathaus und ein Angebot aus Hamburg

Am Donnerstag, 1. Oktober 2026, läuft die Tagung von 09:00–16:00 Uhr. Am Freitag, 2. Oktober 2026, geht es von 08:30–14:00 Uhr weiter. Veranstaltungsort ist der Wappensaal im Wiener Rathaus. Medienvertreterinnen können teilnehmen und Interviews mit den Vortragenden führen. Als Quelle zur Veranstaltung wird die Stadt Wien genannt.

Eine passende Ergänzung bietet das Angebot „Jugendphase und diverse Lebenswelten“ in Hamburg. Es richtet sich an pädagogische Fachkräfte und Bezugspersonen junger Menschen und umfasst Beratung, Fort- und Weiterbildungen, Workshops und Trainings.

Träger ist ajs Hamburg, ein freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Die Beratungsstelle unterstützt Kinder, Jugendliche und Eltern und bietet Fortbildungen sowie Fachtagungen für pädagogische Fachkräfte an. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf dem erzieherischen Jugendschutz mit jugendrechtlicher Orientierung. Gefördert wird das Projekt durch die Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung.

Herzstück ist eine niedrigschwellige Telefonberatung für pädagogische Fachkräfte. Sie können dort erste Einschätzungen zu extremistisch erscheinenden Provokationen Jugendlicher erhalten, Anregungen für Präventionsaktivitäten im jeweiligen Arbeitsfeld bekommen oder sich über pädagogische Handreichungen informieren. Bei religiös motivierten Radikalisierungstendenzen Jugendlicher ist auch eine Verweisberatung möglich. Ansprechperson ist Larissa Bode.

„Verstehen, Stärken, Schützen“

Auf Anfrage bietet „Jugendphase und diverse Lebenswelten“ Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte der außerschulischen Jugend- und Jugendsozialarbeit in Hamburg an. Ziel ist, ihre Handlungssicherheit und ihr Präventionshandeln zu stärken. Grundlage bildet das dreidimensionale ajs-Konzept „Verstehen, Stärken, Schützen“.

Auf dem Programm stehen unter anderem die Anziehungskraft und sogenannte Pull-Faktoren salafistischer Angebote in der Jugendphase, entwicklungstypische Aspekte und gesellschaftliche Phänomene, die Radikalisierung fördern können, sowie die Entwicklung einer reflektierten beruflichen Haltung zum Thema Religion.

Weitere Inhalte sind eine ressourcenorientierte, identitätsstärkende und transkulturelle Prävention, Handlungsmöglichkeiten zum Schutz Jugendlicher und entsprechende Unterstützungsangebote in Hamburg. Auch der empathische und kultursensible Umgang mit religiös gefärbten Konflikten in Jugendeinrichtungen gehört dazu. Viel Stoff, ja – aber eben auch Stoff, der im Alltag schnell gebraucht wird.

Das Angebot ist unter „Jugendphase und diverse Lebenswelten“, Beim Schlump 13a, 20144 Hamburg, erreichbar. Telefonisch geht es über +49 40 410980 0, per E-Mail an info@ajs-hh.de. Die Website lautet https://www.ajs-hamburg.de/.

Demokratie muss erlebt werden

Den größeren Rahmen liefert die Jugendarbeit nach § 11 SGB VIII: Junge Menschen haben ein Recht auf Demokratiebildung. Angebote sollen an ihren Interessen anknüpfen, von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, zur Selbstbestimmung befähigen sowie gesellschaftliche Mitverantwortung und soziales Engagement fördern.

Gerade die offene Jugendarbeit ist von gesellschaftlicher und damit verbundener Meinungsvielfalt geprägt. Kontinuierliche demokratische Bildung und praktische Partizipationserfahrungen können alternative Zugänge zu Anerkennung, Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit eröffnen – etwa indem junge Menschen pädagogische Angebote aktiv mitbestimmen und gestalten.

Austausch- und Erfahrungsräume fördern neue soziale Beziehungen, eine offene Debattenkultur und Ambiguitätstoleranz. Demokratie erscheint dabei als schützenswerte Lebenspraxis, die in individualisierten Gesellschaften nicht immer leicht auszuhalten ist. Junge Menschen in Krisenzeiten für die Bedeutung der Demokratie, aber auch für ihre Defizite und Anforderungen zu sensibilisieren, gilt als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.