Heute, am 1. November 2026, richtet sich der Blick der Wissenschaft auf eine ungewöhnlich breite Reihe von Auszeichnungen. Von der TU Dresden aus reicht die Liste bis nach Stockholm, Tokio, Paris und an Forschungsstandorte in ganz Deutschland. Ganz oben stehen die Nobelpreise – aber auch viele weniger bekannte Ehrungen erzählen davon, woran Hochschulen und Institute gerade arbeiten.

Zwei der diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger forschen an deutschen Hochschulen beziehungsweise machten ihre entscheidenden Entdeckungen dort: Peter Hegemann von der Humboldt-Universität zu Berlin und Georg Nagel von der Universität Würzburg. Gemeinsam mit Karl Deisseroth vom Howard Hughes Medical Institute und der Stanford University erhalten sie den Preis für Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und zur Optogenetik.

Licht im Nervensystem, Eis am Südpol

Hegemann und Nagel entdeckten Anfang der 2000er-Jahre in einer einzelligen Alge das Protein Channelrhodopsin. Es öffnet sich bei blauem Licht und macht Zellen lichtempfindlich. Deisseroth übertrug das Gen auf Nervenzellen und löste 2007 erstmals im Gehirn lebender Mäuse gezielt Nervensignale durch Lichtreize aus. Die daraus entwickelte Optogenetik wird weltweit genutzt, um neuronale Schaltkreise zu untersuchen, die unter anderem Erinnerungen, Gefühle und Verhalten steuern. Auch eine mögliche Wiederherstellung des Sehvermögens wird mit der Methode klinisch erprobt. Der Medizin-Nobelpreis wurde am 5. Oktober 2026 bekanntgegeben.

Am 6. Oktober folgte der Physik-Nobelpreis für Francis Halzen von der University of Wisconsin–Madison. Ausgezeichnet wird er für entscheidende Beiträge zum IceCube-Neutrino-Observatorium und die Entdeckung hochenergetischer astrophysikalischer Neutrinos. Halzen hatte bereits 1988 vorgeschlagen, das Gletschereis am Südpol als Detektor zu nutzen. Heute steckt dort ein mit Lichtsensoren ausgestattetes Eisvolumen von einem Kubikkilometer. Die Anlage wurde 2011 fertiggestellt; wenige Jahre später gelang der Nachweis von Neutrinos außerhalb des Sonnensystems.

In der Chemie geht der Nobelpreis an Henri B. Kagan, Professor emeritus der Université Paris-Sud, und Kenso Soai, Professor emeritus der Tokyo University of Science. Ihre Auszeichnung am 7. Oktober würdigt die Entdeckung nichtlinearer Effekte und der Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese. Dahinter steht die Frage, wie Homochiralität entsteht – also das Vorkommen nur einer von zwei spiegelbildlichen Molekülvarianten in lebenden Organismen. Kagan entwickelte 1986 ein Verfahren für einen deutlichen Überschuss einer Molekülvariante, Soai 2003 erstmals eine Reaktion, bei der ausschließlich eine der beiden Spiegelbildformen entsteht. Für pharmazeutische Wirkstoffe ist das keine Nebensache.

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Den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten Robert E. Hall von der Stanford University und Michael Woodford von der Columbia University. Sie arbeiten zu den mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung. Ihre Modelle erklären, wie sich Konjunkturschwankungen durch zeitlich abgestimmte fiskal- und geldpolitische Maßnahmen abfedern lassen, und gehen dabei von vorausschauend handelnden Haushalten und Unternehmen aus. Laut dem Vorsitzenden des Preiskomitees werden solche Modelle heute von Zentralbanken und Regierungen weltweit genutzt.

Auch Literatur, Frieden und große Wissenschaftspreise

Die kanadische Schriftstellerin Anne Carson erhält den Literatur-Nobelpreis für ihr „mutiges und erfinderisches Gesamtwerk“. Die Schwedische Akademie würdigt ihre zeitgenössische Weiterentwicklung klassischer literarischer Traditionen. Carson verbindet in Gedichten, Essays und Übersetzungen klassische Stoffe mit modernen Perspektiven; ihr Werk bewegt sich zwischen Lyrik, Prosa, Drama und wissenschaftlicher Reflexion.

Der Friedens-Nobelpreis geht an die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay. Das norwegische Nobelkomitee hebt ihren Einsatz für Frieden und internationales Recht sowie für die strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord hervor. Pillay war Richterin am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda und am Internationalen Strafgerichtshof. Außerdem amtierte sie als Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte.

Alle Nobelpreise werden von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften vergeben und sind mit jeweils 12 Millionen schwedischen Kronen, etwa einer Million Euro, dotiert. Bei mehreren Preisträgerinnen und Preisträgern wird das Geld geteilt. Zu den Auszeichnungen gehören Urkunde, Medaille und Preisgeld. Üblicherweise werden die Preise im Oktober bekanntgegeben und am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, verliehen.

Bis einschließlich 2026 wurden laut dem zugrunde liegenden Artikel insgesamt 1.036 Nobelpreise vergeben. Seit 1901 erhielten 70 Frauen Nobelpreise; Marie Curie wurde als einzige Frau zweimal ausgezeichnet. Posthum werden Nobelpreise grundsätzlich nicht vergeben.

Auch abseits der Nobelpreise ist der November reich an Namen und Institutionen. Klaus Rajewsky vom Max Delbrück Center erhält den Max-Cooper-Preis für Immunologie gemeinsam mit Thomas Boehm vom Max-Planck-Institut für Biologie und Tadatsugu Taniguchi von der Universität Tokio. Die Emory University in den USA vergibt den Preis; insgesamt ist er mit 100.000 US-Dollar, rund 89.000 Euro, dotiert.

Franz-Ulrich Hartl vom Max-Planck-Institut für Biochemie Martinsried bekommt den Keio Medical Science Prize der Keiō-Universität Tokio. Der japanische Wissenschaftspreis ist mit 10 Millionen Yen, etwa 56.000 Euro, verbunden. Andreas Simm von der MLU Halle-Wittenberg wird von der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie mit dem Großen Preis der DGGG ausgezeichnet; das Preisgeld beträgt 10.000 Euro.

Preise für Forschung, Lehre und Nachwuchs

Den Balzert-Preis teilen sich Franziska Boenisch und Adam Dziedzic vom CISPA Helmholtz Center for Information Security in Saarbrücken. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde von Helmut und Heide Balzert gestiftet. Gerhard Krönke von der Charité – Universitätsmedizin Berlin erhält den Novartis-Preis der Deutschen Gesellschaft für Immunologie und der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung, ebenfalls mit 10.000 Euro dotiert.

Katharina Kähler vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, wird von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie mit dem Deutschen Hautkrebspreis ausgezeichnet. Auch hier beträgt das Preisgeld 10.000 Euro. Peter H. Seeberger vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam erhält die Liebig-Gedenkmünze der Gesellschaft Deutscher Chemiker; sie ist mit 7.500 Euro dotiert.

Jasper Schagerl von der Universität Bremen bekommt den Joachim-Jungius-Preis der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. Dafür gibt es 5.000 Euro. Ohne genannte Dotierung bleiben in der Übersicht die Klaus-Tschira-Medaille und die Gustav-Steinmann-Medaille: Gerhard Weber von der TU Dresden wird von der Klaus Tschira Stiftung und der Gesellschaft für Informatik ausgezeichnet, Ulf Linnemann, ebenfalls von der TU Dresden, von der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologische Vereinigung.

Der Lehrpreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft geht an Tobias Brixner, Stefan Müller und Sebastian von Mammen, alle von der Universität Würzburg. Beim Lehrpreis des Landes Rheinland-Pfalz, vergeben vom Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit, sind jeweils 10.000 Euro vorgesehen. Ausgezeichnet werden Barie Al-Masri von der JGU Mainz; Sabine Becker und Rahel Schowalter von der RPTU Kaiserslautern-Landau; Daniel Habeck von der Universität Koblenz; Jürgen Kopp und Brian Schwarz von der Universität Trier; Sabine Silke Landwehr-Zloch von der HS Mainz; Oliver Müller von der HS Kaiserslautern; Jens Bongartz von der HS Koblenz sowie Nadine Antonakopoulos von der HS Worms.

Die Ausgabe 11/2026 von Forschung & Lehre mit dem Themenschwerpunkt „Streitkultur“ erschien am 31. Oktober 2026. Auszüge der jeweils neuesten Ausgabe sind online verfügbar – passend zu einer Preislandschaft, in der es um Licht in Nervenzellen, Moleküle, Neutrinos, Gerichte und ziemlich viel Geduld geht.