Am 13. Oktober 2026 wurden im Düsseldorfer Apollo Varieté neun Unternehmen und zwei Persönlichkeiten im Wettbewerb „NRW Wirtschaft im Wandel“ ausgezeichnet. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) überreichte die Preise. Als Schirmfrau hatte sie die Preisträger gemeinsam mit elf Jury-Mitgliedern ausgewählt.

Die Veranstaltung zeigte die ganze Spannweite des wirtschaftlichen Umbruchs in Nordrhein-Westfalen: vom familiengeführten Handwerksbetrieb bis zum internationalen Konzern, von Recycling und künstlicher Intelligenz bis zur grünen Stahlproduktion. Der Wettbewerb zeichnet Unternehmen und Persönlichkeiten aus, die diesen Wandel gestalten. Jedes ausgezeichnete Unternehmen erhält ein Porträt in der „Rheinischen Post“ sowie ein Media-Volumen von 10.000 Euro.

Start-ups mit Ideen für Baustelle, Stadion und Kleiderschrank

In der Kategorie Start-ups ging der Preis an die mybreev Sports und Events GmbH aus Düsseldorf. Das Unternehmen entwickelte ein Tool zur Schulung von Sicherheitskräften, unter anderem für Fußballstadien. Die re.solution GmbH aus Aachen entstand aus der RWTH Aachen und arbeitet am Recycling von Textilien. Aus Köln kommt die Specter Automation GmbH, die eine KI-gestützte Echtzeit-Planung und Steuerung von Baustellen entwickelt hat.

Gerade für die RWTH Aachen ist der Erfolg von re.solution interessant: Aus wissenschaftlichem Umfeld wird ein Unternehmen, das sich mit einem sehr alltäglichen, aber großen Problem beschäftigt – was mit Textilien passiert, wenn sie nicht mehr getragen werden. Zwischen Stadiontribüne, Baustelle und Altkleiderberg liegen dabei weniger Welten, als man zunächst denkt: Überall werden neue Verfahren und bessere Organisation gebraucht.

Vom Handwerksbetrieb zur klimafreundlichen Technik

Bei den Unternehmen aus Handwerk und kleinem Mittelstand wurde die Elektro Venn GmbH aus Duisburg ausgezeichnet. Der Betrieb bietet die vollständige Vernetzung von Häusern an und hat sich in vierter Generation vom kleinen Handwerksunternehmen zu einem mittelständischen Betrieb entwickelt. Dazu kommen besondere Ausbildungs- und Integrationsangebote für Ukrainer.

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Die ETW Energietechnik GmbH aus Moers wandelte sich vom Händler für Dieselmotoren zum Anbieter klimafreundlicher Anlagen. Die Witte Technology GmbH aus Münster entwickelte sich von einer klassischen Druckerei zu einem Unternehmen mit Angeboten wie Drucksensoren. Ein geradliniger Weg sieht anders aus – und genau das macht diese Geschichten so greifbar.

Auch in der Kategorie Mittelstand und Konzerne wurden drei Unternehmen geehrt. Die Düsseldorfer Hüttenes-Albertus Chemische Werke GmbH verbindet traditionelle Industrie mit Robotik für die Gießereibranche. Die technotrans SE aus Sassenberg entwickelte aus dem Druckgeschäft Anwendungen für Energietechnik, Elektromobilität und Rechenzentren. Die Tünkers Maschinenbau GmbH aus Ratingen produziert Anlagen für die Autoindustrie und erschließt zusätzlich andere Branchen.

Auszeichnungen für Marie Jaroni und Heinrich Deichmann

Der erstmals vergebene Preis „Future Female Leader“ ging an Marie Jaroni, die Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp Steel Europe. Jaroni, Jahrgang 1984, studierte Metallurgie und Werkstofftechnik an der RWTH Aachen und promovierte dort. Seit November 2025 leitet sie Thyssenkrupp Steel.

Die Jury würdigte ihren beruflichen Werdegang, ihre strategische Arbeit an der Transformation zur grünen Stahlproduktion sowie die Verbindung von Führungsverantwortung und Familie. Jaroni nahm den Preis per Videobotschaft entgegen, weil sie sich auf einer Dienstreise in China befand. Die Transformation zur Zukunftssicherung des Stahlstandorts Duisburg, erklärte sie, erfordere ein starkes Team.

Als „NRW Wandler 2026“ wurde Heinrich Deichmann ausgezeichnet. Er ist Vorsitzender des Verwaltungsrates der Deichmann SE und leitet nach Unternehmensangaben den größten Schuhhändler Europas. Deichmann, Jahrgang 1962, studierte Betriebswirtschaftslehre in Köln und besuchte zusätzlich Vorlesungen in Theologie sowie Geschichte und Philosophie.

1999 übernahm er die operative Leitung des Familienunternehmens, das in dritter Generation geführt wird. Die Jury hob die weltweite Entwicklung des Unternehmens, sein Verantwortungsbewusstsein und den frühen Einsatz von Digitalisierung hervor. Deichmann sagte, die Auszeichnung gelte auch den rund 50.000 Beschäftigten.

Ein Wettbewerb mit langer Geschichte

Die siebte Ausgabe des Wettbewerbs wurde 2015 gestartet. Ausgerichtet wird „NRW Wirtschaft im Wandel“ von der „Rheinischen Post“ und dem „General-Anzeiger Bonn“. Als Förderer werden Deutsche Bank, PwC, Zurich Versicherung, RWE, Egon Zehnder und die Land der Ideen Management GmbH genannt. Der Preis „Future Female Leader“ wird von AIDUS gesponsert.

Die ergänzende Darstellung des Landeswirtschaftsministeriums beschreibt den Wettbewerb als Auswahl von zehn Unternehmen, die eine 16-köpfige Expertenjury unter der Schirmherrschaft des damaligen NRW-Wirtschafts- und Digitalministers Andreas Pinkwart als Vorreiter des Strukturwandels auswählte. Dort heißt es außerdem, die Preisträgerinnen und Preisträger hätten ihre Auszeichnungen im Wirtschaftsministerium entgegengenommen. Als Veranstalter werden die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und die „Rheinische Post“ genannt; regionaler Förderer ist die Deutsche Bank, Partner sind PricewaterhouseCoopers (PwC) und Kienbaum.

Nordrhein-Westfalen entwickelt sich seit Jahrzehnten von einer durch Bergbau und Industrie geprägten Region zu einem modernen Wirtschaftsstandort. Der Strukturwandel betrifft Unternehmen aller Branchen. Er verlangt neue Unternehmensstrategien, Technologien und angepasste Produktionsbedingungen – manchmal in großen Sprüngen, manchmal eher Schritt für Schritt, wie bei einem Betrieb, der morgens noch nach Druckfarbe riecht und sich abends mit Sensorik beschäftigt.

Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ist eine gemeinsame Standortinitiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Sie wirbt international für den Standort Deutschland und unterstützt die größere Bekanntheit deutscher Innovationen. Der Wettbewerb soll erfolgreiche Strategien und Innovationen sichtbar machen und zur Nachahmung anregen. An diesem 13. Oktober in Düsseldorf wurde jedenfalls deutlich, wie verschieden solche Wege aussehen können.