Quercetin bremst Lungenkrebszellen im Labor und im Mausmodell
FAU Erlangen-Nürnberg – Quercetin, ein Pflanzenstoff aus Zitrusfrüchten, Zwiebeln und Buchweizen, hat in Laborversuchen die Teilung von Lungenkrebszellen gebremst. Forschende des Universitätsklinikums Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg untersuchten den Stoff an Lungenkrebszellen im Labor, an Lungenschnitten von Mäusen und an lebenden Mäusen.
Die Ergebnisse wurden laut der Fachzeitschrift „Cell Death Discovery“ am 15. Oktober 2026 veröffentlicht. Eine Mitteilung der FAU nennt dagegen den 14. September 2026 als Veröffentlichungsdatum. Als Originalpublikation wird die Arbeit von Christine Carvalho et al. mit dem Titel „Immunoregulatory role of quercetin in lung cancer“ und dem DOI 10.1038/s41420-026-03312-7 angegeben.
Weniger Bewegung, weniger Wachstumssignale
Quercetin verlangsamte die Teilung der Tumorzellen und hemmte ihre Wanderung dosisabhängig. Bei der höchsten getesteten Dosis kam die Zellbewegung nahezu vollständig zum Stillstand. Das ist deshalb relevant, weil wandernde Krebszellen eine Voraussetzung für die Bildung von Metastasen schaffen. Bei einer der untersuchten Zellarten verringerte Quercetin außerdem den oxidativen Stress.
In den Versuchen wirkte der Stoff auf mehrere biologische Mechanismen. Auf den untersuchten Krebszellen sanken die Mengen der Proteine EGFR und PD-L1. EGFR übermittelt Wachstumssignale in die Zelle, während PD-L1 Krebszellen helfen kann, sich vor dem Immunsystem zu verbergen. In Lungenschnitten von Mäusen stieg zugleich der Spiegel von Interferon-alpha-2, einem Botenstoff der Immunabwehr gegen Tumore.
Auch im Darmmikrobiom der behandelten Tiere zeigte sich eine Veränderung: Bakterien, die bestimmte kurzkettige Fettsäuren produzieren, traten häufiger auf. Diese Fettsäuren können über das Blut in die Lunge gelangen und dort das Wachstum von Krebszellen hemmen. Im Mausmodell gab es zudem Hinweise auf eine Verringerung der Tumorherde.
Noch kein Beweis für eine Behandlung
Prof. Susetta Finotto erklärte, eine quercetinreiche Ernährung könne eine Lungenkrebsbehandlung möglicherweise unterstützen. Daraus lässt sich allerdings noch keine Empfehlung für Erkrankte ableiten. Lungenkrebs ist weltweit die häufigste Krebsart und verursacht mehr Todesfälle als jede andere Krebserkrankung; zugleich wirken bestehende Therapien nicht bei allen Betroffenen. Genau deshalb prüften die Forschenden Quercetin als möglichen ergänzenden Wirkstoff.
Die Aussagekraft der Mausversuche bleibt begrenzt. Nur wenige Tiere entwickelten in den Versuchsreihen überhaupt einen Tumor, weshalb weitere Untersuchungen zur Bestätigung notwendig sind. Ob sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, ist bislang ungeklärt. Als nächsten Forschungsschritt wollen die Forschenden untersuchen, ob Quercetin möglicherweise auch vorbeugend wirkt.
Rechenmodell liefert weitere Hinweise
Eine am 13. Oktober 2026 auf Research Square veröffentlichte Präprint-Studie beschäftigte sich rechnerisch mit der Frage, ob Verbindungen aus Cannabispflanzen das Lungenkrebsprotein EGFR hemmen können. Im Computermodell erreichte Quercetin einen Bindungswert von −10,000 kcal/mol. Für Luteolin-7-O-glucosid wurden −10,878 kcal/mol, für Grossamid −10,091 kcal/mol angegeben.
Diese Untersuchung bestand ausschließlich aus einer theoretischen Modellierung. Zell-, Tier- oder Patientenversuche gab es dort nicht, außerdem hatte die Arbeit noch kein Peer-Review durchlaufen. Das Modell liefert damit rechnerische Hinweise darauf, dass Quercetin biochemisch an EGFR binden kann – mehr vorerst nicht.
