Ranjeeta Dutta: Eine Historikerin zwischen heiligen Städten, urbanen Räumen und Erinnerung
Am 25. Oktober 2026 ist Ranjeeta Dutta unerwartet gestorben. Die Professorin für mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte an der Jawaharlal Nehru University in Delhi wurde 2020 auch in Erfurt zu einer wichtigen Stimme: Das Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt nimmt Abschied von ihr.
Dutta war etwa ein Jahr lang Fellow am Max-Weber-Kolleg. Vom 2. Januar bis 30. September 2020 arbeitete sie dort am Projekt „Sacred Space, Urbanism and Intersection between Tradition and Modernity: The Case of Srirangam in the Tamil Region of South India“. Zugleich gehörte sie zu den zentralen Wissenschaftlerinnen der Kollegforschungsgruppe „Religion and Urbanity. Reciprocal Formation“, die Susanne Rau und Jörg Rüpke leiteten.
Eine Historikerin mit Blick auf Stadt, Religion und Raum
Am Centre for Historical Studies der School of Social Sciences an der Jawaharlal Nehru University war Dutta Associate Professorin. Ihr Fachgebiet: mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte, insbesondere Südindien. Dazu kamen Forschungsschwerpunkte wie Religion und Gesellschaft, Räume und Regionen in der Geschichte, Stadtgeschichte, Public History und Vorstellungen von kulturellem Erbe. Ihre Promotion absolvierte sie am Centre for Historical Studies der JNU; ihre Berufserfahrung wurde mit 24,5 Jahren angegeben.
Aus ihrem Erfurter Projekt gingen mehrere Aufsätze zur Stadt- und Urbanitätsgeschichte Indiens hervor. Eine zentrale Studie zu „temple towns“ in Südindien soll 2027 online in Religion & Urbanity erscheinen. Susanne Rau, die eng mit Dutta zusammenarbeitete, bezeichnete ihren Tod als großen Verlust für die Wissenschaft und das intellektuelle Leben in Indien. Ihr Andenken werde in Dankbarkeit bewahrt.
Die akademische Laufbahn führte Dutta auch an das Indian Institute of Advanced Studies in Shimla, wo sie von 2009 bis 2011 Fellow war. Zuvor erhielt sie ein Senior Research Fellowship in Geschichte der University Grants Commission (1994–1997) und war von 1992 bis 1994 Junior Research Fellow derselben Institution.
Von Srirangam bis zu den Ellora-Höhlen
In ihrer Forschung tauchen Städte nicht bloß als Punkte auf einer Karte auf. Dutta untersuchte, wie religiöse Praktiken, politische Ordnungen und urbane Räume ineinandergreifen. 2009 beriet sie außerdem das Projekt zur Erstellung eines Site Management Plan für die Ellora-Höhlen in Aurangabad. Durchgeführt wurde es von der Cultural Resource Conservation Initiative; der vollständige Projektbericht wurde eingereicht.
Zu ihren internationalen Aufgaben gehörte auch die Herausgeberschaft des Medieval History Journal bei Sage in New Delhi. Ihre Publikationsliste reicht von Fragen frühmittelalterlicher Urbanität bis zur Geschichtsschreibung über Südindien und Bengalen.
- 2024 erschien „Settlements, Sacrality, and Urbanity: Querying the Urban in Early Medieval South India“ in einem von Aloka Parasher herausgegebenen Handbuch zur Stadtgeschichte des frühen Indien, Springer Nature, S. 503–521.
- Ebenfalls 2024 veröffentlichte sie „Reading the Town. Reading History. The Koil Olugu and Srirangam in the Tamil Region“ in Cities, Citizens, Classrooms and Beyond, herausgegeben von Partho Datta, Mukul Kesavan und Kumkum Roy, S. 94–116.
- 2023 folgte „The Other Gaze: South India in Select Bengali Historical Narrative“ in Explorations in Colonial Bengal, herausgegeben von Achintya Dutta, S. 179–198.
- 2022 erschien „The Early Modern Conundrum: Peninsular India and the Idea of Periodisation in a ‘Regional’ Perspective“ in The Early Modern in South Asian History, herausgegeben von Meena Bhargava und Pratyay Nath, Cambridge University Press, S. 161–182.
- 2021/2022 wurde „Temple, Urban Landscape and Production of Space: Development of Srirangam in Early Modern Tamil Region“ in Religion and the City in South Asia, herausgegeben von Supriya Chaudhuri, Routledge, S. 30–47, veröffentlicht.
Auch als Herausgeberin und Buchautorin arbeitete Dutta weiter: 2018 gab sie Regions, Identities, And Entangled Geographies in Summerhill, IIAS Review, Band XXIV, Nr. 1, heraus. 2014 veröffentlichte sie bei Oxford University Press From Hagiographies to Biographies: Ramanuja in Tradition and History. Gemeinsam mit R. P. Bahuguna und Farhat Nasreen gab sie 2012 Negotiating Religion: Perspectives from Indian History bei Manohar heraus.
Ein Hinweis aus der digitalen Recherche
Wer heute nach wissenschaftlichen Veröffentlichungen sucht, landet nicht immer sofort bei einem offenen Katalog. Die Website der Universitätsbibliothek Heidelberg, auf der ein einschlägiger Eintrag zu finden ist, wird durch Anubis geschützt. Das System soll aggressives automatisiertes Scraping durch KI-Unternehmen verhindern, weil solche Zugriffe Websites zum Ausfall bringen und den Zugang für alle Nutzer beeinträchtigen können.
Anubis setzt dafür ein Proof-of-Work-Verfahren ein, ähnlich dem vorgeschlagenen Hashcash-Verfahren zur Verringerung von E-Mail-Spam. Für einzelne Nutzer soll die zusätzliche Rechenlast gering bleiben; bei massenhaftem Scraping wird sie dagegen erheblich und kostspielig. Die Lösung gilt als Übergang, bis Browser anhand von Merkmalen wie der Schriftwiedergabe besser erkannt werden können. Nutzer, die wahrscheinlich legitim sind, sollen künftig möglichst keine Proof-of-Work-Prüfung erhalten.
Ganz reibungslos läuft das nicht immer. Anubis benötigt moderne JavaScript-Funktionen; Erweiterungen wie JShelter können diese deaktivieren und müssen für die jeweilige Domain abgeschaltet werden. Ein kleiner digitaler Türsteher also – ausgerechnet bei der Suche nach Texten über Geschichte, Städte und Erinnerung.
