Am 10. Mai erinnert der internationale Tag gegen den Schlaganfall an die verheerenden Auswirkungen dieser Erkrankung. Jährlich erleiden in Deutschland fast 270.000 Menschen einen Schlaganfall, was diese Erkrankung zur dritthäufigsten Todesursache im Land macht. Mit rund 63.000 Todesfällen jährlich folgt sie nur Herz- und Krebserkrankungen. Schlaganfälle sind zudem die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen bei Erwachsenen.
Um den Betroffenen und ihrem Rehabilitationsprozess zu helfen, entwickelt ein internationales Konsortium unter der Leitung der Universität Bielefeld den innovativen Roboter PRIMI. Dieser steht für „Performance in Robot Interaction via Mental Imagery“ und kombiniert neueste Erkenntnisse aus Neurophysiologie, Psychologie und Künstlicher Intelligenz. Die Prinzipien von PRIMI zielen darauf ab, Therapien effektiver, individueller und zugänglicher zu gestalten, indem Patienten aktiv in den Rehabilitationsprozess eingebunden werden.
Funktionalität und Wissensbasis der Roboter
Die Roboter sollen in der Lage sein, menschliche Bewegungen zu verstehen und diese nachzuahmen. Sie ermöglichen es den Patienten, Bewegungen „im Kopf durchzuspielen“, was essentielle Fortschritte in der Rehabilitation verspricht. Professor Dr. Thomas Schack leitet das PRIMI-Teilprojekt an der Universität Bielefeld, das die Kombination aus Software und Hardware nutzt, um neuromorphe Systeme zu entwickeln. Diese Systeme lernen in Echtzeit, reagieren schnell und passen sich an neue Situationen an, was eine individuelle Therapiegestaltung erlaubt.
Um den Erfolg des Projekts zu gewährleisten, sind klinische Pilotstudien in Planung, die den Therapieansatz bei Schlaganfallpatienten unterstützen. Diese Forschungsinitiative, die von EU-Mitteln in Höhe von fast 5 Millionen Euro profitiert, läuft bis 2028 und ist eingebunden in den strategischen Fokusbereich AI*IM der Universität. Diese Initiative zielt darauf ab, KI-basierte Assistenztechnologien für Menschen mit kognitiven Einschränkungen zu fördern.
Zusammenarbeit und ethische Überlegungen
Eine wichtige Kooperation wird mit den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel angestrebt, die sich mit ethischen Fragen der Mensch-Roboter-Interaktion auseinandersetzt. Darüber hinaus ist PRIMI Teil des Expert*innen-Netzwerks zur Schlaganfall-Rehabilitation innerhalb von ISyCARE. Ende April 2026 traf sich das internationale Konsortium am CITEC der Universität Bielefeld, um den Fortschritt zu diskutieren und den weiteren Verlauf zu planen.
Parallel zu den Entwicklungen im Bereich der Rehabilitationstechnik arbeitet ein deutsch-britisches Forschungsteam an einer KI-Software, die den Zeitpunkt eines Schlaganfalls doppelt so präzise bestimmen kann wie bisherige Methoden. Diese Software, genannt CNN-R, analysiert CT-Bilder und wurde mit Daten von über 1.900 Patienten getestet. Die präzise Bestimmung des Schlaganfall-Zeitpunkts kann die Behandlungsentscheidungen revolutionieren, da sie entscheidend ist für die effektiven Therapien wie die systemische Thrombolyse-Therapie und die Thrombektomie, die innerhalb bestimmter Zeiträume nach Symptomen angewendet werden müssen.
Bei den typischen Symptomen eines Schlaganfalls, wie Kribbeln, Sprachstörungen, Schwindel und Lähmungen, ist es von größter Bedeutung, sofort den Notruf 112 zu wählen. Die Kombination aus innovativen Roboterlösungen und fortschrittlichen KI-Techniken könnte entscheidende Fortschritte im Kampf gegen Schlaganfälle bedeuten und die Rehabilitation von Patienten erheblich verbessern. Dieser Fortschritt ist umso wichtiger, angesichts der drastischen Auswirkungen der Krankheit auf die individuelle Lebensqualität.