ROSEE auf Langstrecke: Was autonome Lieferroboter für Gehwege und Städte bedeuten
Am 7. Oktober 2026 ist der Lieferroboter ROSEE von der TU Bergakademie Freiberg erstmals die 25 Kilometer lange Strecke von Freiberg nach Dresden gefahren. Los ging es um 7:15 Uhr am RoboLab, um 18:50 Uhr erreichte das Gerät das 4transferLab in Dresden. Dazwischen lagen viele Stunden, ungefähr 5 km/h, unbekanntes Gelände – und offenbar auch ein ziemlich langer Tag für das Forschungsteam.
ROSEE war dabei teilweise autonom unterwegs. Wegen des starken Abendverkehrs nutzte das Team für den Abschnitt bis Dresden-Neustadt allerdings die Straßenbahn. Auf unbekanntem Terrain griffen die Forschenden ein, sobald das System an seine Grenzen stieß. Zuvor war der Roboter nur auf dem Campus und im Stadtzentrum von Freiberg eingesetzt worden.
Vom Campus auf die lange Strecke
Professor Sebastian Zug erklärte, Praxistests sollten zeigen, in welchen Situationen der Roboter Unterstützung benötigt und wie zuverlässig das System arbeitet. Für 2027 ist ein weiterer Test geplant, der möglichst vollständig autonom ablaufen soll. Der Weg dorthin dürfte nicht nur eine technische Frage sein: Für den kommerziellen Einsatz autonomer Lieferroboter gibt es in Deutschland bislang keine klaren gesetzlichen Vorgaben. Nach Angaben von Starship Technologies sind derzeit nur zeitlich befristete Versuche mit Sondergenehmigungen möglich.
ROSEE steht damit mitten in einer Entwicklung, die sich 2025 und 2026 von einzelnen Versuchen hin zu möglichen Bestandteilen städtischer Infrastruktur bewegt. Die Roboter transportieren Waren, Essen oder Pakete meist über Gehwege und navigieren mit Sensoren, Computer Vision und künstlicher Intelligenz. Dahinter stehen handfeste Ziele: Arbeitskräftemangel abfedern, die letzte Meile effizienter machen und womöglich die Umwelt entlasten. Die meisten Modelle fahren zwischen 4 und 16 km/h; ROSEE bewegte sich bei seinem Freiberg-Dresden-Test mit etwa 5 km/h.
In Großbritannien werden die Testgebiete bereits erweitert. Deliveroo erprobt in Milton Keynes gemeinsam mit Coco Robotics vollelektrische Roboter für Kurzstreckenlieferungen. Sie fahren mit Schrittgeschwindigkeit auf Gehwegen und verwenden Sensoren sowie autonome Navigation. Für Milton Keynes ist das der zweite Versuch mit autonomen Lieferrobotern. Zuvor hatte die Stadt als erste Roboter von Starship Technologies eingesetzt.
Auch Just Eat testete im Februar 2026 in Milton Keynes und Bristol. In Milton Keynes kamen RIVR-Roboter mit „physischer KI“ zum Einsatz, die Treppen bewältigen können. In Bristol probierte Just Eat einen vierrädrigen Roboter von Deliver.AI aus. Laut einem Bericht des IET begannen die Tests vor dem erwarteten Höchstbedarf rund um den Valentinstag. Die RIVR-Roboter erreichen bis zu 15 km/h.
Lieferung ohne klassischen Zusteller
In Cambourne, Cambridgeshire, setzen Morrisons und Just Eat Starship-Roboter ein. Das Angebot kann mehr als 12.000 Einwohner erreichen. Für Just Eat ist Cambourne das erste Gebiet ohne traditionellen Lieferdienst. Bestellungen aus Cambourne werden laut Morrisons ausschließlich per Roboter ausgeliefert.
Insgesamt werden vier Morrisons-Standorte mit der Technik bedient: Cambourne sowie drei Morrisons-Daily-Filialen in Sunderland und Milton Keynes. Die etwa 70 Zentimeter langen Roboter können zwei Einkaufstaschen transportieren. Beim Überqueren von Straßen erhalten sie teilweise Unterstützung durch Passanten. Die Kosten des Versuchs trägt das Unternehmen.
Starship meldete im April 2026 weltweit mehr als zehn Millionen Lieferungen. In einer früheren Ankündigung mit Uber Eats war von mehr als 9 Millionen Lieferungen in sieben Ländern die Rede. Beide Unternehmen kündigten eine globale Partnerschaft an: Der Start war für Dezember 2025 in Leeds vorgesehen, 2026 sollte die Expansion auf Europa ausgeweitet werden, 2027 auf die USA. Starship-Roboter arbeiten mit Level-4-Autonomie. Die Flotte umfasst mehr als 2.700 Roboter und soll bis 2027 auf über 12.000 wachsen.
Im nahe gelegenen Stevenage untersucht der Hertfordshire County Council gemeinsam mit Starship Sicherheit, Barrierefreiheit, Betriebsleistung und mögliche Umweltvorteile. Das klingt nüchtern, ist im Alltag aber schnell konkret: Ein kleiner Roboter steht auf dem Gehweg, jemand muss vorbei, und plötzlich wird aus Technik eine Begegnung mit Schulterblick.
Typische Sicherheitsfunktionen sind Sensorarrays, Hinderniserkennung, Notstopps und Fernüberwachung. Einige Modelle können Treppen bewältigen, andere sind auf ebene Flächen beschränkt. Wenn ein Roboter defekt ist oder feststeckt, können menschliche Operatoren ihn meist fernsteuern. Dafür betreiben Unternehmen Überwachungszentren und Reaktionsteams. Bei Serve Robotics beträgt die angegebene Erfolgsrate 99,8 Prozent.
Gehwege, Grenzen und offene Fragen
Im US-Bundesstaat Florida brachte die Stadträtin Deborah Figgs-Sanders in St. Petersburg einen Prüfantrag für autonome Essenslieferdienste ein. Der Antrag wurde an zuständige Ausschüsse weitergeleitet. Als mögliche Vorteile nennt er eine Verringerung des CO₂-Ausstoßes und Unterstützung für Restaurants. Zugleich geht es um offene Fragen: Wie sollen Roboter Gehwege nutzen, wenn dort Außengastronomie steht? Und wie groß ist das Diebstahlrisiko?
Serve Robotics arbeitet in den USA mit Uber Eats und 7-Eleven zusammen. Das Unternehmen sicherte 80 Millionen US-Dollar für den Ausbau seiner Flotte. Die Zahl der Roboter sollte von 100 auf 2.000 bis Ende 2025 steigen; für das erste Quartal 2025 waren 250 zusätzliche Roboter geplant. Serve operiert in Los Angeles mit Uber Eats und 7-Eleven.
Auch Arrive AI und Rivo kooperieren. Sie wollen sogenannte Arrive Points in eine autonome Lieferplattform einbinden. Ein erstes Pilotprogramm soll auf Golfanlagen in Palm Beach, Florida, stattfinden. Rivo-Technologiechef Jonathan Owen bezeichnete das Projekt als Schritt zu einer skalierbaren autonomen Zustellung im Gastgewerbe Südfloridas.
Die Begeisterung über freie Gehwege hält sich naturgemäß in Grenzen, wenn sie nicht mehr frei sind. Beinahe-Unfälle und blockierte Gehwege wurden gemeldet, besonders Rollstuhlfahrer können dadurch beeinträchtigt werden. Toronto und Ottawa haben Gehwegroboter bereits eingeschränkt. San Francisco führte Beschränkungen gegen Gehwegstaus, Sicherheitsrisiken und Blockaden ein. Eine Analyse von Policy Options fordert, dass Städte frühzeitig Regeln schaffen, bevor eine breite Nutzung Sicherheitsprobleme verursacht.
Für die weitere Integration werden Sicherheitsstandards, Zugänglichkeitsvorgaben, festgelegte Betriebszonen, Datenberichte und Beteiligungsmöglichkeiten für Gemeinden als mögliche politische Maßnahmen genannt. In den USA veröffentlichte die Verkehrsbehörde NHTSA im Juli 2025 einen Bericht zu automatisierten Fahrsystemen für den Kongress. Gesetzesinitiativen wie der AV Accessibility Act und der AV Safety Data Act wurden eingebracht. Die Autonomous Vehicle Industry Association veröffentlichte im Januar 2025 Empfehlungen zu Sicherheit, Transparenz und nationaler Sicherheit. Der Verband unterstützt einzelstaatliche Regelungen, die den Betrieb autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen unter Mindestanforderungen erlauben.
Mehr als Gehwegroboter
Der Drohnenanbieter Manna Air Delivery eröffnete nach ersten Einsätzen in Tulsa, Oklahoma, drei weitere Basen in der Stadt. Jede Basis kann bis zu 24 Lieferungen pro Stunde abwickeln. Manna absolvierte in sieben Jahren fast 400.000 kommerzielle Flüge.
Aurora Innovation meldete für September 2026, dass betreute Fahrzeuge unter anderem für McLane und Werner auf annualisierter Basis mehr als 225.000 Meilen zurücklegten. In Shenzhen setzt der Hersteller Neolix fahrerlose Robovans ein. Die bis zu 45 km/h schnellen Fahrzeuge beliefern nachts Frischwaren-Großmärkte im Stadtbezirk Longgang, um den Tagesverkehr zu entlasten. Neolix betreibt nach eigenen Angaben mit 27.000 Fahrzeugen die weltweit größte Flotte autonomer Lieferwagen.
Cainiao fusionierte mit Zelos zu einer Flotte von mehr als 20.000 Fahrzeugen. Der Lieferdienst Meituan vertieft Kooperationen im Bereich humanoider Robotik, um autonome Systeme zu erweitern. Das Spektrum reicht damit vom kleinen Gefährt mit zwei Einkaufstaschen bis zum nächtlichen Robovan für Großmärkte.
Der globale Markt für Lieferroboter soll bis 2030 ein Volumen von 3,24 Milliarden US-Dollar erreichen. Prognostiziert wird eine jährliche Wachstumsrate von 32 Prozent. Erfolgreiche Anwendungen konzentrieren sich bislang vor allem auf Campusse und halbgeschlossene Bezirke. Partnerschaften mit Uber Eats und DoorDash beschleunigen die Verbreitung. Als wirtschaftliche Vorteile gelten geringere Arbeitskosten, ein Betrieb
