Am 22. Mai 2026 wurde ein innovatives Projekt zur Angstbewältigung im medizinischen Bereich ins Leben gerufen: die Teddyklinik, die von Medizinstudierenden der Universität Witten/Herdecke (UW/H) eröffnet wurde. An diesem besonderen Tag brachten über 150 Kinder ihre Stofftiere mit, um sie spielerisch zu „verarzten“. Die Teddyklinik bietet Kindern eine trockene Möglichkeit, in die Welt der Medizin einzutauchen und somit ihre Ängste vor Arztbesuchen abzubauen.
Die kleinen „Patienten“ durchliefen verschiedene Stationen: Von der Anmeldung über medizinische Untersuchungen bis hin zu Röntgen und OP-Saal. Ein Highlight war die Radiologie, wo die Kinder Röntgenbilder ihrer Kuscheltiere analysierten. An der chirurgischen Station unterstützten sie das Schienen verletzter Pfoten und durften am OP-Tisch assistieren. Zentrale Akteure des Projekts waren nicht nur Medizinstudierende, sondern auch Zahnmedizin- und Psychologiestudierende. An der Zahnstation hatten die Kinder die Möglichkeit, das Zähneputzen an einem großen Pferde-Stofftier zu üben. An der psychologischen Station lernten sie, ihre Gefühle wie Angst, Freude und Traurigkeit zu erkennen und auszudrücken.
Kinder lernen Verantwortung und Kommunikation
Das bundesweite Gesundheitsprojekt Teddybärkrankenhaus (TBK), organisiert durch die bvmd (Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V.), hat das Ziel, Kinder im Vorschul- und Grundschulalter auf ihre bevorstehenden Arztbesuche vorzubereiten. Durch solch kreative Projekte können Kinder nicht nur Ängste abgebaut werden, sondern sie übernehmen auch Verantwortung für ihre Kuscheltiere, üben Sprache und stärken ihre sozialen Kompetenzen. Das Projekt entstand aus der Idee der Fachschaft Medizin Münster und wird vom DRK-Landesverband Westfalen-Lippe unterstützt. Mit über 40 lokalen TBKs in Universitätsstädten wird versucht, dieses Ziel flächendeckend zu erreichen.
Die Teddyklinik liefert den Medizinstudierenden auch wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Einsichten in die Gesundheitsbildung.
Die Kinder erzählen Symptome ihrer Kuscheltiere und lernen die Abläufe von Untersuchungen und Behandlungen kennen. Ein typischer Besuch in der Teddyklinik beginnt mit einer Anmeldung, gefolgt von einer Untersuchung und der Behandlung des Kuscheltiers. Positive Rückmeldungen von Eltern und Fachpersonal belegen, dass Kinder nach einem Besuch weniger Angst vor Arztbesuchen haben und ein gesteigertes Interesse an Gesundheitsthemen zeigen. Die Teddyklinik bietet nicht nur eine spielerische Herangehensweise an die Medizin, sondern auch die Möglichkeit, die Welt der medizinischen Berufe auf eine unverfälschte und freundliche Weise zu präsentieren.
Einblicke in die mobile Teddyklinik
Ein weiterer Aspekt des Projekts ist die mobile Teddyklinik, die als „Teddyklinik aus der Kiste“ bekannt ist. Diese mobile Einheit ermöglicht es Kindern, Behandlungsmethoden aus nächster Nähe zu beobachten und selbstständig ihre Kuscheltiere zu behandeln. Der Einblick in die traumatisierende Welt des Krankenhauses wird dadurch spielerisch aufgebrochen. Bei einem Besuch können zudem kreative Angebote, wie das Mischen von Tee, integriert werden, um die Kinder abzulenken und ihre Neugier zu wecken.
Ein Rettungswagen des Arbeiter-Samariter-Bundes Kreisverband Witten e.V. war ebenfalls vor Ort und erregte großes Interesse bei den kleinen Besuchern. Medizinstudentin Lisa Riggio betonte die Genauigkeit, mit der die Kinder die Erkrankungen ihrer Kuscheltiere schildern. Die Teddyklinik bietet den Studierenden eine wertvolle Plattform, um auf Augenhöhe mit Kindern zu kommunizieren und praktische Erfahrungen im medizinischen Umgang zu sammeln.
Die Teddyklinik als Konzept öffnet nicht nur Türen zu einem besseren Verständnis von Gesundheit und Krankheit, sondern vermittelt auch Spaß und Freude, die mit einer wichtigen Lernerfahrung verbunden sind. Mehr Informationen über das Projekt finden interessierte Leser auf den Webseiten der Universität Witten/Herdecke hier, dem Teddybärkrankenhaus hier und der Teddyklinik Gießen hier.