TU Wien erforscht, wie Boden und Gebäude Erdbeben gemeinsam beeinflussen
Heute, am 27. Oktober 2026, ist der Forschungsbereich der TU Wien bei der 18. Europäischen Konferenz für Erdbebeningenieurwesen, ECEE2026, in Berlin vertreten. Prof. Francesca Taddei, Dr. Shambhavi Dube und Dr. Konstantinos Tsalouchidis waren dafür fünf Tage vor Ort. Veranstaltungsort ist die TU Berlin.
Im Mittelpunkt stehen Fragen, die ziemlich nah am Alltag liegen, auch wenn sie auf den ersten Blick nach schwerem Ingenieursstoff klingen: Wie reagieren Gebäude auf Erschütterungen? Was passiert, wenn der Untergrund nicht einfach stillhält? Und wie lassen sich Bauwerke so planen oder nachrüsten, dass sie im Ernstfall widerstandsfähiger sind?
Vorträge, Forschung und eine Auszeichnung
Prof. Francesca Taddei sprach über die Boden-Bauwerk-Interaktion bei induzierter Seismizität. Dabei ging es um den Einfluss geothermiebedingter Mikrobeben auf die Gebrauchstauglichkeit von Gebäuden. Kleine Erschütterungen also, die nicht zwangsläufig spektakulär wirken, für die langfristige Nutzung eines Hauses aber trotzdem eine Rolle spielen können.
Dr. Shambhavi Dube präsentierte gleich drei wissenschaftliche Arbeiten. Ihre Themen: Erdbebenschutz, Gebäudesanierung und aktuelle Entwicklungen der Erdbebenforschung in Indien. Außerdem erhielt sie den EAEE Young Researcher’s Award.
Dr. Konstantinos Tsalouchidis stellte Forschung zu standortabhängigen Fragilitätskurven mehrgeschossiger Gebäude vor. Die Arbeit entstand gemeinsam mit dem Lawrence Berkeley National Laboratory und der TU Wien. Solche Kurven helfen dabei einzuschätzen, wie wahrscheinlich bestimmte Schäden an Gebäuden an unterschiedlichen Standorten sind.
Berlin als Treffpunkt der Fachwelt
Die Organisation der ECEE 2026 schreitet voran; auf der Konferenz werden mehr als 1.000 Teilnehmende erwartet. Die Veranstaltung soll zu den bedeutendsten Erdbebeningenieur-Konferenzen in Europa und weltweit zählen. Forschende und Fachleute sind eingeladen, Forschungsergebnisse, Projekte, fachliche Erkenntnisse und Ideen für das Programm einzureichen.
Auf der Website der Konferenz stehen inzwischen ein vorläufiges Programm, Informationen zu Sondersitzungen und Workshops sowie technische und touristische Exkursionen. Das Motto lautet: „ECEE2026: Shaping the Future of Earthquake Engineering for a Safer and More Resilient World!“ Unternehmen können Sponsoringmöglichkeiten prüfen oder an der Ausstellung teilnehmen. Unterzeichnet ist die Information von Hamid Sadegh-Azar, dem Konferenzvorsitzenden.
Warum der Untergrund mitredet
Wie stark ein Bauwerk auf dynamische Anregungen reagiert, hängt nicht nur von seiner Konstruktion ab. Die Nachgiebigkeit des Bodens kann die strukturelle Antwort maßgeblich beeinflussen. Relevant ist das etwa bei Windenergieanlagen, Brücken und benachbarten Tankbauwerken – also dort, wo Schwingungen, große Lasten oder mehrere Bauwerke dicht beieinander zusammenkommen.
Am LBB gehören die Boden-Bauwerk-Interaktion, kurz BBI, und die Bauwerk-Boden-Bauwerk-Interaktion, BBBI, zu den Forschungsbereichen. In einem deutsch-chinesischen Kooperationsprojekt wurde eine verfeinerte Substrukturtechnik im Frequenzbereich entwickelt, implementiert und untersucht. Sie dient dazu, BBI und BBBI bei inhomogenen Böden mithilfe semi-analytischer Verfahren zu berechnen.
Das Projekt trug das Förderkennzeichen GZ556-ME725/11-1 und lief von Oktober 2010 bis September 2013. Kooperationspartner war das Institute for Earthquake Engineering der Dalian University of Technology. Ein weiteres Projekt untersucht die Bestimmung von Schlüsselparametern des BBI-Problems bei Onshore-Windenergieanlagen. Der Boden bleibt dabei nicht bloß Untergrund – er sitzt gewissermaßen mit am Tisch.
Quelle: TU Wien · Quelle: ECEE2026 · Quelle: RWTH Aachen, LBB
