In einer Münchner dm-Filiale standen Kunden Schlange, um ihr Gesicht scannen zu lassen. Nicht für ein Passfoto, sondern für Hautpflege. Das Garchinger Start-up Beautechful hat einen KI-gestützten Beautyberater entwickelt, der in wenigen Minuten passende Produkte empfehlen soll.

Hinter dem Projekt stehen die TUM-Absolventen Aliaksei Ashkinadze aus dem Studiengang TUM-BWL und der Informatiker Danylo Semerak. Entstanden ist die Idee, als die beiden gemeinsam mit einer Kommilitonin nach einer passenden Foundation suchten und die Auswahl ziemlich unübersichtlich fanden. Im TUM-Incubator in Garching entwickelten sie die Technologie weiter.

Scanner, Bildschirm und zwei Minuten Geduld

Das System sieht ein wenig nach Supermarkt aus: Ein optischer Sensor, der an einen Scanner erinnert, wird an drei Stellen des Gesichts angesetzt. Dazu gehört ein digitaler Kiosk mit 22-Zoll-Touchscreen. Untersucht werden unter anderem Hautton und Melaninspiegel, Hauttextur und Porenzustand sowie Unreinheiten, Fältchen und Pigmentflecken.

Etwa zwei Minuten dauert die Analyse. Auf dem Bildschirm wird Schritt für Schritt erklärt, was gerade passiert. Danach schlägt die KI passende Hautpflege- oder Make-up-Produkte vor. Dabei bleibt sie an das Sortiment vor Ort gebunden: Empfohlen werden nur Artikel, die zuvor im System hinterlegt wurden und in der jeweiligen Drogerie, Parfümerie oder im Beauty-Salon erhältlich sind. Die Ergebnisse lassen sich anschließend per QR-Code aufs Smartphone übertragen.

Im Mai 2026 gründeten Ashkinadze und Semerak Beautechful und bezogen Räume im Garchinger Technologie- und Gründerzentrum Gate. Unterstützung kam durch die EXIST-Förderung des Staates für innovative Gründungsvorhaben aus dem Hochschulumfeld. Der erste größere Praxistest folgte in einer dm-Filiale in der Münchner Innenstadt. Laut Ashkinadze nutzten dort mehr als 100 Personen täglich das Gerät.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Vom Pilotprojekt ins Beauty-Studio

Aktuell steht ein virtueller Beautyberater im Münchner Beauty-Studio „All Eyes On You“ von Eva Ratzisberger. Sie arbeitet seit 20 Jahren in der Beautybranche und sagt, ihre Kunden könnten die Ergebnisse der Analyse nachvollziehen. Das ist nicht ganz unwichtig: Wer schon einmal vor einem Regal voller Seren, Cremes und Tiegeln gestanden hat, kennt das Gefühl, irgendwie alles und doch nichts zu verstehen.

Vergleichbare Geräte kosten laut Artikel derzeit etwa 18.000 Euro. Damit die Einstiegshürde nicht ganz so hoch liegt, bietet Beautechful Beauty-Studios ein monatliches Leasingmodell an. So können sie den Beautyberater erst einmal testen, statt gleich eine größere Summe auf den Tisch zu legen.

Für das weitere Wachstum suchen die Gründer Investoren. Kontakt haben sie zu Judith Williams aufgenommen, Unternehmerin und Investorin bei „Die Höhle der Löwen“. Nach Angaben der Gründer liegt ihnen auch eine Anfrage der Sendung vor; derzeit bereiten sie die erforderlichen Unterlagen vor. Am 24. und 25. Oktober 2026 ist Beautechful außerdem beim Munich Beauty Forum Festival auf dem Gelände der Messe München vertreten.

Ein Trend, der längst über den Scanner hinausgeht

Die Idee passt in eine größere Entwicklung der Beautybranche. KI-Hautanalyse nutzt Computer Vision und Machine Learning, um Hautmerkmale wie Textur, Pigmentierung, Feuchtigkeit und Porengröße auszuwerten. Das kann über einen stationären Sensor geschehen, aber auch mit einem Smartphone-Selfie. Aus den ermittelten Werten entstehen individuelle Produktempfehlungen und Hautpflegeroutinen – etwa für trockene Haut, Pigmentflecken oder feine Linien.

Viele Verbraucher tun sich schwer, ihren Hauttyp korrekt einzuschätzen. KI kann verschiedene Hautzonen wie T-Zone und U-Zone getrennt betrachten und unter anderem Öligkeit, Trockenheit und Rötungen erfassen. Virtuelle Hautanalysen liefern unmittelbar Produktvorschläge und unterscheiden sich damit von klassischen Hautpflege-Quizzen, die laut der Quelle häufig ungenau und zeitaufwendig sind.

Zum Werkzeugkasten der Beauty-Marken gehören inzwischen Live-Hautdiagnosen, Augmented-Reality-Overlays, KI-Chatbots und smarte Geräte im stationären Handel. Beispiele kommen von L’Oréal, Sephora und Kiehl’s. L’Oréal und Lancôme nutzen KI für Hautdiagnosen und die Anpassung von Pflegeroutinen. Beauty Genius von L’Oréal ermöglicht unter anderem das virtuelle Ausprobieren von Produkten, während Skin Screen von Lancôme eine vereinfachte Hautdiagnose mit personalisierten Pflegeempfehlungen verbindet.

Auch KI-gestützte Hautscanner-Apps bringen die Analyse ins Badezimmer. Nutzer können ihre Haut per Smartphone selbst scannen; untersucht werden unter anderem Akne, Trockenheit und Falten. Anschließend folgen Pflegeempfehlungen. Als Beispiele werden YouCam Makeup und SkinVision genannt. Bei einer Live-Hautanalyse können KI und Augmented Reality bis zu 14 Merkmale wie Pigmentflecken, Falten und Rötungen in Echtzeit erkennen. AR-Overlays markieren die entsprechenden Stellen sichtbar auf dem Bildschirm – ein bisschen wie digitale Landkarten fürs Gesicht.

Zwischen Beratung und Datenspur

Damit solche Systeme funktionieren, trainieren Anbieter ihre Modelle mit zehntausenden professionell bewerteten Bildern. Die Modelle sollen unterschiedliche Hauttypen und ethnische Hintergründe abdecken. Thea Care nennt dafür mehr als 50.000 dermatologisch annotierte Bilder mit verschiedenen Hauttypen und Hauttönen und bezeichnet sich als B2B-Plattform für Hautanalysen. Zu den Nutzern werden Physiogel und Judith Williams gezählt.

Die Analyse soll schnell und nahtlos ablaufen: Mit einem iPhone 15 oder vergleichbaren Android-Geräten kann sie innerhalb weniger Sekunden erfolgen. Viele Lösungen lassen sich mit nur einem Klick in Websites und Apps integrieren. Marken können dadurch unkomplizierte Hautdiagnosen anbieten, das Engagement erhöhen und ihre Conversion unterstützen. Individuelle Berichte informieren über den Hautzustand und schlagen passende Pflege vor; sie sollen die Produktauswahl erleichtern und Vertrauen stärken.

Für Unternehmen steckt darin allerdings mehr als ein freundlicher Service am Regal. Daten können zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit und für Marketingmaßnahmen genutzt werden, die sich an konkreten Bedürfnissen orientieren. Marken können Kundenkontakte erfassen und für personalisierte Marketing- und Produktangebote einsetzen. Die Beratung wird damit digitaler – und die Datenspur länger.

In der Beautybranche verschiebt sich die Hautpflege so von allgemeinen Empfehlungen zu personalisierten Routinen. Kiehl’s und Sephora setzen KI-gestützte Chatbots ein, die Fragen beantworten, Produkte empfehlen und virtuelle Beratungen durchführen. Der Anspruch: ein individuelleres Kundenerlebnis, ohne dass immer eine Person danebenstehen muss.

Bei Beautechful steht der Sensor dagegen mitten im Raum, mit Touchscreen, QR-Code und einem Gesicht, das für zwei Minuten stillhalten muss. Im Münchner Studio von Eva Ratzisberger ist das bereits Alltag. Und in Garching wird weiter daran gearbeitet, dass aus dem kurzen Scan nicht bloß ein hübscher Datensatz, sondern eine brauchbare Entscheidung vor dem Kosmetikregal wird.