An der Universität Hamburg werden wegen des Sparkurses mehrere Studiengänge gestrichen oder vorerst ausgesetzt. Betroffen sind Angebote der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MIN) sowie der Wirtschaftsinformatik. Für viele Studierende kommt das überraschend – schließlich hatte die Universität noch vor zwei Wochen erklärt, Schließungen von Studiengängen seien wegen der Sparmaßnahmen nicht geplant.

Am 30. Oktober 2026 steht nun fest: Der Bachelorstudiengang „Software-System-Entwicklung“ nimmt ab 2027 keine neuen Studienanfänger mehr auf. Zuletzt begannen dort jährlich 51 Studierende; nach Angaben von Radio Hamburg entfallen dadurch 50 Bachelorstudienplätze. Der Fakultätsrat Informatik hat den sofortigen Zulassungsstopp beschlossen, die Genehmigung des Uni-Präsidiums steht allerdings noch aus. Die Studierendeninitiative „Bits gegen Cuts“ sagt, der Beschluss sei bereits vor Monaten gefasst worden.

Wirtschaftsinformatik wird auf den Prüfstand gestellt

Die Zulassungen für den Bachelor- und Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik sollen zum Wintersemester 2027/28 ausgesetzt werden. Die Fakultäten MIN und Betriebswirtschaftslehre prüfen, ob die Studiengänge in veränderter Form weitergeführt werden können oder zentrale Inhalte in andere Studienangebote einfließen. Die weitere Zusammenarbeit der Fakultäten soll bestehen bleiben.

Im Bachelor entfallen dadurch 63 Studienplätze. Zusammen mit Software-System-Entwicklung fallen 113 Bachelorplätze weg. Wie viele Plätze durch die Aussetzung des Masters Wirtschaftsinformatik betroffen sind, teilte die Universität nicht mit. Bereits eingeschriebene Studierende sollen ihr Studium regulär fortsetzen und abschließen können. Das gilt laut Uni-Sprecher Alexander Lemonakis auch für die bereits begonnenen Studiengänge.

Der Bachelorstudiengang Informatik bleibt bestehen. Wesentliche Inhalte der Software-System-Entwicklung wurden dort integriert. Außerdem soll die Zahl der Informatikplätze um 53 auf insgesamt 201 steigen. Das fängt den Wegfall allerdings nicht vollständig auf: Für das Studienjahr 2027/28 ergibt sich ein Nettoverlust von 60 Bachelorplätzen.

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Eine Professur bleibt unbesetzt

Ebenfalls gestrichen wird der Masterstudiengang Kosmetikwissenschaft an der MIN-Fakultät. Die einzige Professur kann wegen der Sparmaßnahmen nicht neu besetzt werden. Nach Angaben der Universität entspricht der Studiengang in seiner bisherigen Form zudem nicht mehr vollständig der strategischen und fachlichen Ausrichtung der Fakultät.

Die Universität begründet die Entscheidungen mit veränderten Rahmenbedingungen und dem Konsolidierungskurs infolge der Sparvorgaben des Senats. Einen Teil der frei werdenden Studienplatzkapazitäten will sie für den Bachelor Informatik nutzen. Weitere Angaben, etwa zur Dauer der Zulassungsstopps, liegen nicht vor. Wie die betroffenen Studiengänge künftig genau weitergeführt werden, wird derzeit geprüft.

675 Studienanfängerplätze sollen wegfallen

Grundlage des Abbaus sind die im September vorgelegten Ziel- und Leistungsvereinbarungen zwischen Uni-Präsident Hauke Heekeren und Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne). Demnach soll die Zahl der Studienanfängerplätze gegenüber dem Vorjahr um 8,5 Prozent sinken. Von derzeit 9.485 Plätzen müssen 675 abgebaut werden. Bis 2033 ist wegen eines zu niedrigen Grundbudgets außerdem ein struktureller Abbau von mindestens 10,5 Prozent der Ausgaben nötig.

Konkrete Abbauvorgaben für die einzelnen acht Fakultäten enthalten die aktuellen Vereinbarungen noch nicht. Die MIN-Fakultät ist offenbar die erste, bei der Folgen sichtbar werden. Ob weitere Studiengänge in anderen Fachbereichen eingestellt werden, ließ die Universität offen.

Die Wissenschaftsbehörde bezeichnet die Maßnahmen als eigenständigen internen Struktur- und Finanzumbau der Universität, den diese im Rahmen ihrer Hochschulautonomie durchführt. Stark nachgefragte Informatikstudiengänge blieben ein wichtiger Bestandteil des Studienangebots; die Behörde geht davon aus, dass die Fakultät dies bei ihren Anpassungen berücksichtigt hat.

Kritik von AStA und Opposition

Studierendenvertreter reagieren mit Kritik. Der AStA spricht von „massiver Unsicherheit“ und verweist auf die ohnehin angespannte Lage an der Universität. Die hochschulpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Xenija Melnik-Üzüm, macht insbesondere die grün-geführte Wissenschaftsbehörde für den Abbau verantwortlich. Im NDR bezeichnete sie die Maßnahmen als „ersten Sargnagel für die freie Wissenschaft“; bei Radio Hamburg sprach sie von einem Angriff auf die freie Wissenschaft und kritisierte, dass der finanziellen Grundlage der Hochschulautonomie der Boden entzogen werde.

Auch CDU-Fraktionschef Dennis Thering kritisierte die Wissenschaftsbehörde. Wichtige Zukunftsfächer würden gestrichen, erklärte er, und machte SPD und Grüne für die Einsparungen verantwortlich.

Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal hatte bereits im Frühjahr erstmals öffentlich einen Abbau von Studienplätzen vorgeschlagen, um das Defizit der Universität zu verringern. Eine universitäre „AG Ausfinanzierung“ setzt sich unterdessen für ein höheres Budget ein. Vor der Verabschiedung des Hamburger Doppelhaushalts ist für den 26. November eine Demonstration unter dem Motto „Wissen schafft Zukunft!“ angekündigt.