Ort: Uni Greifswald, 5.11.2026. Während in Schwerin SPD, Linke und Grüne über eine Koalition verhandeln und der Bereich Wissenschaft und Kultur in dieser Woche abgeschlossen wurde, wächst an der Universität Rostock der Druck. Die Hochschule erwartet ab 2028 erhebliche Finanzierungsprobleme.

Nach einer Finanzprognose auf Grundlage der aktuellen Haushaltsdaten reichen die verfügbaren Landesmittel künftig nicht mehr aus, um den laufenden Betrieb dauerhaft zu finanzieren. Unter optimistischen Annahmen, sparsamer Haushaltsführung und einer Stellenbesetzung von etwa 91 bis 92 Prozent rechnet die Universität für 2028 und 2029 mit einem jährlichen Defizit von mindestens vier bis fünf Millionen Euro.

Rücklagen reichen nicht mehr

Bisher konnten die jährlichen Fehlbeträge durch Rücklagen ausgeglichen werden. Doch diese Reserven sind weitgehend ausgeschöpft. Ab 2028 sollen sie nicht mehr reichen, um das erwartete Minus aufzufangen. Die Universität will deshalb Ausgaben stärker priorisieren, nicht zwingend notwendige Maßnahmen verschieben und zusätzliche Belastungen prüfen. Grundlegende Entscheidungen stehen auch bei der Entwicklung der Personal- und IT-Kosten an.

Wie groß die Lücke schon heute wäre, zeigt eine weitere Berechnung: Bei vollständiger Besetzung des vereinbarten Stellenplans bestünde bereits jetzt ein rechnerisches Defizit von durchschnittlich etwa zwölf Millionen Euro pro Jahr. Zusätzliche notwendige IT-Investitionen und steigende IT-Betriebskosten sind darin noch nicht vollständig berücksichtigt. Da kommt einiges zusammen.

Die Ursachen liegen laut Universität an mehreren Stellen zugleich. Deutlich teurer geworden ist die betriebliche Altersversorgung, insbesondere die VBL. Dazu kommen der wachsende Sanierungs- und Instandhaltungsbedarf an den Gebäuden, höhere Betriebskosten energetisch nicht sanierter Häuser und zusätzliche Anmietungen, wenn Gebäude nicht genutzt werden können.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Auch stark gestiegene Kosten für Liegenschaften und IT-Basisinfrastruktur werden nicht ausreichend ausgeglichen. Jährlich werden der Universität weitere Aufgaben übertragen, ohne dass dafür entsprechende Ressourcen mitwachsen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die IT-Infrastruktur, an die Forschungssicherheit sowie an die Informations- und IT-Sicherheit. Geänderte Regelungen für Rücklagen verschärfen die Lage zusätzlich. Die Entwicklung habe sich in den vergangenen eineinhalb bis zwei Jahren deutlich zugespitzt.

Universität fordert mehr Verlässlichkeit

Rostock hat das Land wiederholt auf finanzielle Risiken und zusätzliche Bedarfe hingewiesen. Nun fordert die Hochschule eine verlässliche und ausreichende Finanzierung ihrer Aufgaben. Der vereinbarte Stellenplan soll überprüft und an den tatsächlichen Personalbedarf angepasst werden. Eine Neuberechnung mit einer Finanzierung des Stellenhaushalts von 97 Prozent wäre aus Sicht der Universität ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung.

Bei der Hochschulfinanzierung müssten außerdem die steigenden Anforderungen in Digitalisierung, IT-Sicherheit, Gebäuden und Verwaltung berücksichtigt werden. Die finanziellen Spielräume seien inzwischen ausgeschöpft. Das klingt trocken, bedeutet im Alltag aber: weniger Luft für Reparaturen, neue Technik, Personalentscheidungen und Projekte.

Die Universität Rostock ist die größte Hochschule Mecklenburg-Vorpommerns. Dort studieren knapp 13.000 Menschen, etwa zwei Drittel von ihnen stammen aus dem Land. Entgegen dem Bundestrend bleiben die Studierendenzahlen stabil. 2026 haben sich 630 Menschen für ein Lehramtsstudium eingeschrieben – mehr angehende Lehrkräfte als an jedem anderen Hochschulstandort in Mecklenburg-Vorpommern.

Auch bei der Forschung gibt es Rückenwind: Die Drittmittel der Universität stiegen in den vergangenen Jahren ohne Universitätsmedizin um 30 Prozent auf 58 Millionen Euro. Zu den Förderungen gehören Emmy-Noether-Programme, vier ERC Grants und drei Sonderforschungsbereiche. Seit 2024 arbeitet die Universität an ihrer strategischen Ausrichtung. Geplant sind unter anderem ein effizienterer Ressourceneinsatz, eine stärkere Ausrichtung der Studienangebote am Fachkräftebedarf und eine Stärkung der Forschung. Vieles davon kostet zunächst Geld, selbst wenn es später effizienter werden soll.

150 Millionen Euro für die Hochschulen

Das Land Mecklenburg-Vorpommern will 150 Millionen Euro aus einem Bundes-Sondervermögen in die Hochschulen investieren. Nach Angaben von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig soll das Geld unter anderem in die Mensa Süd in Rostock und in die Pflegeschule der Universitätsmedizin Greifswald fließen.

Ob diese Investitionen die strukturelle Finanzierungslücke der Universität Rostock schließen können, bleibt offen. Die Hochschule spricht jedenfalls nicht nur über einzelne Bauvorhaben, sondern über laufende Kosten, Personal, IT und dauerhaft übertragene Aufgaben. Genau dort sitzt der Engpass – und der verschwindet nicht automatisch, nur weil irgendwo ein neues Dach finanziert wird.

Der zusätzlich genannte PDF-Beitrag zur Hochschulfinanzierung von Henke und Pasternack aus dem Jahr 2025 liefert für diese Einordnung keine überprüfbaren Nachrichtenfakten: Der übermittelte Inhalt besteht aus fragmentarischen PDF-Rohdaten und komprimierten Binärströmen. Ein lesbarer Nachrichtenartikel ist daraus nicht ersichtlich.