Aktuelle Ergebnisse der PACE-Studie (Planetary Health Action Survey) zeigen, dass das Vertrauen der Bevölkerung in staatliches Klimahandeln gesunken ist. Prof. Dr. Cornelia Betsch und ihr Team von der Universität Erfurt untersuchen seit 2022 die psychologischen Aspekte des Klimawandels und die Handlungsbereitschaft der Menschen für den Klimaschutz. Besonders auffällig ist, dass etwa 16% der Befragten Vertrauen in das politische System setzen – der niedrigste Wert, der seit Beginn der Messungen erfasst wurde. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass Klimaschutz zunehmend als individuelle Verantwortung wahrgenommen wird, während die staatlichen Maßnahmen als unzureichend empfunden werden, berichtet die Universität Erfurt.

In der Umfrage sei zudem eine gewisse Trügerigkeit hinsichtlich der psychologischen Klimalage zu verzeichnen. Obwohl die Stabilität der Handlungsbereitschaft und Zustimmung zu Maßnahmen seit 2022 innerhalb eines engen Korridors bleibt, wünschen sich viele Menschen mehr Klimaschutz. Diese ambivalente Stimmung zeigt sich auch bei der Präferenz für ein generelles Tempolimit im Verkehr – eine Maßnahme, die aufgrund der Öl- und Gaskrise temporär begrenzt erscheint, jedoch keinen größeren Rückhalt erhält.

Psychosoziale Aspekte des Klimawandels

Die PACE-Studie analysiert nicht nur konkrete Maßnahmen, sondern auch die Wahrnehmung des Klimawandels als Gesundheitsrisiko. Laut der Klaus Tschira Stiftung, die die Forschungsförderung bis 2028 verlängert hat, wurde festgestellt, dass Handlungsbereitschaft von Gesundheitsrisiken, Vertrauen in die Regierung sowie dem sozialen Umfeld abhängt. Insbesondere extreme Wetterereignisse werden häufig als Bedrohung wahrgenommen, während psychische Gesundheitsprobleme oft unterschätzt werden. Jüngste Ergebnisse zeigen, dass jüngere Menschen sowie Männer und Personen mit niedriger Bildung in kleinen Gemeinden geringere Handlungsbereitschaft zeigen. Diese Gruppen informieren sich seltener über Klimaschutz, was die Notwendigkeit gesundheitsbezogener Informationen und interaktiver Formate unterstreicht.

Im Rahmen der Untersuchung sind auch neue Doktorandinnen wie Lisa Marie Hempel und Kira Maur ins PACE-Projekt eingestiegen, die den Einfluss von Ungerechtigkeitswahrnehmungen auf die Handlungsbereitschaft analysieren wollen. Diese Aspekte sind besonders relevant, da soziale Ungleichheiten die Wirksamkeit von Wissenschaftskommunikation beeinflussen können.

Klimawandel und psychische Gesundheit

Eine andere Dimension der Forschung beleuchtet die psychischen Folgen des Klimawandels. Experten berichten, dass das Risiko für psychische Störungen bei extremen Wetterereignissen steigt. So können nach großen Naturkatastrophen wie Hurrikanen häufig erhöhte Raten von Depressionen und Angststörungen beobachtet werden. Der Begriff „Solastalgie“ beschreibt das Gefühl von Verlust und Trauer über Veränderungen im vertrauten Lebensraum, während „Eco-Anxiety“ die angstvolle Antizipation künftiger Umweltveränderungen inklusive trockener Sommer und Hitzewellen thematisiert. Dieses emotional belastende Umfeld könnte nicht nur individuelle Betroffene einschränken, sondern auch größere gesellschaftliche Spannungen fördern und Konflikte anheizen.

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Die PACE-Studie und die begleitenden Forschungen zeigen somit, dass Klimaschutz und die individuelle sowie gesellschaftliche psychische Gesundheit eng miteinander verbunden sind. Die umfassende Analyse der Handlungsbereitschaft im Kontext des Klimas gibt uns wertvolle Einblicke, die für zukünftige politische und gesellschaftliche Entscheidungen von Bedeutung sein könnten.

Weitere Informationen und Details zur PACE-Studie finden Sie auf der Webseite der Universität Erfurt.

Ergänzende Einblicke bietet die Klaus Tschira Stiftung, die die Relevanz der psychosozialen Dimensionen im Klimaschutz betont. Für mehr Informationen über psychische Auswirkungen des Klimawandels konsultieren Sie auch das Umweltbundesamt.