Uni Freiburg, 23.10.2026. Zwischen Rebstöcken stehen Bäume, wo sonst nur die langen, offenen Reihen des Weinbergs zu sehen wären. In Ayl an der Saar wird untersucht, ob Weinbau nach römischem Vorbild funktionieren kann: Reben und Bäume wachsen auf derselben Parzelle. Ein Anblick, der zunächst ungewohnt wirkt – und bei der Arbeit im Weinberg ziemlich schnell praktische Fragen aufwirft.

Das Forschungsprojekt „Arbustum“ wird seit 2007 von den Universitäten Hohenheim und Freiburg untersucht. Angelegt wurde die Anlage laut Winzer Bernd Eilenz bereits 2006. Eilenz ist am Projekt beteiligt, kümmert sich abwechselnd um die Traubenlese und die Weinverarbeitung und beobachtet dabei genau, was zwischen Blättern, Holz und Reben passiert.

Römische Idee, moderne Forschungsfragen

Historische römische Fresken, Amphoren und Karaffen zeigen Trauben, die an Bäumen wachsen. Die alte Darstellung ist also nicht bloß hübsche Dekoration, sondern ein Hinweis auf eine Anbauform, die heute unter veränderten Bedingungen wieder interessant wird. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Reben und Bäume im Boden voneinander profitieren: Konkurrieren sie um Wasser und Nährstoffe – oder ergänzen sie sich?

Durch sogenannte Vitiforst-Systeme könnten Wasserversorgung und Nährstoffverfügbarkeit für die Reben verbessert werden. Vitiforst bezeichnet das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern im Rebberg. Im Projekt wird deshalb untersucht, wie verschiedene Baumarten mit den unmittelbar benachbarten Reben wechselwirken und welchen Einfluss die Bäume auf die Wasser- und Nährstoffversorgung sowie auf den Temperaturhaushalt haben.

Eilenz beobachtet, dass die Bäume den Reben mehr Schutz vor Sonneneinstrahlung bieten. Unterhalb der Bäume ist die Fruchtbarkeit der Reben jedoch deutlich geringer. Die Auswirkungen auf die Nährstoffversorgung werden noch ausgewertet; mehrere Fragen sind offen. Der derzeitige Aufbau ist für Winzer laut Eilenz außerdem nicht praktikabel, weil die Maschinen nicht über die Bäume fahren können. Das ist im Alltag kein kleines Detail, sondern ein ziemlich großer Brocken.

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Wenn das Wetter unberechenbarer wird

Der Klimawandel stellt die Widerstandsfähigkeit des Weinbaus durch zunehmende Extremwetterereignisse infrage: Spätfrost, Hagel, Starkniederschläge und Hitze machen den Reben zu schaffen. Steigende Temperaturen und veränderte Reifephasen beeinflussen die Inhaltsstoffe der Weinbeeren, die Erträge und die geografische Verteilung geeigneter Weinbaugebiete.

Agroforstsysteme könnten dabei stabilere Mikroklimata schaffen, den Wasser- und Nährstoffhaushalt ausgleichen, die ober- und unterirdische Biodiversität fördern und die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Produktionsanlagen erhöhen. Die Schattenwirkung der Bäume könnte angesichts des Klimawandels künftig an Bedeutung gewinnen – auch wenn der Weinberg heute noch nicht ohne Weiteres mit den vorhandenen Maschinen bearbeitet werden kann.

Für Agroforstsysteme im Weinbau gibt es bislang nur wenige Referenzen, insbesondere für Schweizer Klimazonen. Die Ergebnisse des Projekts sollen deshalb erste Erkenntnisse liefern und Hinweise auf den künftigen Nutzen etablierter Vitiforst-Systeme geben. Ob die Bäume am Ende mehr helfen als stören, entscheidet sich nicht auf einer römischen Abbildung, sondern im Boden, an den Trauben und bei der nächsten Ernte.

Quelle 1: SWR
Quelle 2: FiBL