Vom „Kreml“ zum Universitätscampus: Hasso-Plattner-Foundation übernimmt Brauhausberg-Areal
Auf dem Potsdamer Brauhausberg beginnt für das frühere Landtagsgebäude ein neuer Abschnitt: Die Hasso-Plattner-Foundation (HPF) hat das Areal von KW Development (KWD) übernommen. Grundstück und denkmalgeschütztes Gebäude wechselten für 31 Millionen Euro den Eigentümer. Damit ist die Konzept- und Entwicklungsphase abgeschlossen; nun startet die nächste Etappe für den geplanten Universität-Potsdam-Campus.
Land Brandenburg und HPF besiegelten dafür eine notariell beurkundete Kooperationsvereinbarung. Die Stiftung übernimmt die Realisierung des Campus auf der sogenannten Brauhauskuppe und führt das Bauprojekt bis zur Fertigstellung in eigener Verantwortung als Bauherrin. Das Bebauungsplanverfahren soll 2027 abgeschlossen werden. Geht alles nach Plan, soll der Campus anschließend an das Land Brandenburg übergehen; Nutzerin wird die Universität Potsdam sein.
Vom „Kreml“ zum Universitätscampus
Seit Juni 2025 arbeiten Brandenburg, die Universität Potsdam, die HPF und KWD an dem Vorhaben. Zuvor beruhte die Zusammenarbeit auf einer Absichtserklärung. Auf dem Brauhausberg tagte bis 2013 der brandenburgische Landtag. In der DDR beherbergte der Bau die SED-Bezirks- und Kreisleitung – daher der Spitzname „Kreml“. Danach stand das denkmalgeschützte Gebäude viele Jahre leer.
Geplant ist ein Campus für die Fakultäten für Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Bis zu 6.000 Studierende sollen dort Platz finden. Die ersten Ankündigungen im Juni 2025 machten außerdem einen weiteren UP-Campus und neue Studien- und Forschungsbedingungen innerhalb von zehn Jahren zum Ziel. Parallel soll das Hasso-Plattner-Institut (HPI) am Standort Griebnitzsee erheblich erweitert werden. Dietmar Woidke, Manja Schüle, Hasso Plattner und Oliver Günther hatten das Vorhaben damals gemeinsam vorgestellt.
Viele Arbeitsgruppen, viele offene Schrauben
Die Task Force „Universität Potsdam – Hasso-Plattner-Institut“ konstituierte sich im Juli 2025. Sie tagt nach Bedarf, ungefähr alle zwölf Wochen. Ihre Aufgabe: die Qualität und den zügigen Fortschritt des Gesamtprojekts zu sichern und die rechtzeitige Fertigstellung zu ermöglichen. Die Auftaktsitzung fand am 8. Juli 2025 statt, eine weitere Sitzung am 14. Oktober 2025; bei ihrer vierten Sitzung am 20. Mai 2026 zog die Task Force eine Zwischenbilanz. Die Vorbereitungen für den Campus am Brauhausberg und die HPI-Erweiterung liefen nach Angaben der Beteiligten nach Plan.
Zwei Arbeitsgruppen unterstützen die Task Force. Die Arbeitsgruppe „Planen und Bauen“ wird von der Ministerin des Innern und für Kommunales geleitet. In ihr arbeiten Vertreter*innen der Staatskanzlei, der Stiftung, des Ministeriums des Innern und für Kommunales, des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, des Ministeriums der Finanzen und für Europa, der Universität Potsdam, des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen, des HPI und der Landeshauptstadt Potsdam.
Die Arbeitsgruppe „Lehr- und Forschungskooperation“ steht unter der Leitung der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Beteiligt sind die Staatskanzlei, die Stiftung, das HPI, die Universität Potsdam und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Im Juli besuchte außerdem eine Delegation der Universität Potsdam die NTNU im norwegischen Trondheim, um Erfahrungen zur Campusentwicklung auszutauschen.
Im August 2025 konstituierte sich die Arbeitsgruppe „Planen und Bauen“ und richtete vier Unterarbeitsgruppen ein: „Liegenschaftserwerb“, „Bedarfsermittlung“, „Planungsrecht“ und „Golm/Am Neuen Palais“. In Workshops wurde der konkrete Raumbedarf der künftigen Fakultäten und Einrichtungen ermittelt, ebenso die funktionalen Anforderungen. Die ersten Treffen fanden Ende August statt und wurden von Ernst & Young moderiert. Im September ging es um qualitative Anforderungen an die Räume.
Im November besichtigten Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen sowie der Juristischen Fakultät und der Zentralen Universitätsverwaltung das ehemalige Landtagsgelände. Im Dezember waren die Bedarfsermittlung der Universität Potsdam und die Funktionsbeziehungen für den Campus abgeschlossen. Daraus entstand eine erste funktionale Leistungsbeschreibung. Die Unterarbeitsgruppe „Bedarfsermittlung/Feststellung“ tagte dazu am 12. Dezember an der Universität Potsdam.
Bebauungsplan nimmt Form an
Am 21. Januar 2026 beschloss die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung mit großer Mehrheit die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 188 „Universitätscampus Brauhausberg“. Damit begann das formale Bebauungsplanverfahren, anschließend konnte das Werkstattverfahren starten. Am 24. Januar wurde das Areal öffentlich begangen, am 29. Januar wurden erstmals mehrere städtebauliche Varianten vorgestellt.
In nicht öffentlichen Werkstattterminen im Februar und April diskutierten Universität, Studierende, Grundstückseigentümer, die Hasso Plattner Foundation, Vertreterinnen und Vertreter des Landes, der Stadtverordnetenversammlung, der Verwaltung und der Bürgerschaft die Varianten weiter. Vorzugsvarianten wurden festgelegt. Das Ergebnis sollte im Mai oder Juni öffentlich vorgestellt werden; danach sollte auch der finale städtebauliche Entwurf einsehbar sein. Er leitete die frühzeitige Beteiligung im Bebauungsplanverfahren ein.
Am 16. April bestätigte die Unterarbeitsgruppe 2 die Basisversion der funktionalen Leistungsbeschreibung. In den folgenden Monaten sollte sie gemeinsam mit den künftigen Nutzerinnen und Nutzern weiter konkretisiert und zu einer vollständigen Leistungsbeschreibung ausgebaut werden. Diese finale Fassung soll als Grundlage für den Bauträgervertrag mit dem Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen dienen.
Am 16. Juni stellten die Landeshauptstadt Potsdam und die Projektbeteiligten im Langen Stall die Ergebnisse des städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens und den Vorentwurf des Bebauungsplans vor. Etwa 100 Gäste kamen. Zu sehen waren die architektonische Vorzugsvariante, erste Ideen für Erschließung und Mobilität sowie die naturnahe Gestaltung des Campus.
Für alle Gebäude sind Begrünungen und Solarpaneele vorgesehen. Der Grüngürtel rund um den Campus soll erhalten bleiben, außerdem ist eine vollständige Regenwasserversickerung von 100 Prozent geplant. Für Studierende und Universitätsbeschäftigte ist Busverkehr im Zehn-Minuten-Takt vorgesehen. Dazu kommen 150 Studierendenwohnheimplätze auf dem Campus und weitere 800 Wohnheimplätze in Potsdam.
Bei der frühzeitigen Beteiligung zum Bebauungsplanverfahren gingen insgesamt 77 Stellungnahmen von Bürgerinnen und Bürgern sowie Behörden ein. Die Ergebnisse des städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens waren bis Mitte Juli an zwei Orten in Potsdam und online einsehbar. Sie bilden die Grundlage für die Aufstellung des Bebauungsplans und die Änderung des Flächennutzungsplans für das Areal.
