Der Kärntner Chemiker, Wissenschafter, Erfinder und Unternehmer Dr. Peter Sagmeister ist 32 Jahre alt – und hat in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Weg zwischen Graz, Kanada, Cambridge und Österreich zurückgelegt. Im September 2026 erhielt er bei den Technology Talks Austria im Wiener MuseumsQuartier den erstmals vergebenen, mit 7.000 Euro dotierten ASciNA Tech Innovation Award – powered by TU Wien.

Ausgezeichnet wurde eine am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte Technologie von BIZON Labs, jenem Start-up, das Sagmeister gemeinsam mit Dr. Cedric Devos und Dr. Aniket Udepurkar in Europa gründet. Die drei Forscher wollen genetische Arzneimittel schneller dorthin bringen, wo sie gebraucht werden: in die richtigen Zellen und Gewebe.

Vom Klagenfurter Gymnasium ins MIT-Labor

Das Interesse an Forschung begann nicht erst im Hörsaal. Während seiner Schulzeit verbrachte Sagmeister ein Jahr bei einer Gastfamilie in British Columbia, Kanada. Nach seiner Rückkehr ans Klagenfurter Gymnasium nahm er 2011 an der Chemie-Olympiade teil – ein Schubs zur richtigen Zeit. Er studierte Chemie im Bachelorstudium an der Universität Graz und der TU Graz, im Nawi-Netzwerk Graz.

Anschließend forschte er an der University of Calgary über den Transport von Metallen im Blut. Sein Doktorat absolvierte er im Labor von C. Oliver Kappe an der Universität Graz. Dort entwickelte er unter anderem eine digitale Plattform, die Herstellungsverfahren automatisiert über Nacht optimiert. Das beschleunigt und verbilligt die Produktion sogenannter „Small Molecules“ für Arzneimittel.

Zum Einsatz kam die Entwicklung am Comet-Zentrum RCPE, dem Research Center Pharmaceutical Engineering, an dem Sagmeister als Senior Scientist tätig war. Danach wechselte er für zwei Jahre nach Cambridge bei Boston ans MIT. Der Kontakt entstand, nachdem dort eine Stelle für sein Fachprofil ausgeschrieben worden war.

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Am MIT forschte Sagmeister als Postdoctoral Associate am Department of Chemical Engineering. Er entwickelte automatisierte Plattformen für mRNA-beladene Lipid-Nanopartikel und arbeitete an kontinuierlichen, datenbasierten Produktionsverfahren für Arzneimittel. Mehr als 30 wissenschaftliche Publikationen stammen von ihm, außerdem ist er Miterfinder von vier Patenten.

Das Leben in Cambridge war dabei weniger glamourös, als es der Name MIT vermuten lässt. Wegen der hohen Lebenshaltungskosten wohnte Sagmeister mit einem Forschergehalt in einer Wohngemeinschaft oder einem Studentenheim. In der Mittagspause ging es dafür ins gemeinsame Sportangebot: Schwimmen, Fitness, Fußball und Tennis.

Nanopartikel mit Stellschrauben

Die prämierte Technologie soll DNA- und RNA-Moleküle effizienter zu ihrem medizinischen Zielgewebe transportieren. BIZON Labs entwickelt dafür unterschiedliche Bauweisen von Lipid-Nanopartikeln. Diese Partikel können Wirkstoffe wie mRNA, siRNA oder DNA gezielt in Zellen bringen.

Die technische Hürde liegt nicht nur in der Idee, sondern in der verlässlichen und skalierbaren Herstellung. Weltweit befinden sich bereits mehr als 1.500 entsprechende Wirkstoffe in klinischer Entwicklung. Die zum Patent angemeldete BIZON-Labs-Technologie soll während der Produktion die Größe, Form und innere Struktur der Nanopartikel gezielt steuerbar machen – ohne die Lipidrezeptur oder die Produktionsanlage verändern zu müssen.

Ein physikalisch fundiertes Verfahren soll die bisher oft langwierige Entwicklungsarbeit ersetzen. In sieben bisherigen Tests zeigte die Technologie im lebenden Organismus im Durchschnitt eine dreimal höhere therapeutische Wirkung. Auch beim Hochskalieren ging es offenbar schneller: Die Herstellung derselben Lipidmenge dauert laut Angaben statt rund drei Monaten nur noch drei Tage. Getestet wurde die Plattform mit mehr als 50 unterschiedlichen Formulierungen.

Geschützt ist die Entwicklung durch zwei gemeinsam mit dem MIT eingereichte Patentanmeldungen. Eine exklusive Lizenzvereinbarung wird derzeit verhandelt. Kooperationen bestehen unter anderem mit Forschungsgruppen am MIT, an der Pennsylvania State University, der University of British Columbia und der Johns Hopkins University sowie mit Partnern aus der pharmazeutischen Industrie. Mit mehreren Biotech-Unternehmen liegen erste Absichtserklärungen, sogenannte Letters of Intent, vor.

2024 lernte Sagmeister ASciNA kennen, die Organisation Austrian Scientists & Scholars in North America. Das Netzwerk hat rund 1.400 Mitglieder und 17 regionale Chapters. Es verbindet Forschende und Fachleute aus Universitäten, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Start-ups in den USA, Kanada und Mexiko und fördert wissenschaftlichen Austausch, Mentoring, Innovation und transatlantische Zusammenarbeit.

2025 kehrte Sagmeister nach Österreich zurück und arbeitet seither am Aufbau des Start-ups. BIZON Labs wurde gemeinsam mit Dr. Cedric Devos, dem Chief Operating Officer, und Dr. Aniket Udepurkar, dem Chief Technology Officer, gegründet. Beide forschten ebenfalls am MIT, beide haben belgische Wurzeln; Sagmeister stammt aus Österreich. Der Hauptsitz soll in Europa entstehen und die am MIT geknüpften Verbindungen mit dem europäischen Innovationsstandort verbinden.

Eine Brücke mit ziemlich praktischen Angeboten

Der neue Award soll eine dauerhafte Innovationsbrücke zwischen Österreich und Nordamerika schaffen. Ausgezeichnet werden Einzelpersonen und Teams, die derzeit in Nordamerika tätig sind oder dort in den vergangenen fünf Jahren tätig waren, aus Österreich stammen oder eng mit Österreich verbunden sind und wissenschaftliche Erkenntnisse in praktisch anwendbare Technologien übersetzen.

Die Technologien sollen sich auf den Technology Readiness Levels 4 bis 7 befinden – vom validierten Konzept bis zum funktionsfähigen Prototyp unter realitätsnahen Bedingungen. Bewertet werden außerdem das Skalierungspotenzial sowie eine überzeugende wirtschaftliche oder gesellschaftliche Wirkung.

Neben dem Preisgeld bietet der Award Zugang zu einem transatlantischen Netzwerk aus Industrie, Investoren und Gründern, einen praxisorientierten Intensivkurs zu geistigem Eigentum, Unterstützung bei der Entwicklung einer Kommerzialisierungsstrategie und Sichtbarkeit bei der ASciNA Conference und weiteren Veranstaltungen.

ASciNA-Präsidentin Alexandra Lieben erklärte, Sagmeister verbinde wissenschaftliche Exzellenz, Unternehmertum und den Transfer einer Technologie aus dem Labor in die Anwendung. Das Projekt verbinde österreichisches wissenschaftliches Know-how mit dem nordamerikanischen Innovationsökosystem. TU-Wien-Vizerektor Peter Ertl verwies auf die Bedeutung wissenschaftlicher und technologischer Verbindungen zwischen Österreich und Nordamerika, besonders angesichts geopolitischer Spannungen.

Powered by TU Wien ist dabei kein bloßes Etikett: Die TU Wien ist Österreichs größte Forschungs- und Bildungseinrichtung für Technik- und Naturwissenschaften. Mehr als 4.000 Wissenschafterinnen und Wissenschafter forschen an acht Fakultäten, mehr als 27.000 Studierende sind in 62 Studiengängen eingeschrieben.

Das größere Forschungsfeld

Die Arbeit an Lipid-Nanopartikeln steht in einem Forschungsfeld, das derzeit an vielen Stellen gleichzeitig wächst. Beim Fraunhofer IMM etwa soll das Projekt NEXTGENMEDINKUBATOR – Modulares Biolabor im Container, in Zusammenarbeit mit dem EFRE-REACT-Programm, Prozessschritte miniaturisieren und automatisieren. Dadurch soll die Integration in komplexe Abläufe besser gelingen; das Ziel sind containerbasierte Konzepte. Das modulare Biolabor bietet flexible Lösungen für Biotechnologie-Start-ups und soll die Umsetzung biotechnologischer Prozesse beschleunigen.

Das Projekt RNAuto konzentrierte sich auf automatisierte Produktionstechnologien für mRNA-abgeleitete Impfstoffe sowie Gen- und Zelltherapeutika. Weltweit fehlen GMP-konforme Produktionsstätten und ausgereifte Technologien für Nanoarzneien und Zelltherapeutika. Entwickelt wurden automatisierte und digital unterstützte Produktionstechnologien für schnellere, sichere und zuverlässige mRNA-basierte Nanomedizinprozesse, die pharmazeutischen Herstellungsstandards entsprechen sollten. Die Laufzeit war vom 01.01.2022 bis zum 31.12.2025.

Bei BioTherNa ging es um biomimetische thermoresponsive Nanomaterialien für Krebstherapien. Tumorzellen sind meist etwa 1–2 °C wärmer als das umgebende Gewebe. Krebsmedikamente sollen in temperaturkontrollierbaren, biomimetischen Hüllen gezielt zu Tumorzellen transportiert werden. Das Material ist einem natürlichen Prozess der Doppelhelixbildung von DNA-Strängen nachempfunden; die kontrollierte Wirkstofffreisetzung soll mit herkömmlicher Chemotherapie kombinierbar sein. Die Laufzeit reichte vom 01.10.2020 bis zum 31.03.2026.

Das vom BMWK geförderte KmR – Konsortium mRNA arbeitet an Produktionskapazitäten sowie an Speziallipiden und weiteren Hil