Wandt Spedition startet nach Insolvenzverfahren mit Schnellecke als Mehrheitseigner neu
Heute, am 20.10.2026, geht es bei der Wandt Spedition aus Braunschweig um nicht weniger als einen Neustart. Nach 18 Monaten Restrukturierung hat die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan im September 2026 einstimmig zugestimmt. Anthony Wandt, Geschäftsführer des Familienunternehmens, will das Insolvenzverfahren bis Ende Dezember 2026 abschließen. 2027 soll dann der neue Abschnitt beginnen.
Am 25. Februar 2025 hatte Wandt Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Vorausgegangen war der kurzfristige Wegfall eines Großkunden, mit dem die Spedition mehr als 20 Jahre zusammengearbeitet hatte. Nach der Corona-Pandemie blieb außerdem der erwartete Aufschwung aus. Die Mengen gingen zurück, ließen sich kurzfristig nicht auffangen. Während die Umsätze des Großkunden fehlten, liefen Verträge mit externen Geschäftspartnern weiter – die Liquidität geriet unter Druck.
Sanierung mit Immobilien, Verträgen und viel Geduld
Die Eigenverwaltung wurde für Wandt zum Stabilitätsanker. Möglich war das Verfahren, weil das Unternehmen grundsätzlich solide aufgestellt war: mit Immobilien, einem breiten Portfolio, Mitarbeitern und Kunden. Für die Sanierung wurden sämtliche Kosten überprüft. Diesel-, Tankkarten-, Versicherungs- und Mobilfunkverträge kamen ebenso auf den Prüfstand wie die Organisation. Immobilien wurden teilweise verkauft, um liquide Mittel zu beschaffen.
Eine Fortführung in Eigenregie wäre laut Anthony Wandt vermutlich möglich gewesen. Dafür hätten allerdings unter anderem Grundstücke veräußert werden müssen. Der Weg war also machbar, aber nicht gerade bequem. Und er verlangte Zeit.
Während der Restrukturierung kündigte kein Kunde. Die Kunden blieben laut Wandt loyal, außerdem kamen weitere hinzu. Partnerunternehmen halfen mit Befrachtungen und persönlicher Unterstützung. Das Kundenportfolio ist heute breiter: Der Umsatz verteilt sich auf mehr Kunden als vor der Insolvenz, und die Spedition arbeitet inzwischen stärker für Handels-, Chemie- und Lebensmittelunternehmen.
Von ursprünglich 130 Beschäftigten konnten 110 gehalten werden. Verfahrensbedingte Kündigungen habe es laut Wandt nicht gegeben; einige Mitarbeiter orientierten sich neu oder gingen in Rente. Die 110 Mitarbeitenden sollen auch künftig ihre Arbeitsplätze behalten.
Schnellecke steigt mehrheitlich ein
Die entscheidende Veränderung kommt durch Schnellecke Logistics. Das Unternehmen übernimmt die Mehrheit an der Wandt Spedition. Die strategische Beteiligung soll den Fortbestand des Braunschweiger Traditionslogistikers und die Arbeitsplätze sichern. Wandt bleibt als Unternehmen und Marke bestehen, die Familie bleibt beteiligt und will die weitere Entwicklung aktiv mitgestalten.
Beide Unternehmen wurden 1939 gegründet und verfügen über mehr als 85 Jahre Branchenerfahrung. Die Wandt Spedition Transportberatung GmbH wird in dritter Generation geführt und hat ihren Sitz in Braunschweig, Niedersachsen. Aus einer Spedition für regionalen Güterverkehr entwickelte sie sich zu einem Dienstleister für Logistik, Transport und internationalen Warenverkehr. Geschäftsführer ist Anthony Wandt. Bei Schnellecke ist Thomas Lammer Vice President Transport.
Der Einstieg hat mit den rauer gewordenen Bedingungen im Transport- und Speditionsgeschäft zu tun – und mit dem zunehmenden Konsolidierungsdruck. Unternehmen in der Größe von Wandt müssen nach Einschätzung von Anthony Wandt künftig stärker in IT und IT-Sicherheit investieren. Schnellecke bringt dafür zusätzliche Ressourcen und Know-how mit, unter anderem in IT, Datenmanagement und IT-Sicherheit.
Über das Logistiknetz von Schnellecke soll Wandt seinen Kunden künftig ein breiteres Portfolio anbieten können. Schnellecke wiederum kann vom Wissen der Braunschweiger profitieren, etwa bei IFS-Zertifizierung, Lebensmitteltransporten und Zollabfertigung. Nach den noch erforderlichen Schritten soll die Zusammenarbeit schrittweise ausgebaut werden.
Schnellecke bietet Dienstleistungen von Transport und Lagerbewirtschaftung über Value Added Services bis hin zu Modulmontage und containergerechter Verpackung an. Ein globales Netzwerk und technologiegestützte Lösungen sollen Lieferketten optimieren. Wandt bringt dafür regionale Expertise in Transport, Logistik und internationalem Warenverkehr ein.
Regional verwurzelt, künftig breiter aufgestellt
Im Alltag bleibt Wandt zunächst das, was viele Kunden aus der Region kennen: Die Spedition bietet weiterhin Stückguttransporte an und bleibt Mitglied im CTL-Netzwerk. Der Name verschwindet also nicht von den Fahrzeugen und aus den Abläufen. Die Familie Wandt will bei der weiteren Entwicklung mitreden – und mitarbeiten.
Für Unternehmen in einer solchen Lage ist die Wahl des Verfahrens kein Nebenschauplatz. In der Eigenverwaltung bleibt die operative Verantwortung grundsätzlich beim Unternehmen, während der Sanierungsweg geordnet begleitet wird. Welche Lösung passt, hängt allerdings vom Einzelfall ab: von der Sanierungsfähigkeit, der Finanzierung, den Gläubigern und dem Zeitdruck. Manchmal ist der Spielraum größer, als es von außen aussieht. Manchmal eben auch nicht.
Beratung für Krisensituationen bietet etwa der Standort Frankfurt am Main von LECON für Unternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet an. Zum Angebot gehören außergerichtliche Sanierungen nach dem StaRUG, Eigenverwaltung, Schutzschirmverfahren und Insolvenzpläne. Rechtsanwälte und Betriebswirte bearbeiten die Fälle gemeinsam, beurteilen Sanierungsfähigkeit und Verfahrensweg und setzen die gewählte Lösung um.
LECON-Anwälte werden von Insolvenzgerichten als Insolvenzverwalter und Sachwalter bestellt. Beratung und Insolvenzverwaltung sind organisatorisch getrennt; Mandate in Frankfurt am Main werden von den Partnern persönlich geführt. Für ein vertrauliches Erstgespräch ist der Kontakt unter +49 69 870092150 angegeben.
In Braunschweig geht der Blick derweil auf die letzten aufschiebenden Bedingungen. Erst wenn sie erfüllt sind, kann die Beendigung des Insolvenzverfahrens eingeleitet werden. Bis Ende Dezember 2026 bleibt also noch einiges zu erledigen – während auf dem Hof der Spedition weiter Stückgut bewegt wird.
