WHU vor Umbruch: Mitarbeiter planen Betriebsrat während Vallendar den Hauptstandort verliert
An der privaten Wirtschaftshochschule Otto Beisheim School of Management (WHU) in Vallendar wollen Mitarbeiter einen Betriebsrat gründen. Das geht aus Mitarbeiterkreisen hervor. In den kommenden Wochen soll eine Betriebsversammlung stattfinden, bei der der Wahlvorstand bestimmt wird.
Der Schritt fällt in eine ohnehin unruhige Phase für die Hochschule. Anfang Oktober hatte die WHU angekündigt, ihren Hauptstandort langfristig von Vallendar nach Düsseldorf zu verlegen. In Vallendar sorgte diese Nachricht für Überraschung.
Vallendar bleibt zunächst bestehen
Derzeit betreibt die WHU Campusstandorte in Vallendar und Düsseldorf. Beide sollen zunächst bestehen bleiben. Ziel ist, die Aktivitäten bis 2034 an einem gemeinsamen neuen Campus im Düsseldorfer Medienhafen zu bündeln. Zu den Kosten machte die Hochschule keine Angaben.
Studierende, die ihr Studium in Vallendar begonnen haben, sollen es dort auch abschließen können. Bereits in der Vergangenheit seien einzelne Studienprogramme nach Düsseldorf verlegt worden, ohne dass dies den Studienalltag beeinträchtigt habe.
Die WHU wurde 1984 in Vallendar als Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung gegründet; 1993 erhielt sie den Zusatz „Otto Beisheim“. 2010 eröffnete die Hochschule einen zusätzlichen Campus in Düsseldorf. Heute studieren dort insgesamt rund 2.100 Menschen. Das Angebot umfasst Bachelor- und Masterprogramme in International Business Administration und Management. Aus der Hochschule gingen unter anderem die Start-ups Zalando, Flixbus und Hellofresh hervor.
Enttäuschung in der Stadt
Vallendars Bürgermeister Wolfgang Heitmann (SPD) zeigte sich enttäuscht. Er kritisierte, erst aus der Presse von den Plänen erfahren zu haben. Für die Stadt könnten die Folgen erheblich sein – beim Wohnungsmarkt ebenso wie im Einzelhandel, in der Gastronomie und in der örtlichen Wirtschaft. Auch die Nutzung zahlreicher Gebäude dürfte sich verändern.
Die Stadt wolle die kommenden Jahre nutzen, um gemeinsam mit der WHU neue Perspektiven für Vallendar zu entwickeln. Landrat Marko Boos (SPD) bezeichnete die Entscheidung als großen Verlust für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz. Er hofft auf ein stärkeres Engagement des Landes, damit die WHU zumindest teilweise in Vallendar gehalten werden kann, und will mit der Hochschule über eine langfristige Perspektive sprechen.
Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) bedauerte die Verlegung und verwies auf das internationale Renommee sowie die regionalen Wurzeln der WHU. Das Land Rheinland-Pfalz wolle die Zusammenarbeit am weiterhin bestehenden Vallendarer Standort fortsetzen.
Hochschule verweist auf Düsseldorf
Die WHU begründet den geplanten Zusammenschluss unter anderem mit Düsseldorfs Lage als Metropole in einer wirtschaftsstarken europäischen Region. Ein neuer, offener Campus solle den Austausch zwischen Studierenden, Fakultät, Mitarbeitenden und Alumni fördern – ebenso den Kontakt mit Wissenschaft, Unternehmen, Politik und Gesellschaft.
Die Hochschule bezeichnet den Umzug als konsequente Entwicklung, weil der Düsseldorfer Standort seit 2010 kontinuierlich gewachsen sei. Gleichzeitig betont sie die Bedeutung Vallendars, der Region, ihrer Unternehmen und der Gründungsmitglieder, insbesondere der IHK Koblenz, für ihre eigene Entwicklung.
Das Wissenschaftsministerium bewertet den Umzug als interne unternehmerische Entscheidung der privaten Hochschule, die zu respektieren sei. Vorab habe es Gespräche gegeben. Konkrete Wünsche an das Land, durch deren Erfüllung die Entscheidung hätte geändert werden können, habe die WHU jedoch nicht gerichtet. Laut Ministerium erhält die Hochschule keine staatlichen Zuwendungen des Landes Rheinland-Pfalz.
Aus Nordrhein-Westfalen kommen erwartungsgemäß andere Töne: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erklärte, der geplante Campus stärke die internationale Anziehungskraft Nordrhein-Westfalens für Spitzenforschung und unternehmerische Ideen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) erwartet eine höhere Attraktivität der Stadt für internationale Studierende, Fachkräfte und Unternehmen.
Die zusätzlich herangezogene DGB-Publikation, der Hochschulreport, enthält nach den vorliegenden Angaben ausschließlich PDF-Rohdaten und keinen lesbaren Nachrichtenartikel. Für die Einordnung der geplanten Betriebsratsgründung und des Standortwechsels liefert sie damit keine weiteren verwendbaren Fakten.
