In Deutschland soll die Hamas für Oktober 2025 einen Anschlag vorbereitet haben. Das geht aus Ermittlungen des Generalbundesanwalts hervor. Die Spur eines zentralen Verdächtigen führt nach Erlangen – an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, kurz FAU, führt sie allerdings nicht. Der Verdächtige sitzt in Haft.

Weitere Einzelheiten zu den vereitelten Anschlagsplänen waren zunächst nicht bekannt. Nun hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen sieben mutmaßliche Mitglieder eines international operierenden Waffenschmugglerrings der Hamas erhoben. Die Männer sind zwischen 25 und 61 Jahre alt. Ihnen werden die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen.

Geplante Anschläge in Deutschland und Österreich

Nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft plante die Hamas-Führung spätestens seit Juli 2025 einen konkreten Mordanschlag in Deutschland oder Österreich. Als mögliche Ziele werden israelische Repräsentanten, jüdische Menschen sowie pro-israelisch eingestellte Personen genannt. Der Anschlag sollte zeitnah zum 7. Oktober 2025 stattfinden – dem zweiten Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel.

Laut einem Bericht der „Welt“ waren Anschläge in Wien und Berlin zeitgleich oder in kurzer zeitlicher Folge vorgesehen. Hochrangige Hamas-Funktionäre sollen mehrere Angeklagte beauftragt haben, Waffen und Munition zu beschaffen. Zusätzlich geht es um Verstöße gegen das Waffenrecht und teilweise gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Bis zu den ersten Festnahmen soll die Gruppe ein vollautomatisches Gewehr, 13 Pistolen und mehr als 700 Schuss Munition zusammengetragen haben. Ein Teil der Waffen wurde demnach in Deutschland versteckt. Weitere Waffen soll Mohammed A. nach Wien geschmuggelt und dort eingelagert haben. Im November 2025 entdeckten Ermittler im Zusammenhang mit den Untersuchungen ein Waffenversteck in Wien.

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Festnahmen in Berlin, London und weiteren Ländern

Anfang Oktober 2025 nahm ein mobiles Einsatzkommando in Berlin einen 36-jährigen Deutschen libanesischer Herkunft und zwei weitere mutmaßliche Hamas-Agenten fest. Die Männer waren bei den Vorbereitungen zu einer Waffenübergabe beobachtet worden. Dabei fanden die Einsatzkräfte ein vollautomatisches Gewehr, acht halbautomatische Pistolen und rund 300 Schuss Munition.

In den folgenden Monaten kamen weitere Festnahmen hinzu, unter anderem in Dänemark, Zypern und Berlin. Ein Verfahren wurde an Berliner Behörden abgegeben, weil dem betreffenden Beschuldigten keine Hamas-Mitgliedschaft oder Unterstützung nachgewiesen werden konnte.

Eine zentrale Rolle soll Mohammed A. gespielt haben. Er wurde im November in London festgenommen und sitzt dort weiterhin in Auslieferungshaft. Deutschland hat seine Auslieferung beantragt; gegen ihn ermittelt der Generalbundesanwalt separat. Die Bundesanwaltschaft beschreibt A. als direkt an die Hamas-Führung angebunden. Nach Informationen des SPIEGEL soll sein Vater ein einflussreiches Mitglied des Hamas-Politbüros sein. Laut einem Bericht der „Welt“ soll A. außerdem der Sohn des Hamas-Funktionärs Basem Naim und früherer Leibwächter des damaligen Hamas-Chefs Ismail Haniyeh gewesen sein.

In London wurde zeitgleich ein weiterer Beschuldigter aufgrund eines Haftbefehls des Bundesgerichtshofs festgenommen. Er befindet sich weiterhin in Auslieferungshaft. A. soll ein Bekennervideo erstellt haben, in dem ein Anschlag im Namen der Hamas angekündigt wird. Im Juni 2026 wurde bekannt, dass Ermittler bei einem Beschuldigten ein bereits fertiggestelltes Bekennervideo gefunden hatten. Generalbundesanwalt Jens Rommel erklärte, darin sei ein Anschlag um den 7. Oktober 2025 angekündigt worden.

Ein V-Mann unter den Angeklagten?

Brisant ist zudem der Vorwurf, einer der Angeklagten habe während der Tatzeit als Vertrauensperson für das Bundesamt für Verfassungsschutz gearbeitet. Er soll regelmäßig an seinen V-Mann-Führer berichtet, die eigene Rolle bei der Beschaffung von Munition aber verschwiegen oder verharmlost haben. Die Behörden hatten die Beschuldigten demnach schon länger beobachtet; auch der Verfassungsschutz war beteiligt.

Nach den ersten Festnahmen erklärte der damalige Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, eine konkrete terroristische Bedrohungslage sei abgewendet worden. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft hatte der militärische Flügel der Hamas bereits zuvor begonnen, Waffendepots in Europa anzulegen. Hochrangige Hamas-Funktionäre sollen die Beschuldigten angewiesen haben, Waffen und Munition in Deutschland zu beschaffen.

Die sieben Männer sollen nun vor einem Staatsschutzsenat des Berliner Kammergerichts angeklagt werden. Über die Eröffnung eines Prozesses entscheidet das Gericht. Eine Stellungnahme der Verteidigung war zunächst nicht zu erhalten.

Die Hamas bestritt im Oktober Verbindungen zu den mutmaßlichen Waffenschmugglern und erklärte, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Die deutschen Behörden würden damit den Ruf der Organisation schädigen und die Unterstützung für die Palästinenser untergraben, hieß es.

Bereits vier Haftstrafen

Ende März verurteilte das Kammergericht Berlin bereits vier mutmaßliche Hamas-Mitglieder zu Haftstrafen zwischen viereinhalb und sechs Jahren. Diese Männer sollen für Waffendepots in mehreren europäischen Ländern zuständig gewesen sein, die für Anschläge vorgesehen waren. Über Verbindungen zwischen den vier bereits Verurteilten und den nun Angeklagten war bislang nichts bekannt.

Der Artikel wurde am 24. Oktober 2026 veröffentlicht.