Peter Sloterdijk kommt gleich zweimal in die Region. Der international bekannte Gegenwartsphilosoph spricht am Donnerstag, 8. Oktober 2026, in Erlangen über die Frage, was den Menschen angesichts technologischer Umbrüche ausmacht. Beginn ist um 19:15 Uhr im „Kreuz+Quer“, Bohlenplatz 1, 91054 Erlangen.

Sein öffentlicher Abendvortrag trägt den Titel „Den Berg des Unwahrscheinlichen erklimmen – Anmerkungen zur anthropologischen Differenz“ und dauert bis 20:45 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung per E-Mail an max.tretter@fau.de wird erbeten.

Philosophie zwischen Mensch, Technik und Religion

Sloterdijks Arbeiten verbinden philosophische Zeitdiagnosen mit Fragen zu Mensch, Gesellschaft und Technik. In seinem Werk beschäftigt er sich unter anderem mit politischer Souveränität, den religiösen Grundlagen politischer Legitimität und dem Fortwirken religiöser Vorstellungen in säkularen Gesellschaften.

Der Vortrag ist Teil der Tagung „Heilsversprechen und Herrschaftstechnologien: Demokratie und Künstliche Intelligenz im Horizont christlicher Deutungsmuster“. Sie findet am 8. und 9. Oktober 2026 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg statt und wird von der Fritz Thyssen Stiftung gefördert. Der Abendvortrag entsteht in Kooperation mit BildungEvangelisch.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie politische Autorität religiös überhöht und durch Technologie erweitert wird. KI erscheint dabei auch als mögliche Form politischer Steuerung: als Versprechen, menschliche Irrationalität, Konflikte und langsame Entscheidungsprozesse zu überwinden. Das klingt nach großer Zukunftsmusik – und ist zugleich erstaunlich nah an aktuellen Debatten.

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Genannt werden etwa Peter Thiels Vortragsreihen über den Antichristen, den er mit demokratischen Verfahren und Bürokratie in Verbindung bringt, die Bewerbung eines „christlichen Sprachmodells“ durch einen ehemaligen Intel-CEO sowie KI-generierte Darstellungen politischer Akteure als Märtyrer oder gottgesandte Führungsfiguren. Solche Bilder wurden teils über offizielle staatliche Accounts verbreitet.

Fünf Panels in Erlangen

Veranstalter ist die Theologische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Tagungsort ist die Villa an der Schwabach von Bildung Evangelisch in Erlangen. In fünf Panels diskutieren Wissenschaftler:innen aus Theologie, Philosophie und Medienwissenschaft sowie Personen aus der journalistischen Praxis über die Verbindungen von KI, politischen Ordnungsansprüchen und christlichen Deutungsmustern.

Fachleute aus Theologie, Medienethik, Kommunikationswissenschaft und Religionspädagogik fragen nach ethischen und gesellschaftlichen Folgen Künstlicher Intelligenz, nach ihren Auswirkungen auf Öffentlichkeit und demokratische Kultur sowie nach der Rolle christlicher Deutungsmuster und religiöser Traditionen im Umgang mit technologischen Entwicklungen. Auch der mögliche Beitrag von Theologie und theologischer Ethik zur Begründung und Legitimation politischer Ordnung steht auf dem Programm.

Das Auftaktpanel widmet sich Demokratie, KI und christlichen Deutungsmustern. Als Referierende sind Matthias Braun, Alexander Filipović und Frederike van Oorschot angekündigt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf antiliberalen und antidemokratischen Strömungen im digitalen Raum. Dabei geht es um religiös begründete Agitation, digitale Autoritätsbildung und ideologische Deutungsmuster im Zusammenhang mit KI. Mit dabei sind Madlen Geidel, Tabea Ott und Max Tretter.

Der zweite Tag behandelt unter anderem den „algorithmischen Strukturwandel der Öffentlichkeit“: Wie verändern KI-Systeme öffentliche Kommunikation, und was bedeutet das für demokratische Prozesse und religiöse Deutungsmuster? Als Vortragende sind Stefanie Schardien, Rieke Harmsen und Till Krause vorgesehen.

Weitere Panels widmen sich religionspädagogischen Perspektiven auf KI, Demokratie und christliche Narrative sowie christlichen Symbolbeständen und Zukunftsvorstellungen im gesellschaftlichen Diskurs über KI. Zu den weiteren Mitwirkenden gehören Ilona Nord, Steffi Fabricius, Birte Platow, Florian Höhne, Gerhard Schreiber und Thomas Schlag.

Ein zweiter Auftritt in Fürth

Wer Sloterdijk lieber in einem Theater als in einem Tagungsraum erlebt, bekommt eine Woche später eine weitere Gelegenheit. Am Donnerstag, 15. Oktober, tritt er im Stadttheater Fürth auf. Dort geht es um „Dialog für Demokratie und Zuversicht“. Anschließend spricht Sloterdijk mit Adam Soboczynski von der „Zeit“. Für die Veranstaltung sind noch Restkarten erhältlich.

In Erlangen beginnt der philosophische Abend dagegen mit einer Frage, die ziemlich grundsätzlich klingt und gerade deshalb hängen bleibt: Was unterscheidet den Menschen, wenn technologische Systeme immer mehr Entscheidungen, Bilder und Deutungen prägen? Eine Anmeldung an max.tretter@fau.de ist für den kostenlosen Vortrag im „Kreuz+Quer“ erbeten.