Seit dem 1. Oktober gilt erneut ein Tankrabatt. Trotzdem kosten Benzin und Diesel vielerorts weiterhin mehr als zwei Euro pro Liter. An den Zapfsäulen bleibt also dieses unangenehme Gefühl: Es ist etwas billiger geworden, aber der große Aha-Moment bleibt aus.

Eine Studie des ifo Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass etwa 15 bis 16 Cent Rabatt pro Liter bei den Verbrauchern ankommen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Jonas Dovern, Professor an der FAU Erlangen-Nürnberg. Für Autofahrerinnen und Autofahrer ist die Entlastung spürbar, für den Einzelnen aber begrenzt.

Der Rabatt hilft allen, die tanken – unabhängig davon, ob sie täglich auf ihr Auto angewiesen sind oder sich hohe Spritpreise leisten können. Ob dieses Instrument langfristig taugt, bleibt allerdings offen.

Was tatsächlich an der Zapfsäule ankommt

Das Ifo-Institut stellt bislang nur eine teilweise Weitergabe fest. In den ersten fünf Tagen wurden beim Diesel durchschnittlich 15 von 17 Cent Steuersenkung je Liter weitergegeben. Bei Superbenzin E5 waren es gut 16 Cent, bei E10 15 Cent.

Ganz gleichmäßig lief das nicht. Am 1. Oktober wurde der Rabatt vollständig weitergegeben, am Wochenende blieb die Weitergabe teilweise aus. Bei E10 sank die errechnete Weitergabe von Donnerstag bis Sonntag um rund sieben Cent. Am Montag lag sie wieder bei mehr als 15 Cent. Beim Diesel zeigte sich ein ähnlicher Verlauf, allerdings mit geringeren Schwankungen.

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Für die Berechnung verglich das Ifo-Institut deutsche Spritpreise mit Preisen im Ausland. So sollten allgemeine Preisschwankungen, etwa durch Veränderungen beim Ölpreis, herausgerechnet werden. Der Bund verzichtet beim Tankrabatt auf Energie- und Mehrwertsteuer – zusammen sind das 16,7 Cent je Liter.

Das Institut plant erneut einen Online-Tracker, der zeigen soll, wie viel des Rabatts an den Tankstellen weitergereicht wird. Schon in der ersten Rabattphase im Mai und Juni war das Ergebnis des Ifo: vollständig angekommen ist die Entlastung nicht.

Streit zwischen Forschung und Mineralölwirtschaft

Die Ifo-Experten sehen die Maßnahme ohnehin kritisch. Hohe Preise würden normalerweise den Verbrauch senken. Ein Rabatt verzerrt nach ihrer Einschätzung Kaufentscheidungen und schwächt den Anreiz, weniger zu fahren oder sparsamer zu tanken. Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Autos und geringer Fahrleistung profitierten laut Ifo kaum.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, En2x, widerspricht. Ohne Tankrabatt wären die Preise an den Stationen seiner Mitglieder seit Anfang Oktober jederzeit um 17 Cent je Liter höher gewesen, erklärte der Verband. Eine Aussage über den gesamten Markt mit rund 14.000 Tankstellen könne En2x allerdings nicht treffen: Die Mitgliedsunternehmen repräsentieren nach eigenen Angaben etwa die Hälfte davon.

Auch die Monopolkommission und das Bundeskartellamt bewerteten den Tankrabatt aus Mai und Juni als weitgehend bei den Verbrauchern angekommen. Ihrer Einschätzung nach fing der damalige Rabatt Preisspitzen in einer Phase besonders hoher Kraftstoffpreise wirksam ab. An der Zapfsäule stehen damit zwei Lesarten nebeneinander – und der Preis auf der Anzeige bleibt trotzdem derselbe.

Neue Regeln für Tankstellen und Raffinerien

Die Energiesteuer ist nur ein Bestandteil des Kraftstoffpreises. Was am Ende auf der Anzeigetafel steht, hängt weiterhin von Mineralölkonzernen und Tankstellenbetreibern ab, außerdem von Rohöl- und Transportkosten. Regional gibt es deutliche Unterschiede.

Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich erhöhen, jeweils um 12 Uhr. Senkungen bleiben jederzeit möglich. Zuvor wurden die Kraftstoffpreise durchschnittlich bis zu 22-mal täglich geändert. Verstöße gegen die Regel können mit Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro geahndet werden. Sie soll für mehr Verlässlichkeit und Transparenz sorgen.

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe im Bundeskartellamt überwacht die Preisdaten von rund 15.000 Tankstellen. Preisänderungen müssen innerhalb von fünf Minuten gemeldet werden; die Daten gehen unter anderem an zugelassene Preis-Apps und Serviceportale. Die Markttransparenzstelle wertet die Angaben zur Einhaltung der 12-Uhr-Regel aus und meldet Verstöße an die zuständigen Landesbehörden.

Am 4. August berichtete das Bundeskartellamt weiterhin von einer hohen Zahl an Abweichungen. Zuständige Landesbehörden sind inzwischen aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, dem Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen bekannt. Mit den übrigen Ländern steht das Amt in Kontakt.

Gegen alle Raffineriebetreiber in Deutschland hat das Bundeskartellamt Verfahren eingeleitet. Bei Verdacht auf missbräuchlich überhöhte Preise müssen Unternehmen künftig darlegen, dass die Erhöhungen gerechtfertigt sind. Die verschärfte Missbrauchsaufsicht soll vor allem überhöhte Preise gegenüber freien Tankstellen verhindern und strukturelle Wettbewerbsstörungen schneller beheben.

Kontrollen von Kosten und Preisen können Preisdämpfungen unterstützen, führen aber nicht unmittelbar zu niedrigeren Preisen. Mit der 12. GWB-Novelle sollen künftig auch Preiserhöhungen bei Super Plus gemeldet werden. Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel sollen zusätzliche Daten an die Markttransparenzstelle übermitteln. Damit sollen überhöhte Preise effektiver ermittelt und sanktioniert werden können – und es soll sichtbar werden, ob sinkende Rohstoffpreise bei entspannter Marktlage zeitnah bei den Verbrauchern ankommen.

Was 2026 noch geplant ist

Wegen der Sorgen über steigende Kraftstoffpreise infolge des Iran-Nahost-Konflikts plant die Bundesregierung einen weiteren Tankrabatt. Die Energiesteuer soll vom 1. Oktober bis Ende Dezember 2026 um 14 Cent je Liter sinken. Einschließlich der Umsatzsteuer ergibt sich eine Entlastung von rund 17 Cent je Liter.

Bund und Länder wollen Verbraucher und Unternehmen insgesamt um rund 2,5 Milliarden Euro entlasten. Ein erster Tankrabatt war bereits für Mai und Juni 2026 beschlossen worden; dafür waren 1,6 Milliarden Euro eingeplant.

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, die Maßnahme solle Menschen entlasten, die täglich auf ihr Auto angewiesen seien, und verwies auf einen Fahrplan für 2027. Der Bund will außerdem mit der Mineralölwirtschaft über einen vorübergehenden Spritpreisdeckel sprechen, der spätestens zum 1. Januar 2027 nach Vorbildern aus Luxemburg oder Belgien eingeführt werden soll. Bei den weiteren Maßnahmen soll die Versorgungssicherheit besonders berücksichtigt werden.

Die Bundesregierung unterstützt zudem EU-Gespräche über mögliche Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022. Anfang 2027 sollen weitere gezielte Entlastungen für besonders betroffene Menschen und Unternehmen beschlossen werden. Der Bund schafft dafür die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus.

Die Regierungskoalition plant zum 1. Januar 2027 außerdem eine Einkommensteuerreform zur dauerhaften Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen. Bis dahin bleibt der Tankrabatt ein ziemlich grobes Werkzeug: Er senkt den Preis für alle, auch wenn nicht alle ihn gleich nötig haben.