Vom Medizincampus zum Universitätsklinikum Oberfranken: Bayreuth ringt um staatliche Trägerschaft
Am Klinikum Bayreuth wird über eine neue Zukunft als Universitätsklinikum Oberfranken gesprochen. Oberbürgermeister Andreas Zippel (SPD) und Landrat Florian Wiedemann (Freie Wähler) bevorzugen dafür eine staatliche Trägerschaft. Der Bayreuther Grünen-Landtagsabgeordnete Tim Pargent will sich bei der Bayerischen Staatsregierung für eine Übernahme durch den Freistaat einsetzen.
Für Pargent steckt in der finanziell angespannten Lage des Klinikums auch eine Möglichkeit: Der Gesundheitsstandort Bayreuth könnte dadurch gestärkt werden. Am Klinikum gibt es mit dem Medizincampus Oberfranken bereits eine Grundlage. Dort absolvieren Medizinstudierende der FAU Erlangen-Nürnberg einen Teil ihrer Ausbildung.
Vom Medizincampus zum Universitätsklinikum
Die Grünen- und die Linke-Stadtratsfraktion unterstützen eine Übernahme durch den Freistaat. Die Grünen lehnen eine Privatisierung des Klinikums ab und fordern eine verlässliche öffentliche Trägerschaft. Zippel und Wiedemann hatten neben einer staatlichen Lösung allerdings auch eine mögliche Beteiligung eines privaten Investors genannt. Eine Mehrheitsbeteiligung wird von den kommunalen Trägern derzeit nicht ausgeschlossen.
Nach Ansicht der Grünen wäre die Entwicklung des Medizincampus zu einem Universitätsklinikum der nächste Schritt. Oberfranken und Niederbayern sind die einzigen bayerischen Regierungsbezirke ohne eigenes Universitätsklinikum. Der Medizincampus bietet in Bayreuth schon heute einen Standort für die klinische Ausbildung.
Die Klinikum Bayreuth GmbH ist ein Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe. Dazu gehören das Klinikum Bayreuth und die Klinik Hohe Warte. Bereits seit 1984 bildet die GmbH als Akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der FAU Studierende praktisch aus, darunter PJ-Studierende in allen Fachbereichen. Kleine Gruppen und ein enges Betreuungsverhältnis prägen die Ausbildung in Bayreuth.
Ein Umzug – und dann bleibt Bayreuth
Erlangen hat knapp 112.000 Einwohner, Bayreuth rund 75.000. Die beiden Städte liegen etwa 60 Kilometer auseinander und sind mit Auto oder Bahn in gut 1,5 Stunden erreichbar. Für die Studierenden bedeutet das: Im dritten Studienjahr wechseln sie von Erlangen nach Bayreuth.
In der Aufbauphase finden Lehrveranstaltungen noch in Erlangen statt, wenn in Bayreuth zunächst Patienten, Infrastruktur oder Dozierende fehlen. Diese Veranstaltungen werden im fünften Semester gebündelt. Alle späteren Veranstaltungen finden in Bayreuth statt, sodass nur ein einmaliger Umzug nötig ist. Über den bevorstehenden Ortswechsel werden die Studierenden bereits ein Semester nach Studienbeginn informiert.
Während des gesamten Studiums bleiben sie an der FAU Erlangen-Nürnberg eingeschrieben. Schon im vorklinischen Abschnitt in Erlangen werden die Praktika „Berufsfelderkundung“ und „Einführung in die Klinische Medizin“ in Bayreuth angeboten.
Der Medizincampus richtet den Blick auf ärztliche Tätigkeit außerhalb von Ballungsräumen. Das Studienangebot umfasst Schwerpunkte in klinischen Hauptfächern, ausgewählte Wahlangebote und profilspezifische Promotionsmöglichkeiten. Die Universität Bayreuth beteiligt sich mit nicht-klinischen, medizinnahen Profilprofessuren. So entsteht ein Forschungsumfeld in Public Health, Digital Healthcare und Molekularen Biosystemen.
Am Ende stehen die Staatsexamina und die Approbation. Zugleich legt das Studium die Grundlage für die fachärztliche Weiterbildung in allen angebotenen Fachrichtungen.
Der Maßstab liegt auch in München
Wie groß ein Universitätsklinikum werden kann, zeigt das LMU Klinikum mit seinen Standorten Campus Großhadern und Campus Innenstadt. Es zählt zu den größten Universitätsklinika in Deutschland und Europa und behandelt jährlich rund 500.000 Patienten.
Zum LMU Klinikum gehören 28 Fachkliniken, 16 Institute, fünf Abteilungen und 63 interdisziplinäre Zentren. Darunter sind das Onkologische Spitzenzentrum CCC München, Bayerns größtes Transplantationszentrum TxM, das Deutsche Schwindel- und Gleichgewichtszentrum, das Tropeninstitut und das Center for International Health (CIH).
Darüber hinaus ist das LMU Klinikum an allen Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung beteiligt. In der Medizininformatik-Initiative des Bundesforschungsministeriums wirkt es am DIFUTURE-Konsortium mit. Am Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) zur COVID-19-Forschung ist es maßgeblich beteiligt. Bayreuth wäre davon natürlich ein gutes Stück entfernt – aber der erste Schritt beginnt manchmal mit einem Campus, einem Umzug und einer politischen Entscheidung.
