Unter unseren Füßen könnte Wasserstoff entstehen, ganz ohne Elektrolyseur und ohne menschliches Zutun. Tief im Gestein läuft er durch chemische Reaktionen, radioaktive Strahlung, Vulkane, Erdbebenflächen und möglicherweise Mikroorganismen. Auch an der FAU Erlangen-Nürnberg richtet sich der Blick deshalb nach unten: In den Haßbergen haben Studierende im August 2024 mehr als 1.000 ppm Wasserstoff in der Bodenluft gemessen – über 0,1 Prozent. Der Sensor war damit an seiner oberen Messgrenze.

Weitere Messungen lieferten wiederholt ähnlich hohe Werte, daneben gab es allerdings auch Stellen ohne Wasserstoff. Das ist ein Hinweis, kein Schatzplan. Bodenluft kann auf eine unterirdische Quelle deuten, über Menge und Tiefe sagen die Messungen zunächst wenig. Dafür wären Bohrungen nötig.

Wie Wasserstoff im Gestein entsteht

Der wichtigste Bildungsweg heißt Serpentinisierung. Wasser dringt in eisen- und magnesiumreiches Gestein ein, Eisen oxidiert, der Sauerstoff bleibt im Gestein gebunden und Wasserstoff wird frei. Dabei entsteht Magnetit. Besonders ergiebig soll die Reaktion laut einer weltweiten Studie von 2026 bei 200 bis 315 °C sein; sie kann aber bereits bei 25 bis 100 °C ablaufen.

Ein zweiter zentraler Prozess ist die Radiolyse. Natürliche Strahlung von Uran, Thorium und Kalium spaltet Wasser in der Erdkruste. Dafür braucht es vor allem Wasser in Poren und Klüften, Druck und Temperatur sind weniger entscheidend. In alter Kontinentalkruste kann sich so über Hunderte Millionen Jahre Wasserstoff ansammeln.

Weitere Quellen sind Vulkane, durch Erdbeben neu entstandene Gesteinsflächen und Mikroorganismen. Ob im tiefen Erdmantel noch Wasserstoff aus der Entstehungszeit der Erde steckt, ist ungeklärt. Auch die Bildungsraten bleiben unsicher: Allein der Radiolyse in Ozeansedimenten werden 27 Millionen Tonnen zugerechnet – die Autoren der Studie bezeichnen diesen Wert selbst als unbestätigt.

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Auf dem Weg nach oben kann Wasserstoff mit Mineralen reagieren oder von Mikroben als Energiequelle verbraucht werden. Unterhalb von 122 °C können Mikroorganismen einen Teil des Gases abbauen. Bei den geschätzten unterirdischen Vorräten klaffen die Zahlen gewaltig auseinander: Sie reichen von 1.000 bis zehn Milliarden Millionen Tonnen, also über mehr als sieben Größenordnungen. Aus solchen Bildungsraten lässt sich nicht ableiten, ob irgendwo eine wirtschaftlich nutzbare Lagerstätte liegt.

Eine Studie von 2026 schätzt die jährliche natürliche Wasserstoffbildung weltweit auf 40 bis über 64 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Der weltweite Verbrauch lag 2023 laut Internationaler Energieagentur IEA bei 97 Millionen Tonnen. Das klingt nach einer beachtlichen Größenordnung, beantwortet aber die entscheidende Frage für Deutschland nicht.

Spurensuche zwischen Haßbergen und Erzgebirge

Geologen suchen hierzulande vor allem in Nordbayern, im Erzgebirge und im Umfeld des lothringischen Kohlebeckens. Die bislang umfangreichste deutsche Suche läuft in Nordbayern. Im Februar 2025 gründete Jürgen Grötsch mit zwei weiteren Personen in Hersbruck das Unternehmen Tellus Energy Solutions. Das bayerische Wirtschaftsministerium erteilte Tellus 2026 eine wissenschaftliche Aufsuchungserlaubnis für 3.129 Quadratkilometer.

Das Projekt „Kairos“ ist in Etappen angelegt: 2025 bis 2026 werden geochemische und geophysikalische Daten gesammelt, 2027 bis 2028 soll der Standort einer ersten Erkundungsbohrung festgelegt werden. 2029 bis 2030 könnte die Förderung von Wasserstoff und Erdwärme beginnen. Tellus betrachtet Wasserstoff, Helium und Erdwärme gemeinsam im Konzept „Triple H“. Die Entscheidung über den ersten Bohrplatz soll 2027 oder 2028 fallen.

Im Fichtelgebirge untersuchte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, kurz BGR, 2024 Serpentinit – Gestein, in dem früher Wasserstoff entstanden sein könnte. Magnetische, gravimetrische und elektromagnetische Messungen sollen Hinweise auf durch Serpentinisierung umgewandelte Gesteinsbereiche liefern.

Für das Erzgebirge gelten Serpentinit-Vorkommen und alte Messdaten aus dem Uranbergbau als mögliche Anhaltspunkte. In der Grube Schlema-Alberoda wurden in den 1960er-Jahren punktuell geringe Wasserstoffgehalte im Grubenwasser gemessen. Die damaligen Messungen dienten allerdings nicht der Exploration. Beim Sächsischen Oberbergamt lagen im Frühjahr 2026 keine Anträge oder Anfragen für Wasserstofferkundungen vor.

Ganz neu ist das Interesse trotzdem nicht. Bereits 1910 beschrieb der Chemiker Ernst Erdmann wasserstoff- und heliumhaltige Gase aus deutschen Kalilagern, vermutlich aus dem Kalibergwerk Leopoldshall. Systematisch erforscht wird natürlicher Wasserstoff aber erst seit etwa zwei Jahrzehnten.

Pontpierre: hohe Werte, offene Rechnung

Im lothringischen Pontpierre untersucht das französische Energieunternehmen La Française de l’Énergie (FDE) das Bohrloch PTH-2. Es reicht 3.655 Meter tief. In 2.242 Metern Tiefe wurden 36,1 Prozent Wasserstoff gemessen, in 2.426 Metern sogar 49,6 Prozent. Das sind hohe Konzentrationen – aber sie sagen allein nichts über die förderbare Menge aus.

Der Wasserstoff wurde aus tiefem Formationsfluid abgetrennt und liegt zumindest teilweise im Wasser gelöst vor. Ob in der Tiefe freies Gas vorhanden ist oder das H₂ hauptsächlich mit dem Formationswasser transportiert wird, ist offen. Für die Wirtschaftlichkeit zählen deshalb andere Größen: Wie viel Fluid strömt durch das Gestein? Wie viel Wasserstoff ist darin gelöst? Wie effizient lässt er sich abtrennen, reinigen und vermutlich komprimieren? Und bleibt der Förderstrom über Jahre stabil?

Die Sonde SYSMOG bestimmte bisher die Gaszusammensetzung und damit den H₂-Anteil. Die gemeinsam mit Solexperts entwickelte Sonde SYSPROG soll dagegen Wasserstoff- und Fluidströme im Untergrund messen. Produktionstests waren für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigt; bis zum 10. Oktober lagen noch keine öffentlich zugänglichen Ergebnisse vor.

Eine Studie in Scientific Reports kam 2026 zu dem Ergebnis, dass die meisten bisher bekannten natürlichen Wasserstoffflüsse für eine industrielle Nutzung zu gering sind. Für ein wirtschaftlich interessantes Bohrloch wären demnach etwa 10 bis 100 Millionen Kubikmeter Wasserstoff pro Jahr nötig – möglichst über mehrere Jahrzehnte. PTH-2 soll nun zeigen, ob ausreichend Wasserstoff dauerhaft nachströmt.

FDE besitzt für das Gebiet Trois-Évêchés eine Explorationsgenehmigung über 2.254 Quadratkilometer und plant 2027 den Beginn einer unabhängigen Ressourcenzertifizierung. Ein Produktionsstart wird für Ende 2028 oder Anfang 2029 anvisiert. Die französische Regierung erklärte im Juni 2026 allerdings, es sei noch zu früh, die gemessenen Wasserstoffflüsse für eine industrielle Nutzung zu beurteilen. Das lothringische Kohlebecken reicht unter das Saarland; eine gezielte Erkundung auf deutscher Seite ist bislang nicht bekannt.

Die möglichen Entstehungsprozesse in Lothringen sind bekannt, aber nicht sauber auseinanderzuhalten: Wasser könnte mit eisenhaltigen Mineralen reagieren, außerdem kommt Radiolyse durch natürliche radioaktive Strahlung infrage. Welcher Prozess dominiert und wie schnell neuer Wasserstoff entsteht, weiß niemand. Natürlich entstanden heißt daher nicht automatisch erneuerbar. Wenn sich das Reservoir langsam bildet, kann die Förderung es schneller leeren, als neues H₂ nachkommt.

Vom Mali-Brunnen zum möglichen Markt

In Mali wird seit 2012 Wasserstoff aus einer Bohrung nahe Bourakébougou zur Stromerzeugung genutzt. Die Anlage hat eine Leistung von 30 Kilowatt. Nach Angaben der IEA werden etwa fünf Tonnen pro Jahr gefördert. Andere Angaben nennen für den historischen Hauptbrunnen rund 1.500 Kubikmeter pro Tag beziehungsweise etwa 48 Tonnen pro Jahr; der Wasserstoff hat dort einen Reinheitsgrad von rund 98 Prozent. Eine kleine Anlage nutzt ihn für die Stromversorgung des Dorfes, emissionsfrei. Eine Ausweitung der Produktion ist geplant.

Für eine größere kommerzielle Nutzung müssten die Förderraten laut dem französischen Parlamentsbüro OPECST etwa 100- bis 1.000-mal höher liegen. Außerhalb Malis gab es Mitte 2026 kaum öffentlich zugängliche, zertifizierte Lang