Wie beeinflusst Künstliche Intelligenz (KI) die Welt der Wissenschaft und insbesondere die Prüfungskultur an Hochschulen? Diese spannende Frage steht im Mittelpunkt eines aktuellen Experiments an der FernUniversität Hagen, das sich mit der Erzeugung von Hausarbeiten durch KI auseinandersetzt.

Benedikt Engelmeier, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, untersuchte, wie vier Hausarbeiten, die vollständig von einer KI erstellt wurden, die gängigen Standards von Hausarbeiten herausfordern können. Interessanterweise gab er den KI-Algorithmen keine konkreten Themenvorgaben, sondern verwendete präzise Prompts, um das Ergebnis zu steuern. Diese Arbeiten, die sich mit den Auswirkungen des Homeoffice-Booms auf die Erwerbsarbeit beschäftigten, wiesen eine hohe inhaltliche Geschlossenheit und eine stimmige Argumentation auf.

Bedeutsame Erkenntnisse

Die Analyse der KI-generierten Arbeiten ergab, dass von insgesamt 101 Quellen im Literaturverzeichnis 63 nahezu fehlerfrei waren. Doch hier gibt es einen Wermutstropfen: Nur 15 der 56 wörtlichen Zitate ließen sich tatsächlich nachweisen. Engelmeier weist auf eine spannende Stärkung der Stärken von KI in Bereichen hin, in denen Studierende oft Schwierigkeiten haben, wie etwa Strukturierung und Formulierung von Texten.

Allerdings bringt der Einsatz von KI auch Risiken mit sich. Engelmeier warnt, dass Prüfungen nicht mehr die tatsächliche Fachkompetenz der Studierenden messen, sondern sich zunehmend auf deren Fähigkeit stützen, mit KI-Tools umzugehen. Lehrende stehen vor der Herausforderung, dass KI-Texte im Korrekturprozess nur schwer nachweisbar sind, was zu Diskussionen über erforderliche Veränderungen in der akademischen Ausbildung und den Prüfungsformaten führt.

Neue Ansätze in der Prüfungskultur

Bundeszentrale für politische Bildung diskutiert wird, betrifft die Einführung von Computational Essays, die ausführbaren Code enthalten können. Diese Neuerung stellt eine echte Herausforderung und zugleich Möglichkeit dar, die Prüfungsformate anzupassen und gleichzeitig relevante Kompetenzen zu vermitteln.

Die Diskussion über den Einsatz von KI-Tools an Hochschulen wirft auch rechtliche Fragen auf, insbesondere bezüglich Datenschutz und der Ausbildung der Studierenden in KI-Kompetenz. Zudem besteht die Gefahr, dass Studierende zu viele Seminare zu KI, wie etwa ChatGPT, konsumieren, was möglicherweise von tiefergehenden Lernerfahrungen ablenkt. Lehrende sind gefordert, grundlegende KI-Kompetenzen zu erwerben, um die Möglichkeiten und Herausforderungen dieser neuen Technologien adäquat zu bewerten und mit diesen zu arbeiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass KI nicht als Bedrohung, sondern als wertvolles Hilfsmittel angesehen werden sollte. Dr. Annabell Bils hebt die Bedeutung von AI Literacy hervor und spricht sich für eine ganzheitliche Bewertung von Studienleistungen aus. Dies könnte unter anderem durch das 3P-Modell (Prozess, Produkt, Präsentation) geschehen, das eine umfassendere Sichtweise auf den Lernprozess fordert.

Die zukünftige akademische Landschaft steht vor enormen Herausforderungen. Der Übergang zu einer von KI geprägten Prüfungskultur könnte dabei nicht nur die Art und Weise, wie wir lernen, sondern auch wie wir Lehrinhalte vermitteln und bewerten, grundlegend ändern.