Am Donnerstag haben Studierende den Haupteingang der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf blockiert. Möbel und weitere Gegenstände versperrten den Zugang; die Polizei bewertete die Aktion zunächst als Spontanversammlung. Rund 100 Studierende waren dabei, die Stimmung blieb friedlich.

Die Hochschule duldete die Blockade vorläufig. Nach Angaben eines Hochschulsprechers war sie als temporäre Aktion geplant und sollte sich gegen 16 Uhr auflösen. Ins Gebäude gelangten Beschäftigte und Studierende weiterhin über einen Nebeneingang, der Hochschulbetrieb sei deshalb nicht weiter beeinträchtigt gewesen.

Solidarität mit Protesten in Frankreich

Die Beteiligten legten eine Forderungsliste vor. Konkrete Forderungen wurden zunächst nicht genannt, die Hochschule steht dazu nach eigenen Angaben im Dialog. Der Hochschulsprecher bezeichnete die Blockade als Zeichen der Solidarität mit den Protesten in Frankreich. An der Aktion seien verschiedene Akteure beteiligt.

Bereits am Mittwoch war der Eingang des Otto-Suhr-Instituts der Freien Universität Berlin blockiert worden. Dort protestierten Teilnehmende unter anderem gegen Sozialkürzungen und solidarisierten sich mit Streikenden in Frankreich. Organisiert wurde die Aktion an der FU laut Artikel von der Initiative „Gen Z regelt“. Für den heutigen 31.10.2026 ist damit auch an der FU Berlin spürbar, dass der französische Protest längst über die Landesgrenze hinaus Aufmerksamkeit bekommt.

Ein Protest mit vielen Ursachen

In Frankreich protestieren Schüler und Studierende seit dem 18. September 2026 gegen Lehrkräfte- und Personalmangel, überfüllte Klassen, marode Bildungs- und Hochschuleinrichtungen sowie überlastete Stundenpläne. Hinzu kommen Probleme mit dem Hochschulzulassungsportal „Parcoursup“. Während der Hitzewelle im Juni stiegen die Temperaturen in Klassenräumen bis auf 40 °C – kein Wunder, dass sich der Frust irgendwann nicht mehr wegwischen ließ.

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Die Proteste umfassen Schulblockaden, Versammlungen, Demonstrationen und Streiks. Begonnen hatten sie in den französischen Überseegebieten: In Mayotte blockierten Eltern und Lehrkräfte ab dem 31. August 2026 mehrere Wochen lang ein Lycée. In Französisch-Guayana versperrten Schüler am 7. September 2026 ein Lycée, weil Bildungs- und Infrastruktureinrichtungen veraltet und verfallen waren. Am 6. Oktober 2026 folgten landesweite Proteste mit Schülern, Lehrkräften, Eltern und Gewerkschaften.

In geringerem Umfang griffen die Proteste auf Belgien, Albanien, Griechenland und Italien über. Als beteiligte Gruppen und Organisationen werden unter anderem Lycée-Schüler, die Gelbwestenbewegung, La France insoumise, die Kommunistische Partei Frankreichs, mehrere Studenten- und Lehrergewerkschaften sowie CGT, FO, UNSA, CFBT, CFTC und Confédération paysanne genannt. Als Anführer wird Ryad Rani von der USL aufgeführt.

Ausschreitungen und Streit über Polizeigewalt

Neben Blockaden und Kundgebungen kam es in Frankreich auch zu Brandstiftungen, Vandalismus, Plünderungen, Cyberaktivismus und gewalttätigen Ausschreitungen. Das Rathaus von Limoges wurde durch Brandstiftung schwer beschädigt, in die Rathäuser von Marseille und Avignon wurde eingebrochen. Geschäfte wurden geplündert und teilweise in Brand gesetzt, Polizisten angegriffen. In mehreren Städten bildeten sich Gruppen Vermummter, die als „schwarze Blöcke“ bezeichnet wurden.

Innenminister Laurent Nuñez machte militante Linksradikale für gezielte Angriffe auf Polizisten und öffentliche Gebäude verantwortlich. Nach Angaben des Justizministeriums waren zwei unterschiedliche Gruppen an den Ausschreitungen beteiligt: organisierte Randalierer aus dem linken Spektrum und nicht politisierte Plünderer. Insgesamt wurden 6.800 Menschen festgenommen. Nuñez zufolge stammten viele Plünderer aus migrantisch geprägten und von Armut betroffenen Pariser Vororten. Justizminister Gérald Darmanin erklärte, 70 Prozent der Festgenommenen seien Erwachsene gewesen; unter ihnen seien Menschen mit Migrationsgeschichte, ausländische Staatsangehörige und integrierte Franzosen gewesen.

Bei den Teilnehmerzahlen gehen die Angaben auseinander: Die französische Regierung sprach landesweit von rund 550.000 Menschen bei Protesten und Ausschreitungen, die Gewerkschaft CGT von 800.000. Nach Angaben des Artikels wurden 248 Schüler und 149 Lehrkräfte verletzt, sechs davon schwer. Ein Demonstrant starb an einem Herzstillstand. Rund 1.000 Sicherheitskräfte wurden verletzt, sieben davon schwer; ein Polizeibeamter wurde bei einem Vorfall getötet, bei dem ein Fahrzeug ihn vorsätzlich angefahren haben soll.

Menschenrechtsorganisationen kritisierten das Vorgehen der französischen Sicherheitskräfte. Studierende und Schüler wurden unter anderem durch Tränengas, Gummigeschosswerfer und Blendgranaten verletzt. Amnesty International bezeichnete den Gewalteinsatz als unverhältnismäßig, Human Rights Watch berichtete von schweren Verletzungen bei Kindern. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte äußerte sich besorgt und rief zur Deeskalation auf. Die französische Regierung wies Vorwürfe polizeilicher Repression zurück; Nuñez erklärte, das Vorgehen sei in fast allen Fällen verhältnismäßig gewesen.

Haushalt, Kaufkraft und politische Unruhe

Vor der Vorstellung des Staatshaushalts für 2027 waren Präsident Emmanuel Macron und seine Regierung laut Meinungsumfragen unbeliebt. Die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu plante, das Grundgehalt von Staatsbediensteten zum vierten Mal innerhalb von acht Jahren einzufrieren, umfassende Haushaltskürzungen zur Verringerung des Defizits durchzusetzen, die meisten Renten einzufrieren, kommunale Budgets zu kürzen, im Gesundheitssystem zu sparen und Steuervorteile für Unternehmen zu verringern.

Die CGT erklärte, der allgemeine Unmut nehme zu; Gewerkschaften beklagten einen Kaufkraftverlust. Frankreichs Staatsschulden lagen Ende Juni bei etwa 119 Prozent der Wirtschaftsleistung. Als Ursachen für die hohe Zinslast werden konstante Haushaltsdefizite, geringes Wirtschaftswachstum und Inflation genannt. Die Jugendarbeitslosigkeit lag laut Artikel bei 19,8 Prozent und damit beinahe dreimal so hoch wie in Deutschland.

In der Übersicht zu den Protesten werden neben Macron und Lecornu auch Édouard Geffray, Laurent Nuñez, Catherine Vautrin und Fabien Mandon genannt, außerdem das Innenministerium, das Verteidigungsministerium und die Kommunalpolizei. Die Proteste dauern laut Artikel an. In Berlin bleibt derweil der Nebeneingang offen, und vor der Alice-Salomon-Hochschule stehen Möbel, Forderungen und ein ziemlich deutliches Zeichen der Solidarität.