Halloween-Proteste und Plünderungsaufrufe: Polizei bereitet sich auf eine angespannte Nacht vor
Berlin steht am Vorabend von Halloween 2026 unter Spannung. Auch in Deutschland und der Schweiz wächst die Sorge vor Ausschreitungen. In Zürich rufen Linksextreme zu einer unbewilligten Demonstration auf. In einem Communiqué wird Sachbeschädigung thematisiert; zerbrochene Scheiben könnten dort ein Zeichen von Gerechtigkeit sein.
Gleichzeitig mobilisieren laut „Bild“ linksextreme Gen-Z-Gruppen in Deutschland für den Halloween-Samstag. Im Internet kursieren Wunschlisten für mögliche Plünderungen, nach Marken geordnet. In sozialen Netzwerken werden Videos verbreitet, die für den 31. Oktober das Stehlen einer Luxusuhr ankündigen. Zu sehen sind vermummte Personen vor Rolex- und anderen Uhrengeschäften. Ein ziemlich mulmiges Bild.
Geschäfte rüsten sich für die Nacht
In Chat-Gruppen wird zu Plünderungen aufgerufen. Als mögliche Ziele werden unter anderem die Düsseldorfer Königsallee, die Frankfurter Zeil und die Kölner Fußgängerzone genannt. Die Polizei hat bislang keine konkreten Hinweise auf geplante Taten, nimmt die Drohungen aber ernst.
Händler aus den Bereichen Uhren, Schmuck, Kosmetik und Parfümerie sichern ihre Geschäfte. Bucherer schließt am Samstag alle deutschen Filialen und soll die Schaufenster verbarrikadieren. Wempe sicherte seine Schaufenster in Frankfurt am Main und Köln mit Platten. Sephora befestigte Holzbretter vor den Glasfassaden in Frankfurt und Stuttgart.
Auch der Dienstleister „Projekt Kraft“ erhielt nach eigenen Angaben Aufträge aus Stuttgart, Nürnberg und Berlin, um Geschäfte zu verbarrikadieren. In der Stuttgarter Stiftstraße sollen sechs Geschäfte am Samstag geschlossen bleiben. Der baden-württembergische Handelsverband empfiehlt, bewegliche Gegenstände wie Mobiliar, Blumenkübel, Schilder und Schirmhüllen vorübergehend zu sichern oder zu entfernen. Der Berliner Handelsverband beriet sich in einer Videokonferenz über den Schutz von Geschäften.
Die Gruppe „Gen Z regelt“ rief zu Halloween zu Protesten in mehreren deutschen Großstädten auf. In Chat-Gruppen, unter anderem von Studierenden der Freien Universität Berlin, wird laut „B.Z.“ dazu aufgerufen, das Kaufhaus KaDeWe zu stürmen. Das KaDeWe will dennoch öffnen und setzt auf ein strenges Sicherheitskonzept sowie enge Abstimmung mit der Polizei.
Proteste gegen Wehrpflicht und hohe Lebenshaltungskosten
Die Proteste junger Menschen gegen die Wehrpflicht in Deutschland dauern an. Die Initiative „Gen Z steht auf“ ruft für den 31. Oktober in zahlreichen deutschen Städten zu Protesten auf. Thematisch soll es unter anderem um Bildung, ein bezahlbares Leben und die Ablehnung einer Wehrpflicht gehen.
Mitinitiator Akram Selo erklärte, die Initiative distanziere sich von jeder Form von Gewalt und plane eine friedliche Demonstration. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sagte dagegen, für den 31. Oktober finde eine Mobilisierung statt, die auch aus dem linken Spektrum instrumentalisiert werde. Die Polizei werde stark präsent sein und konsequent gegen Gewalt gegen Personen und Sachen vorgehen, kündigte Poseck an.
Auch Berlin schaut genauer hin. Polizeisprecher Florian Nath sagte, es gebe Bestrebungen, die Schülerproteste für eigene Interessen zu nutzen. Die Polizei wolle prüfen, ob es sich um legitime Schülerproteste handle oder ob die Halloween-Kulisse für andere Zwecke genutzt werde.
Die Proteste in Frankreich finden in Deutschland Resonanz – sowohl bei linken Gruppen als auch bei Sicherheitsbehörden. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Ereignisse würden hier stark wahrgenommen und in sozialen Medien positiv kommentiert. Linke Gruppen versuchten demnach, sie für ihre eigene Mobilisierung zu nutzen.
In Frankreich waren landesweite Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten am Wochenende von schweren Ausschreitungen und Plünderungen begleitet. In mehreren französischen Städten, darunter Paris, wurden am Montagabend Ausgangssperren verhängt. Diese Bilder hängen nun mit in der deutschen Lagebeurteilung – neben der Erfahrung, dass in der Halloween-Nacht häufig Pyrotechnik auf Straßen eingesetzt wird.
Polizei bereitet mehrere Szenarien vor
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin sprach von einer erwarteten „Großdemolage“. Die Sicherheitsbehörden bereiten sich laut GdP auf verschiedene Szenarien vor. GdP-Landeschef Stephan Weh nannte die gewaltsamen Bilder aus Frankreich und die besondere Dynamik der Halloween-Nacht als Anlass zur Sorge.
Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, berichtet von Chat-Gruppen, in denen über Plünderungen von Luxusgeschäften nach dem Vorbild der Pariser Unruhen gesprochen werde. Teggatz fordert junge Menschen auf, sich von Gewalttätern fernzuhalten. Plünderungen und Brandstiftungen seien schwere Straftaten.
Bei Gewalt durch linksextreme oder islamistische Gruppen kündigt Teggatz ein „rigoroses und robustes“ Vorgehen der Polizei an. Währenddessen bleiben viele Fragen offen: Die Aufrufe im Netz sind sichtbar, konkrete Hinweise auf geplante Taten liegen der Polizei bislang aber nicht vor. In Berlin, am Standort der Freien Universität, wird man die Nacht wohl besonders aufmerksam verfolgen.
