Heute, am 10.10.2026, beginnt im Ersten ein neues Kapitel für den Kieler „Tatort“. Nach 22 Jahren verabschiedete sich Kommissar Borowski im März 2025 aus der Reihe. Rund neun Millionen Menschen sahen damals seinen letzten Fall. Nun übernimmt seine langjährige Kollegin Mila Sahin die Ermittlungen an der Förde. Gespielt wird sie weiterhin von Almila Bagriacik.

Der Neustart kommt als Doppelfolge: „Unter Freunden“ läuft am 11. Oktober, „Unter Feinden“ am 18. Oktober – jeweils sonntags zur besten Sendezeit. Vorab sind beide Filme in der ARD-Mediathek verfügbar. Regisseur Lars Kraume inszenierte die neue Doppelfolge als Auftakt eines Kapitels, das die frühere Arbeit von Axel Milberg nicht einfach nachbauen soll. „Es soll eine neue Reihe entstehen“, sagte Bagriacik sinngemäß.

Eine Psychologin mit scharfem Blick

Sahins neue Partnerin ist Elli Krieger, eine Polizeipsychologin, gespielt von Karoline Schuch. Krieger übernimmt eine zentrale Rolle im Ermittlerteam und bringt die psychologische Analyse von Kriminalfällen nach vorn. Begleitet werden die neuen Folgen von der Hamburger Kriminalpsychologin Claudia Brockmann, die als Expertin und frühere Fallanalytikerin für eine authentische Darstellung sorgt. NDR-Programmdirektor Frank Beckmann hebt die wachsende Bedeutung der psychologischen Einordnung von Taten und Tätern hervor.

Für Sahin ist die Zusammenarbeit zunächst gewöhnungsbedürftig. Sie fühlt sich von Krieger unangenehm durchleuchtet. Zwischen beiden fliegen im ersten Fall die Worte – kein gemütliches Kennenlernen, eher ein verbaler Schlagabtausch mit angezogener Handbremse. Schuch studierte Psychologie an der Freien Universität Berlin und nutzt dieses Fachwissen für ihre Rolle.

Sahin ist seit 2018 Teil des Kieler Ermittlerteams und bewirbt sich um die Nachfolge von Kriminalrat Schladitz. Dafür muss sie ein strenges Interview mit Krieger absolvieren. Gleichzeitig stiehlt eine junge Frau Unternehmensdaten aus einem erfolgreichen Kieler Start-up für Teleskoptechnik. Kurz darauf wird sie tot aus dem Wasser geborgen. Ihr Partner stirbt anschließend bei einem vorgetäuschten Suizid.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Anna Nowak bringt alles durcheinander

Mitten in Sahins Bewerbungspläne platzt ihre alte Freundin Anna Nowak. Sie taucht in Kiel auf, um Zuflucht zu suchen – eine Bekannte aus Polizeischultagen, gespielt von Lilith Stangenberg; in den Angaben zur Doppelfolge wird ihr Name auch als Lillith Stangenberg geführt. Anna ermittelt eigenmächtig, gerät dadurch in Gefahr und untersucht gemeinsam mit Sahin den Mord im Start-up. Am Ende ist Mila auf Kriegers Hilfe angewiesen.

Der Fall erzählt außerdem von Sahins Herkunft. Während ihrer Jugend wurde sie häufig von der Polizei kontrolliert. Ob diese Erfahrungen ihre Entscheidung für die Kriminalpolizei beeinflusst hätten? Sahins Antwort: „Vielleicht – ja.“ Weitere Filme mit Mila Sahin sind bereits abgedreht. Konkrete Drehorte in Kiel nennt der bereitgestellte NDR-Artikel nicht.

Vom Finke-Fall zur neuen Ära

Kiel ist seit den 1970er Jahren Schauplatz des „Tatort“ und wurde von fünf Ermittler-Generationen geprägt. Die Stadt liefert dabei mehr als eine Postkartenkulisse: Ostsee, Förde, weite Himmel und oft raue, melancholische Landschaften geben den Fällen ihren Ton. Mal liegt Nebel über dem Wasser, mal steckt die Geschichte in einer abgeschotteten Gemeinschaft, mal in einem digitalen Unternehmen.

Den ersten prägenden Kieler Ermittler spielte Klaus Schwarzkopf als Kommissar Finke. In den 1970er Jahren ermittelte Finke ruhig, analytisch und gründlich. „Reifezeugnis“ nahm den Skandal um eine Lehrer-Schüler-Beziehung in den Blick, „Jagdrevier“ eine dörfliche Verschwörung. Schweigen, Doppelmoral und soziale Konflikte der norddeutschen Provinz lagen unter der Oberfläche – und kamen irgendwann doch hoch.

2003 begann die Ära von Klaus Borowski, gespielt von Axel Milberg, und der Polizeipsychologin Frieda Jung, gespielt von Maren Eggert. Borowski war intuitiv und melancholisch, Jung analytisch und wissenschaftlich distanziert. In „Sternenkinder“ suchte Borowski nach einem entführten Baby, „Borowski und die Sterne“ vertiefte die persönliche Beziehung der beiden. Psychologische Hintergründe und verborgene Wahrheiten prägten diese Fälle.

Später ermittelte Borowski mit Sarah Brandt, gespielt von Sibel Kekilli. Die ehemalige Hackerin war technikaffin und impulsiv, während Borowski eher bedächtig und analog orientiert blieb. „Borowski und das dunkle Netz“ führte ihn in digitale Kriminalitätsbereiche, „Borowski und das verlorene Mädchen“ behandelte die Radikalisierung einer Jugendlichen. Aus den unterschiedlichen Arbeitsweisen wuchs ein eingespieltes Team.

Mila Sahin arbeitete anschließend als direkte, körperbetonte Ermittlerin mit Borowski zusammen. Ihr Gerechtigkeitssinn ergänzte seine Erfahrung und Intuition. „Borowski und der Schatten des Mondes“ führte Borowski zum ungelösten Verschwinden seiner Jugendliebe vor mehr als 50 Jahren, „Borowski und das Haupt der Medusa“ war sein letzter Fall vor dem Ruhestand. Digitale Gefahren und soziale Brennpunkte gehörten ebenfalls zu dieser Phase.

Die Förde bleibt nicht bloß Kulisse

Mit Sahin und Krieger beginnt 2026 nach Borowskis Abschied die jüngste Kieler Ermittler-Ära. Sahin übernimmt die Führung und ermittelt instinktiv, Krieger analysiert die psychologischen Motive hinter den Taten. Im Auftaktfall „Unter Freunden“ treffen unterschiedliche Ermittlungsmethoden auf die Frage, wem man eigentlich vertrauen kann.

Frühere Geschichten spielten in abgeschotteten Gemeinschaften, spätere griffen soziale Brennpunkte wie Gaarden und moderne Schauplätze der Digitalisierung auf. Die Kieler Fälle spiegeln damit gesellschaftliche Themen ihrer Zeit: Incel-Bewegungen, Radikalisierung, digitale Gefahren und Wirtschaftskriminalität. Die Reihe bewegte sich von sozialkritischen dörflichen Milieustudien über die psychologischen Fallgeschichten der Borowski-Jahre hin zu einer ausdrücklich psychologischen Analyse in der Ära Sahin und Krieger.

Über alle Generationen hinweg geht es um die Wahrheit hinter gesellschaftlichen Fassaden. Borowskis Satz „Ich höre“ steht für seinen aufmerksamen und menschlichen Ermittlungsansatz. Nun wird dieses Erbe anders weitergeführt: mit Sahins Instinkt, Kriegers analytischem Blick – und der Förde im Hintergrund, irgendwo zwischen Wind, Wasser und diesem norddeutschen Schweigen, das im „Tatort“ selten lange still bleibt.