Leipzig bündelt Forschung und Gründung im neuen Smart Infrastructure Hub
Am 1. Oktober 2026 ist in Halle 7 der Leipziger Baumwollspinnerei das Innovationszentrum „Smart Infrastructure Hub Leipzig“ eröffnet worden. Die Gründungsinitiative SMILE der Universität Leipzig hat dort ihren neuen Standort bezogen. Heute, am 2. Oktober 2026, ist der erste volle Arbeitstag am neuen Ort – und der dürfte für manche Teams noch nach frischer Farbe, Kaffee und Umzugskartons aussehen.
Das Zentrum ist ein Gemeinschaftsprojekt von SMILE, der Stadt Leipzig, SpinLab und der HHL Leipzig Graduate School of Management. Gründungsteams finden dort gebündelt Arbeitsplätze, Beratung, Weiterbildungen und technische Infrastruktur. Zur Eröffnung kamen unter anderem Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, Universitätsrektorin Prof. Dr. Eva Inés Obergfell und Prorektor Prof. Dr. Jens-Karl Eilers.
Mehr Platz für Ideen vor der Gründung
Die Universität Leipzig nutzt in Halle 7 mehr als 500 Quadratmeter – etwa 40 Prozent der zweiten Etage. Im „SMILE Incubation Space“ arbeiten geförderte Gründungsteams der Universität, darunter Empfänger eines EXIST-Gründungsstipendiums oder eines Technologiegründerstipendiums der Sächsischen Aufbaubank. Das Angebot richtet sich vor allem an Teams, die noch vor der Unternehmensgründung stehen.
Sie können dort Geschäftsideen und Geschäftsmodelle bis zur Gründungsreife entwickeln, individuelles Coaching und Weiterbildungen nutzen sowie moderne Infrastruktur und Arbeitsplätze verwenden. SMILE prüft Geschäftsideen gemeinsam mit den Gründenden und entwickelt sie in einem individuellen Coaching bis zum Markteintritt weiter. Bei der Beantragung und während der Laufzeit verschiedener Förderprogramme unterstützt die Initiative ebenfalls – etwa beim EXIST-Gründerstipendium des Bundes, beim Technologiegründungsstipendium der SAB und beim InnoStartBonus.
Dazu kommen verschiedene Veranstaltungsformate, die der persönlichen und gründungsbezogenen Weiterentwicklung dienen. Ein bisschen Input, ein bisschen Nachschärfen am Geschäftsmodell, dazwischen Gespräche mit anderen Teams: Gründungsarbeit ist schließlich selten eine gerade Linie.
Testen, bevor es ernst wird
Direkt angeschlossen ist das „Process Living Lab“ des SEPT-Kompetenzzentrums der Universität Leipzig. Dort sollen Gründungsteams Produkte, Dienstleistungen und Prozesse entwickeln und unter praxisnahen Bedingungen testen. Zur Ausstattung gehören unter anderem Prozesssimulation, Motion Tracking, Eye Tracking und die Analyse von Nutzererfahrungen.
Das Process Living Lab steht auch Start-ups und Gründungsprojekten aus ganz Sachsen offen. Am 17. Juni 2026 startete an der Universität Leipzig bereits eine Workshop-Reihe zum Thema „Prozesse in Start-up-Projekten“. Die räumliche Nähe zu SpinLab und den Gründungsinitiativen der HHL soll außerdem die Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen Ausgründungen, Start-ups und etablierten Unternehmen erleichtern.
Auch außerhalb des neuen Zentrums war bei SMILE zuletzt einiges los: Am 8. Juni präsentierte die Initiative auf dem MACHN26 erfolgreiche EXIST-Teams der Universität Leipzig, darunter PronunCise und PeACE. Am 17. Juni nahm SMILE an der Sächsischen Innovationskonferenz von FutureSax in Dresden teil, die zu den größten Netzwerktreffen für junge Gründende und innovative Unternehmen in Sachsen zählt. Der International Startup Campus der Universität Leipzig unterstützt seit dem 14. Juli 2026 in Kooperation mit boOst – Startup Factory Mitteldeutschland wachstumsorientierte Start-ups mit maßgeschneiderten Angeboten.
Parallel dazu wurden am 30. Juni die europäischen Finalrunden des Arqus International Innovators Award 2026 angekündigt beziehungsweise ausgetragen; sie bringen studentische und wissenschaftliche Initiativen aus der Arqus European University Alliance zusammen. Bei der Arqus-Jahreskonferenz am 13. Juli wurden die Gewinner der Arqus Awards 2026 ausgezeichnet.
650 Gründungen seit 2006
SMILE unterstützt seit 2006 Gründungsvorhaben aus der Universität Leipzig. Seit der Gründung begleitete die Initiative mehr als 650 Gründungen. Die unterstützten Vorhaben warben rund 41 Millionen Euro Frühphasenfinanzierung ein. Im Jahr 2025 wurden 32 Gründungen beziehungsweise Geschäftsaufnahmen begleitet, an denen mindestens eine Person der Hochschule als Gesellschafter beteiligt war.
Für viele Teams ist das EXIST-Gründerstipendium ein wichtiger Baustein. Zahlen für den Zeitraum 2007 bis 2024 zeigen: 5.636 Ideenpapiere wurden eingereicht, 3.116 Bewilligungen ausgesprochen. Die langfristige Bewilligungsquote liegt bei 55,3 Prozent. Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz entstanden aus dem Programm rund 3.000 Unternehmen; über die gesamte EXIST-Programmfamilie wurden mehr als 840 Millionen Euro ausgezahlt und rund 30.000 Arbeitsplätze geschaffen.
Die jährlichen Zahlen schwankten dabei deutlich. 2007 gab es 143 Anträge und 82 Bewilligungen, eine Quote von 57,3 Prozent. 2015 waren es 370 Anträge und 198 Bewilligungen, also 53,5 Prozent. Den höchsten Antragsstand des Zeitraums erreichte 2020 mit 423 Anträgen und 226 Bewilligungen, entsprechend 53,4 Prozent. 2023 wurden 275 Anträge und 119 Bewilligungen gezählt; mit 43,3 Prozent war das die niedrigste Bewilligungsquote des Zeitraums. 2024 standen 301 Anträgen 174 Bewilligungen gegenüber, eine Quote von 57,8 Prozent.
Das jährliche Fördervolumen stieg nominal ebenfalls: von etwa 6,2 Millionen Euro im Jahr 2007 auf etwa 10,4 Millionen Euro im Jahr 2023. In einer separaten Zusammenstellung werden 3.331 geförderte Teams, 368 Millionen Euro ausgezahlte Mittel, rund 80 Prozent aktive Gründungen nach fünf Jahren und 32.679 geschaffene Arbeitsplätze genannt. Die 368 Millionen Euro beziehen sich auf das Gründerstipendium; die mehr als 840 Millionen Euro umfassen die gesamte EXIST-Programmfamilie.
63 Prozent der Geförderten geben an, ohne EXIST nicht gegründet zu haben. Bei der Überlebensdauer tauchen allerdings unterschiedliche Werte auf: Eine BMWK-/PTJ-Angabe nennt für EXIST-geförderte Gründungen eine 5-Jahres-Überlebensrate von etwa 74 Prozent. Für einen kohortenspezifischen Ausschnitt wird zusätzlich eine 5-Jahres-Rate von etwa 42 Prozent genannt. Diese Unterschiede beziehen sich laut der zugrunde liegenden Darstellung auf verschiedene Abgrenzungen innerhalb der EXIST-Programmfamilie.
Stipendium, Teamgröße und Forschungstransfer
Die Geförderten sind im Durchschnitt 29,9 Jahre alt. 16,2 Prozent sind Frauen, 83,8 Prozent Männer. Am häufigsten treten Dreier-Teams auf: Sie machen 76,1 Prozent aus. Zweier-Teams kommen auf 20,2 Prozent, der Rest entfällt auf Solo-Gründungen oder andere Teamgrößen.
Die monatlichen Stipendienbeträge richten sich nach der Qualifikation. Studierende erhalten etwa 1.000 Euro, technische Mitarbeitende etwa 2.000 Euro, Absolventinnen und Absolventen etwa 2.500 Euro und Promovierte etwa 3.000 Euro. Für ein typisches dreiköpfiges Team mit gemischten Qualifikationen ergibt sich daraus eine monatliche Förderung von etwa 6.500 bis 7.500 Euro.
Beim EXIST-Forschungstransfer wurden 520 Millionen Euro ausgezahlt und 634 Vorhaben gefördert. Die Überlebensrate nach fünf Jahren liegt dort bei mehr als 96 Prozent. Die Mehrheit der geförderten Vorhaben meldet Schutzrechte an – ein Hinweis darauf, dass hier häufig Technologien und nicht nur Geschäftsideen im Mittelpunkt stehen.
Die Angaben stammen aus unterschiedlichen Quellen: Der EXIST-Monitoringbericht 2024 liefert die jährlichen Antrags- und Bewilligungszahlen. Der BMWK-Artikel „Schlaglichter der Wirtschaftspolitik“ vom März 2025 enthält kumulative Angaben zu Fördermitteln, Unternehmen und Arbeitsplätzen. Demografische Daten kommen aus der PTJ-Langzeitstudie 2023; außerdem werden EXIST-Programmdokumente und Downloads genannt. In Leipzig stehen nun jedenfalls die Türen offen: mehr als 500 Quadratmeter, ein Living Lab gleich nebenan und Teams, die ihre ersten Schritte nicht mehr zwischen Mensa, Bibliothek und Küchentisch sortieren müssen.
