Auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist es an diesem 30.09.2026 stiller als sonst. Semesterferien. In der Bibliothek sitzen Studierende über ihren Unterlagen, andere lernen an der Heinrich-Heine-Statue. Viel Bewegung gibt es nicht – eher das leise Rascheln von Papier und dieses typische Campusgefühl zwischen Pause und Prüfungsstress.

Daniel Walczak kennt diese Stimmung gut. Der 23-Jährige hat gerade seine Bachelorarbeit abgeschlossen und beginnt bald ein Masterstudium in Germanistik und Politikwissenschaft. Nebenbei betreibt er den Instagram-Kanal „der.germanist“. Dort erklärt er Regeln der deutschen Grammatik, nimmt Klischees über Studierende aufs Korn und spricht über die Nutzung künstlicher Intelligenz an Hochschulen – meist in kurzen, humorvollen Instagram-Reels.

Vom Lockdown auf Instagram

Gestartet ist Walczak mit dem Kanal 2021 während des Corona-Lockdowns. Er wollte seine Begeisterung für Germanistik teilen. Inzwischen folgen ihm 214.000 Menschen auf Instagram. Zusätzlich unterstützt er die Heinrich-Heine-Universität bei deren Social-Media-Auftritt.

Sein Interesse an Literatur begann bereits in der Schulzeit. Die erste Facharbeit schrieb Walczak über Heinrich Heines Gedichtzyklus „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Auch seine Bachelorarbeit behandelt dieses Werk. Wegen seiner Begeisterung für Heinrich Heine studiert er in Düsseldorf. Die Dauerausstellung im Heinrich-Heine-Institut besucht er nach eigener Aussage gerne – offenbar nicht nur einmal, wenn gerade Besuch aus einer anderen Stadt da ist.

Die Entscheidung für ein geisteswissenschaftliches Fach fällt allerdings nicht überall leicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sank der Anteil der Studienanfänger in den Geisteswissenschaften innerhalb von 20 Jahren um 22 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die Gesamtzahl der Studienanfänger um 28 Prozent. Es studieren also insgesamt mehr junge Menschen, während der Anteil derjenigen in Fächern wie Germanistik, Geschichte oder Philosophie zurückgeht.

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Literatur, Politik und der Blick aufs Kleingedruckte

Walczak sagt, Geisteswissenschaften würden häufig abgewertet. Auch wenn die direkten Karrierewege begrenzt seien, hätten sie eine gesellschaftliche Berechtigung. Für ihn bilden sie ein wichtiges Fundament einer freien Gesellschaft.

Gerade deutsche Literatur und Geschichte würden von Rechtspopulisten seiner Ansicht nach häufig für politische Zwecke verwendet. Als Beispiel nennt der Artikel den AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla, der in einer Talkshow auf die Frage nach seinem Lieblingsgedicht aus Heinrich Heines „Nachtgedanken“ zitierte.

Walczaks Einordnung fällt deutlich aus: „Nachtgedanken“ handle nicht von Nationalismus, sondern von Heines kranker Mutter, die in Deutschland geblieben sei. In „Deutschland. Ein Wintermärchen“ bezeichne Heine seinen eigenen Nationalismus laut Walczak sogar als Krankheit. Germanisten könnten durch eine wissenschaftliche Einordnung von Literatur populistische Darstellungen aufdecken. Das klingt weniger nach trockener Fußnote als nach notwendiger Reparaturarbeit an einem Text, der politisch zurechtgebogen wurde.

Angesichts von Desinformation in sozialen Medien hält Walczak gute Wissenschaftskommunikation für besonders wichtig. Mit seinen Videos möchte er Wissen vermitteln und Zuschauer zum kritischen Denken anregen. Ein Grammatik-Reel kann dann plötzlich bei Heine, politischer Vereinnahmung und der Frage landen, wer eigentlich bestimmt, was ein Text bedeutet.

Was ein geisteswissenschaftliches Studium mitbringt

Im Studium geht es darum, Texte zu lesen, zu interpretieren und zu kontextualisieren. Je nach Fach unterscheiden sich die Inhalte – etwa in Germanistik, Geschichte, Philosophie, Anglistik oder Kulturwissenschaften. Auf dem Stundenplan stehen typischerweise Seminare, Hausarbeiten und mündliche Prüfungen. Dazu kommen wissenschaftliches Schreiben, kritisches Denken, Quellenkritik und kulturhistorische Einordnung.

Als Abschlüsse sind der Bachelor of Arts, der Master of Arts und eine Promotion zum Dr. phil. möglich. Die Regelstudienzeit beträgt im Bachelor sechs Semester und im Master vier Semester. Fächer wie Geschichte, Germanistik, Philosophie, Anglistik und Romanistik sind an den meisten Hochschulen NC-frei zugänglich. An einzelnen Hochschulstandorten mit hoher Nachfrage, etwa Heidelberg, kann jedoch ein leichter NC bestehen.

Weitere Erfahrungen sammeln Studierende bei Auslandsaufenthalten oder Praktika – zum Beispiel in Verlagen, Museen, Archiven, NGOs oder der öffentlichen Verwaltung. Digitale Zusatzkompetenzen in Bereichen wie Content, Data oder Digitalen Geisteswissenschaften erhöhen die beruflichen Chancen. Das ist für jemanden wie Walczak, der Forschung, Literatur und soziale Medien verbindet, keine ganz nebensächliche Kombination.

Die Berufsfelder sind vielseitig, aber anspruchsvoll. Zusatzqualifikationen in Medien, digitalen Bereichen oder Lehramt verbessern die Aussichten. Der Berufseinstieg erfordert Eigeninitiative; frühzeitige Praktika und eine Spezialisierung können helfen. Als Einstiegsgehalt werden 28.000–40.000 € jährlich genannt, mit Berufserfahrung 45.000–65.000 € jährlich.

Die größeren Hürden liegen häufig in Zwischen- und Abschlussprüfungen sowie später beim Berufseinstieg. In Deutschland gibt es 74 Hochschulstandorte in 16 Bundesländern. Der bereitgestellte Text der zusätzlich genannten Destatis-Tabelle ist allerdings nicht lesbar und besteht überwiegend aus zufälligen beziehungsweise binär codierten Zeichen. Überprüfbare Nachrichteninhalte, Themen, Personen, Orte oder Daten lassen sich daraus nicht rekonstruieren.

Auf dem Düsseldorfer Campus wird derweil weiter gelernt. Zwischen Bibliothek, Heine-Statue und Social-Media-Feed liegen bei Daniel Walczak offenbar ziemlich viele Tabs offen – manche im Browser, andere im Kopf.