Studierende haben am 29. Oktober 2026 das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin blockiert. Die Aktion richtet sich gegen Kürzungen im Bildungsbereich und ist Teil einer bundesweiten Mobilisierung. Zuerst berichtete der „Tagesspiegel“ über ähnliche Protestaktionen in mehreren Städten; die FU bestätigte die Vorgänge gegenüber der dpa.

Die Universität erklärte, sie respektiere friedlichen und gewaltfreien Protest und beobachte die Situation. Damit der Lehrbetrieb weiterlaufen konnte, wurden Lehrende aufgefordert, ihre Veranstaltungen an diesem Tag digital durchzuführen. Das Aktionskomitee der Initiative „Gen Z regelt FU“ veröffentlichte auf Instagram eine Stellungnahme. Darin fordern die Aktivisten, Kürzungen an Hochschulen rückgängig zu machen. Berliner Hochschulen sowie Bildungs- und Sozialeinrichtungen werde strategisch die Finanzierung entzogen, heißt es in ihrer Darstellung.

Blockaden in Berlin, Hamburg und Leipzig

Die Blockade am Otto-Suhr-Institut soll außerdem auf den bundesweiten Protesttag gegen finanzielle Kürzungen im Bildungssystem am 31. Oktober aufmerksam machen. Unter den Slogans „Gen Z regelt“ und „Gen Z steht auf“ sind für Samstag Demonstrationen in 21 bis 23 deutschen Großstädten angekündigt. Die Bewegung entstand über soziale Netzwerke, getragen vor allem von Schülerinnen, Schülern und Studierenden. Reichweitenstarke Social-Media-Accounts unterstützen sie; als Erkennungszeichen dient ein Eichhörnchen.

In Hamburg wurde am Mittwochmorgen ebenfalls ein Gebäude der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) auf dem Kunst- und Mediencampus Finkenau blockiert. Rund 50 Personen waren laut Polizei beteiligt. Die zunächst nicht angemeldete Versammlung wurde gegen 7.30 Uhr gemeldet. Die Eingänge versperrten die Demonstrierenden mit Müllcontainern und Baustellenabsperrungen und riefen zur Teilnahme an der Kundgebung am Samstag auf.

Nach Angaben der HAW wurden Mitarbeitenden und Studierenden die Zugänge nicht verwehrt. Der Hochschulbetrieb lief laut einem HAW-Sprecher weiter, Veranstaltungen wurden nicht abgesagt. Laut „Hamburger Morgenpost“ waren die Blockaden bereits am Vormittag entfernt. Die Kundgebung am Samstag soll ab 14 Uhr am Jungfernstieg stattfinden.

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Auch an der Universität Leipzig wurde über Instagram eine Blockade gemeldet. Zeitweise waren laut „Tag24“ Polizeikräfte vor Ort, strafrechtlich relevante Tatbestände stellten sie jedoch nicht fest. Unabhängig davon meldete die Universität am Morgen einen Angriff auf ihre IT-Systeme. Für weitere Analysen nahm sie alle Dienste vom Netz. Studierende und Mitarbeitende konnten nach Angaben eines Universitätssprechers vorübergehend keine E-Mails empfangen. Zunächst blieb offen, ob Daten von Studierenden abgegriffen wurden und wie das Sicherheitssystem überwunden werden konnte.

Forderungen reichen weit über Hochschulen hinaus

Im Positionspapier verlangt die Bewegung mehr politische Beteiligung junger Menschen und Generationengerechtigkeit. Gefordert werden höhere Investitionen in Schulen und Infrastruktur, kleinere Klassen und mehr Lehrkräfte sowie Bildungsgerechtigkeit unabhängig von der sozialen Herkunft. Auch steigende Lebenshaltungskosten sollen politisch abgefedert werden; Kürzungen im Sozialbereich lehnt die Initiative ab. Dazu kommen verstärkter Klimaschutz und die Ablehnung einer Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie verpflichtender Dienstmodelle.

Die Initiative „Gen Z regelt“ nennt außerdem bessere Lernbedingungen, ein bezahlbares Leben, mehr Investitionen in Bildung, Soziales, Kultur und Gesundheit und eine gerechtere Verteilung gesellschaftlicher Lasten. Sie fordert weniger Überwachung und ein Ende der neuen Wehrpflicht und der Musterung junger Männer. Nach Auffassung der Organisatoren wird über die Zukunft junger Menschen entschieden, ohne sie ausreichend einzubeziehen.

Als Gründe nennen sie Kürzungen in Bildung, Sozialem, Kultur und Gesundheit, steigende Lebenshaltungskosten und den Fachkräftemangel in Schulen, Pflege und Gesundheitsversorgung. Die Lasten seien aus ihrer Sicht zugunsten von Großunternehmen und Aufrüstung ungerecht verteilt. Die Initiative bezeichnet sich als unabhängig, überparteilich und offen für Menschen aus unterschiedlichen politischen Richtungen. Von Extremismus, verfassungsfeindlichen Symbolen, Rassismus, Hetze und Gewalt grenzt sie sich ausdrücklich ab.

Geplant sind Demonstrationen in 23 deutschen Städten. „Gen Z regelt“ organisiert die Kundgebungen in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main und Köln hauptverantwortlich; in 18 weiteren Städten unterstützt die Initiative lokale Gruppen. Genannt werden unter anderem Leipzig, Dresden und Magdeburg sowie weitere Städte in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Fast 140.000 Menschen haben online ihre Teilnahme zugesagt. Die meisten Zusagen gibt es in Köln mit rund 12.000, Frankfurt mit knapp 11.000, Hamburg mit mehr als 8.000, Berlin mit mehr als 8.000 und München mit knapp 7.000. Die Zahlen in sozialen Netzwerken liegen teilweise deutlich über den offiziell bei Behörden angemeldeten Teilnehmerzahlen.

Zwischen Zuspruch und Sicherheitswarnungen

Die Proteste stehen in einem europäischen Zusammenhang. In mehreren Ländern gehen vor allem junge Menschen gegen soziale, politische und wirtschaftliche Missstände auf die Straße. Vorbild sind unter anderem Schülerdemonstrationen in Frankreich, bei denen es Ende September zu gewaltsamen Ausschreitungen kam. Dort wurden Geschäfte und öffentliche Gebäude zerstört, zahlreiche Einsatzkräfte verletzt. Auch in Italien, Spanien und Albanien schlugen Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem teilweise in Gewalt um.

Innenpolitiker von Union und SPD warnen deshalb davor, dass extremistische Gruppen die Bewegung instrumentalisieren könnten. Grünen-Co-Chef Felix Banaszak und andere politische Stimmen fordern dagegen, die Anliegen der Jugendlichen ernst zu nehmen und die Proteste nicht vorab zu diskreditieren. Banaszak warnte vor einer voreiligen Kriminalisierung und verlangte, die Ursachen der Proteste in den Blick zu nehmen.

Die Bundesschülerkonferenz distanzierte sich nach anfänglicher Unterstützung von der Bewegung. Die Landesschüler*innenvertretung NRW unterstützt weiterhin deren Kernforderungen. Die Organisatoren betonen, dass die Aktionen friedlich bleiben sollen: Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspreche den Grundsätzen der Bewegung.

Die Polizei bereitet sich auf die Demonstrationen vor und setzt laut Einsatzkonzept vorrangig auf Kommunikation und Deeskalation. Deutsche Sicherheitsbehörden warnen zugleich vor einer möglichen Unterwanderung durch gewaltbereite Extremisten und betonen die Unterscheidung zwischen friedlichen Protesten und gewalttätigen Gruppen. Befürchtet wird insbesondere Einfluss linksextremistischer Akteure sowie krimineller Gruppen aus migrantisch geprägten Milieus.

Das Bundesinnenministerium, die Länder und Sicherheitsbehörden stimmen sich im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) ab. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet verstärkt einschlägige Internetseiten und Social-Media-Kanäle, auf denen zu Gewalt oder gewaltsamer Teilnahme aufgerufen werden könnte. Tausende Polizisten sollen bei den Demonstrationen eingesetzt werden, die Bundespolizei kann die Länder bei Bedarf unterstützen. Personen, die zur gewaltsamen Teilnahme einreisen wollen, sollen bereits an der Grenze zurückgewiesen werden.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft erwartet wegen des zeitlichen Zusammentreffens mit Halloween zusätzliche Herausforderungen, unter anderem bei der Durchsetzung des Vermummungsverbots. In Berlin, Hamburg, Leipzig und anderswo dürfte der Freitag damit nicht nur nach Müllcontainern, Baustellenabsperrungen und digitalen Lehrveranstaltungen aussehen, sondern auch nach einem ziemlich vollen Samstag.