Am KIT-Campus Nord ist heute, am 25. September 2026, ein neuer Großrechner offiziell gestartet: HoreKa 2. Das Karlsruher Institut für Technologie nahm die Anlage bei einer Feierstunde mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in Betrieb. „HoreKa“ steht für „Hochleistungsrechner Karlsruhe“.

Mehr als 42.000 Prozessorkerne, rund 250 Terabyte Arbeitsspeicher und 300 KI-Beschleuniger vom Typ NVIDIA B200 stecken in dem System. Die geplante Spitzenleistung liegt bei etwa 33 Petaflops – also 33 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde. Rund 17 Millionen Euro kostete die Anschaffung.

Rechnen für Klimaforschung, Batterien und KI

HoreKa 2 soll Berechnungen erledigen, für die herkömmliche Computersysteme Monate oder sogar Jahre bräuchten. Nach Angaben des KIT wären für eine vergleichbare Rechenleistung viele Tausend leistungsstarke PCs nötig. Die Anlage unterstützt unter anderem Klimamodelle und Untersuchungen zu regionalen Folgen der Erderwärmung, die Erdsystemwissenschaften, die Entwicklung neuer Werkstoffe für Batterien und Solarzellen, bessere Energiespeicher, Ingenieurwesen, Energie und Mobilität, Teilchenphysik sowie das Training großer KI-Modelle.

Die integrierten Grafikprozessoren sind gezielt für KI-Anwendungen ausgelegt. Solche Verfahren kommen inzwischen in vielen wissenschaftlichen Bereichen zum Einsatz. Nach Angaben von Martin Frank, Mitglied des Direktoriums des Scientific Computing Center (SCC), profitieren Forschende aus nahezu allen Fachgebieten. HoreKa 2 verdoppele die Rechenleistung für Simulationen und KI-Anwendungen; auch zahlreichen weiteren Disziplinen stehen die Kapazitäten offen.

Das System verbindet klassisches Hochleistungsrechnen mit moderner KI-Technik auf einer gemeinsamen Plattform. Zum Einsatz kommen x86-Prozessoren, die mit bestehender wissenschaftlicher Software breit kompatibel sind, und energieeffiziente ARM-Prozessoren des Typs NVIDIA Grace. Die seit September 2026 laufenden sogenannten Jade-Knoten kombinieren jeweils zwei Grace-Prozessoren mit vier Blackwell-Grafikprozessoren. Weitere Knoten enthalten NVIDIA-Grafikprozessoren der Typen H100 und H200 sowie reine Prozessorknoten mit besonders viel Arbeitsspeicher.

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Für beide Architekturen gibt es eigene Anmeldeknoten. Dort können Forschende ihre Programme übersetzen und testen. Der KI-Bereich trägt den Namen HAICORE 3.0.

Zugang für Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland

HoreKa 2 steht Forschenden aus Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland offen. Wer Rechenzeit nutzen möchte, muss sich einem wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren stellen. Der Rechner ist Teil des Nationalen Hochleistungsrechnens, dessen Beschaffung und Betrieb Bund und Länder gemeinsam finanzieren. Das KIT gehört dabei zu neun bundesweiten Zentren des Nationalen Hochleistungsrechnens.

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski bezeichnete das KIT als wichtigen Partner und sagte, die Infrastruktur trage zur nationalen und europäischen digitalen Souveränität bei. KIT-Vizepräsidentin Kora Kristof erklärte, HoreKa 2 stärke die digitale Leistungsfähigkeit des KIT und solle datenintensive Forschung sowie KI-Anwendungen energieeffizient und nachhaltig ermöglichen.

Betrieben wird der Rechner vom Steinbuch Centre for Computing. Konzipiert ist HoreKa 2 als Anlage der zweiten Leistungsebene: nicht als exklusives Einzelstück für wenige Projekte, sondern als leistungsfähiges System, das von vielen Forschungsgruppen genutzt werden kann. Der Bedarf wächst, gerade weil große KI-Modelle beim Training enorme Rechenmengen verschlingen.

Heißwasser gegen die Abwärme

Für HoreKa 2 wurde das 2016 errichtete Rechnergebäude am Campus Nord umfassend modernisiert. Die Kühlinfrastruktur musste wegen der hohen Leistungsdichte der Grafikprozessoren ebenfalls ausgebaut werden. Zur Kühlung wird Heißwasser eingesetzt. Das klingt zunächst paradox, ermöglicht laut KIT aber einen energieeffizienten Betrieb und ganzjährige freie Rückkühlung.

Bei Entwicklung und Beschaffung wurden Leistungsfähigkeit und Energieeffizienz gleichermaßen berücksichtigt. Moderne Prozessoren und Grafikprozessoren sollen mehr Rechenleistung pro Watt liefern als ihre Vorgänger; laut KIT zählt HoreKa 2 damit zu den energieeffizientesten Hochleistungsrechnern seiner Leistungsklasse weltweit. Der KIT-Campus Nord wird vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt, zusätzlich tragen Kraft-Wärme-Kopplungs- und Photovoltaikanlagen zur nachhaltigen Energieversorgung bei.

HoreKa 2 folgt auf den ersten HoreKa, der 2021 in Betrieb ging und damals zu den 15 leistungsfähigsten Computern Europas gehörte. International spielt der neue Rechner in der oberen Liga, gehört aber nicht zu den größten Supercomputern. Die schnellsten Systeme weltweit schaffen ein Vielfaches seiner Leistung; auch an deutschen nationalen Höchstleistungszentren stehen größere Anlagen.

Das Fachportal Hardwareluxx schätzt, dass HoreKa 2 ungefähr Platz 70 der weltweiten Top500-Liste erreichen könnte. Eine Aufnahme wird mit der Aktualisierung im November erwartet.

Ein Baustein für Deutschlands Rechenstrategie

Die Inbetriebnahme fällt in ein Jahr, in dem der Bund seine Recheninfrastruktur neu sortiert. Das Bundeskabinett veröffentlichte am 18. März 2026 die Nationale Rechenzentrumsstrategie. Bis 2030 sollen sich die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland mindestens verdoppeln, die Rechenkapazitäten für High-Performance-Computing und Künstliche Intelligenz sogar mindestens vervierfachen.

Die Strategie richtet sich an Betreiber und Investoren, Ausrüster, Gestalter der digitalen Zukunft und die öffentliche Hand. Sie nennt drei zentrale Handlungsfelder: Energie und Nachhaltigkeit, Standort und Fläche sowie Technologie und Souveränität. Nachhaltige Rechenzentren mit erneuerbarem Strom und energieeffizienten Lösungen sollen gefördert, Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt und Vorzugsflächen ausgewiesen werden. Außerdem geht es um leistungsfähige KI-Rechenkapazitäten und die Unterstützung bei der Ansiedlung einer europäischen KI-Gigafabrik in Deutschland.

Die Umsetzung der Maßnahmen soll innerhalb der nächsten zwölf Monate beginnen, die Strategie jährlich aktualisiert werden. Währenddessen laufen im modernisierten Gebäude am KIT bereits die ersten Jade-Knoten – mit viel Hardware, reichlich Abwärme und der Hoffnung, dass Forschungsideen nicht mehr an fehlender Rechenzeit hängen bleiben.

Auf dem Foto zur Inbetriebnahme sind von links Pascal Friederich, Professor am KIT, Oliver Rootsey, General Manager von Lenovo für Deutschland und Österreich, Kora Kristof, Vizepräsidentin Digitalisierung und Nachhaltigkeit des KIT, Petra Olschowski, Wissenschaftsministerin Baden-Württembergs, und Martin Frank, Direktor des Scientific Computing Center des KIT, zu sehen.

Quelle 1: Forschung und Wissen
Quelle 2: Karlsruher Institut für Technologie
Quelle 3: Nationale Rechenzentrumsstrategie