Karlsruhe, 28.09.2026 – Bei Volkswagen wackelt offenbar die Zukunft der Robotaxi-Tochter Moia. Ein internes Strategiepapier nennt mehrere Szenarien, die der Konzern bis Ende 2026 prüfen will: den Verkauf an neue Investoren, eine teilweise Trennung oder die vollständige Abwicklung. Der VW-Vorstand bewertet die Aussichten dem Bericht zufolge inzwischen skeptisch.

Das kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst Mitte Juli startete Moia in Hamburg einen öffentlichen Testbetrieb mit autonomen VW ID. Buzz AD. Die Fahrten waren zunächst kostenlos, ein Sicherheitsfahrer saß noch an Bord. Ziel war ein fahrerloser Regelbetrieb nach SAE-Level 4 bis Ende 2026. Der dafür notwendige Nachweis steht allerdings weiterhin aus.

Hamburger Testbetrieb unter Druck

Im Mittelpunkt steht die Technik des Zulieferers Mobileye. Nach Angaben von Konzerninsidern erfüllen Hard- und Software intern bislang nicht die Erwartungen an ein störungsfreies Fahrverhalten. Der Hamburger Versuch ist Teil des 36-monatigen Forschungsprojekts ALIKE. Beteiligt sind neben Moia die Hamburger Hochbahn, VWs Fahrdienst-Sparte ADMT, der Shuttle-Hersteller Holon und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Der Bund fördert das Projekt mit 26 Millionen Euro.

Ein Rückzug von Volkswagen würde deshalb nicht nur eine Tochtergesellschaft treffen, sondern auch ein gemeinsames Förderprojekt mehrerer öffentlicher und privater Partner. Für ALIKE wurde bislang kein alternatives Enddatum genannt. Die gesetzlichen Regeln schreiben derzeit noch Sicherheitsfahrer vor; Betreiber planen aber den Übergang zu vollständig autonomen Fahrzeugen ohne menschliche Aufsicht. Genau da wird es heikel.

Als Gründe für die Probleme gelten technische und finanzielle Schwierigkeiten. Volkswagen ist finanziell angespannt und scheut laut den Berichten die milliardenschweren Investitionen, die für eine echte Level-4-Flotte erforderlich wären. Potenzielle Investoren wie Uber und Lyft sollen ihre Beteiligungsabsichten zurückgezogen haben. Die Moia-Führung hatte zuletzt staatliche Fördermittel beziehungsweise staatliche Unterstützung gefordert.

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Im VW-Zielbild für 2030 soll Moia keine zentrale Rolle mehr spielen. Bis Ende 2026 will der Konzern dennoch verschiedene Optionen prüfen – von einer Übernahme durch neue Investoren bis zur vollständigen Abwicklung. Das klingt nach offenem Ausgang, fühlt sich für die Robotaxi-Sparte aber eher nach einer sehr kurzen Leine an.

Deutschland verliert den Anschluss?

Während Volkswagen sortiert, wird anderswo längst gefahren und getestet. London gilt derzeit als wichtiges Testfeld für autonome Fahrsysteme. Waymo, Uber und Baidu erproben dort fahrerlose Flotten. Auch in München, Berlin, Zagreb, Zürich und Madrid bereiten verschiedene Anbieter den Markteintritt vor.

Internationale Technologiekonzerne arbeiten daran, den Markt für autonome Mobilität unter sich aufzuteilen. Deutsche Automobilhersteller ziehen sich laut dem Bericht dagegen weitgehend zurück. BMW und Mercedes sind bereits aus früheren Gemeinschaftsprojekten zur autonomen Mobilität ausgestiegen. Damit droht Deutschland, bei einer Technologie den Anschluss zu verlieren, die lange unterschätzt worden sei – technisch und finanziell.

BMW und Mercedes verfügen weiterhin über Assistenzsysteme bis Level 3. Bei der Künstlichen Intelligenz, die für Robotaxis nötig ist, liegen sie jedoch zurück. Deutsche Hersteller arbeiteten laut dem Bericht lange mit deutlich geringeren Budgets als die führenden US-Unternehmen.

Waymo soll Branchenschätzungen zufolge über mehr als 15 Jahre rund 27 Milliarden US-Dollar in autonome Fahrsysteme investiert haben. In den USA führt das Unternehmen inzwischen mehr als 500.000 kostenpflichtige Fahrten pro Woche durch. Der nächste Schritt führt nach Europa: In München wurde bereits eine deutsche Tochter gegründet, außerdem sucht Waymo dort Testfahrer.

Das Geschäft hinter dem Lenkrad

Weitere Wettbewerber stehen bereit. Tesla arbeitet am Cybercab. Uber setzt auf flexible Partnerschaften, statt eigene Fahrzeugflotten aufzubauen. Das Unternehmen hatte gemeinsam mit Lyft als potenzieller Moia-Investor gegolten; beide sollen ihre Beteiligungsabsichten zurückgezogen haben.

Analysten erwarten, dass fahrerlose Fahrten mittelfristig etwa 60 bis 80 Cent pro Kilometer kosten könnten. Das wäre günstiger als klassische Taxis oder Fahrdienste mit Fahrer. Profitieren dürften vor allem Anbieter, die die autonome Technik selbst kontrollieren – also nicht nur Fahrzeuge liefern, sondern auch die Software, die Daten und den Zugang zu den Kundinnen und Kunden beherrschen.

Für die europäischen Automobilhersteller steht damit mehr auf dem Spiel als ein einzelnes Mobilitätsprojekt. Wenn Plattformen aus dem Ausland die Fahrten organisieren und die Technik besitzen, könnten hiesige Unternehmen am Ende vor allem Fahrzeuge zuliefern. Die Wertschöpfung läge dann anderswo. Und am KIT in Karlsruhe, wo mit ALIKE an dieser Zukunft geforscht wird, dürfte man die nächsten Entscheidungen aus Wolfsburg ziemlich aufmerksam verfolgen.