Am 29. Oktober 2026 geht der Rotary Forschungspreis 2026 an zwei Wissenschaftler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Alexander M. Danzer und Norbert Paulo erhalten die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung für Forschungsprojekte, die auf den ersten Blick kaum weiter auseinanderliegen könnten: Es geht um bessere Überlebenschancen bei Ebola und um die Frage, wie autonome Fahrzeuge in unausweichlichen Unfallsituationen entscheiden sollen.

Vergeben wird der Preis vom Rotary Club Ingolstadt und dem Verein Rotary Stipendium Ingolstadt. Der Ort der Auszeichnung: die KU Ingolstadt. Zwei Themen also, die mitten ins Leben greifen – einmal in überfüllte Behandlungszentren während einer Epidemie, einmal in jene Sekundenbruchteile, in denen ein selbstfahrendes Auto nicht mehr allen Gefahren ausweichen kann.

Ein Medikament, das verfügbar sein muss

Alexander M. Danzer ist Inhaber des Lehrstuhls für Mikroökonomie an der KU. Ausgezeichnet wird seine Mitwirkung an einem Forschungsprojekt zur Ebola-Behandlung. Die Studie untersucht den möglichen Nutzen von Loperamid, einem Medikament gegen Durchfall. Nach den Ergebnissen könnte es die Überlebenschancen von Ebola-Patientinnen und -Patienten verbessern.

Der Stoff ist dabei nicht nur wegen seiner möglichen Wirkung interessant. Loperamid kann oral eingenommen werden, muss nicht gekühlt werden und kostet nur wenige Cent pro Dosis. Gerade in Regionen, in denen medizinische Versorgung oft unter schwierigen Bedingungen läuft, sind solche Eigenschaften keine Nebensache.

Die Untersuchung basiert auf Daten von rund 5500 Patientinnen und Patienten mit laborbestätigter Ebola-Erkrankung und dokumentiertem Durchfall. Die Informationen wurden in 20 Behandlungszentren in Guinea, Liberia und Sierra Leone gesammelt. Danzer war maßgeblich an der Datenanalyse und an der methodischen Weiterentwicklung beteiligt.

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Eine klinische Studie war das allerdings nicht. Die Daten entstanden während der Ebola-Epidemie im regulären Behandlungsalltag. Ob Loperamid eingesetzt wurde, hing laut Danzer davon ab, ob die behandelnden Ärzte das Medikament verwenden wollten und ob es überhaupt verfügbar war. Nach seiner Einschätzung ähnelten diese Umstände dennoch einer randomisierten Studie. Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied – und genau dort wird Forschung manchmal knifflig.

WHO setzt auf frühe Unterstützung

Der Blick auf Loperamid fällt in eine Zeit, in der die internationale medizinische Versorgung von Filovirus-Erkrankungen neu geordnet wird. Die WHO veröffentlichte am 11. Juni 2026 Leitlinien zur klinischen Behandlung solcher Erkrankungen; am 17. Juni 2026 folgten erstmals umfassende klinische Leitlinien, die alle Ebola- und Marburg-Viren einbeziehen. Sie enthalten 16 evidenzbasierte Handlungsempfehlungen und richten sich vor allem an medizinisches Personal in betroffenen Regionen.

Ebola- und Marburg-Erkrankungen verlaufen schwer und sind je nach Ausbruch in 25 bis 90 Prozent der Fälle tödlich. Seit der Entdeckung des Marburg-Virus 1967 gab es in Afrika 72 Ausbrüche. Für die betroffenen Gemeinschaften bedeutete das häufig nicht nur Krankheit und Tod, sondern auch sozioökonomische und psychologische Folgen.

Für das Marburg-Virus sowie für die Bundibugyo- und Sudan-Viren gibt es bislang keine zugelassenen Impfstoffe oder spezifischen Behandlungen. Ein aktueller Ausbruch des Bundibugyo-Virus in der Demokratischen Republik Kongo unterstreicht laut WHO, wie wichtig eine umfassende medizinische Versorgung bleibt.

Empfohlen werden unter anderem die frühzeitige Erkennung einer Zustandsverschlechterung, eine engmaschigere Überwachung, der gezielte Einsatz von Labortests sowie die schnelle Verabreichung von Flüssigkeit. Dehydrierung und Schock sollen behandelt werden, vermutete Begleitinfektionen mit Antibiotika. Auch die Nachsorge genesener Patienten gehört dazu, um Spätfolgen und eine mögliche Weiterverbreitung des Virus zu verhindern.

Wenn das Auto keine Zeit zum Zögern hat

Norbert Paulo, Inhaber der Professur für Philosophie und Ethik der Digitalisierung an der KU, arbeitet an einer ganz anderen Grenzsituation. Sein ausgezeichnetes Projekt trägt den Titel „Unparteilichkeit statt Gleichbehandlung: Eine methodische Korrektur der Ethik autonomer Fahrzeuge“.

Im Mittelpunkt steht die Frage, nach welchen ethischen und rechtlichen Kriterien autonome Fahrzeuge in unvermeidbaren Unfallsituationen handeln sollen. Menschen reagieren in solchen Momenten oft reflexartig. Ein autonomes Fahrzeug tut das nicht. Es folgt Regeln, die zuvor festgelegt wurden – und diese Regeln müssen irgendwann von Menschen verantwortet werden.

Paulos Forschung untersucht, welche Formen unparteiischer Entscheidungen Menschen akzeptabel finden. In den Untersuchungen hing die Zustimmung zu bestimmten Lösungen deutlich davon ab, welche Entscheidungsregel zugrunde lag und um welche Art von Dilemma es sich handelte.

Daraus folgert Paulo, dass gesellschaftliche Präferenzen nicht unmittelbar in gesetzliche Vorgaben übersetzt werden können. Selbst wenn autonome Fahrzeuge Merkmale wie Alter, Geschlecht oder sozialen Status nicht berücksichtigen sollen, bleibt die konkrete Entscheidungsregel für Extremsituationen offen. Paulo plädiert deshalb dafür, die Überzeugungen der Bevölkerung bei der Gestaltung solcher Regeln einzubeziehen – ihnen bei Entscheidungen über Leben und Tod aber keine alleinige Entscheidungsbefugnis zu geben.

Leitlinien für schwierige Bedingungen

Die WHO-Leitlinien erweitern frühere krankheitsspezifische Empfehlungen zu einem einheitlichen Ansatz für verschiedene Filovirus-Ausbrüche. Sie gelten für Erkrankungen durch das Ebola-Virus, das Sudan-Virus, das Bundibugyo-Virus, das Taï-Forest-Virus und das Marburg-Virus. Entwickelt wurden sie nach WHO-Standards zur Leitlinienentwicklung und mithilfe der GRADE-Methodik.

Im Zentrum stehen Maßnahmen, die die Sterblichkeit senken und Behandlungsergebnisse verbessern können: systematische klinische und labormedizinische Überwachung, orale und intravenöse Flüssigkeitstherapie, die Behandlung eines Schocks, der Einsatz von Vasopressoren, die Behandlung vermuteter bakterieller Koinfektionen sowie das Management hämorrhagischer Komplikationen. Nach der Entlassung ist eine Nachsorge der Überlebenden vorgesehen.

Die Empfehlungen stützen sich auf systematische Übersichtsarbeiten und Entscheidungsrahmen. Berücksichtigt werden dabei Nutzen und Risiken, die Sicherheit der Evidenz, Werte und Präferenzen der Patientinnen und Patienten, Umsetzbarkeit, Ressourcenbedarf, Chancengleichheit und Akzeptanz. Die Behandlung soll patientenzentriert, zeitnah und individuell angepasst sein.

Eine optimierte unterstützende Behandlung kann Komplikationen verringern und die Grundlage für weitere klinische Maßnahmen schaffen. Sie ist zudem Voraussetzung für klinische Studien zu antiviralen Medikamenten. Die Versorgung soll mit Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle sowie mit weiteren WHO-Empfehlungen verknüpft werden.

Die Leitlinien wurden durch internationale Expertenkonsultationen entwickelt und beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie sollen Regierungen und Gesundheitsbehörden bei der Vorbereitung auf künftige Ausbrüche unterstützen. Herausgeberin ist die Weltgesundheitsorganisation; zuständig waren die WHO-Teams Health Emergencies, Preparedness and Response (WHE) sowie Humanitarian and Disaster Management (HDM).

Das Dokument umfasst 86 Seiten und trägt die Referenznummer ISBN B09774. Dazu gehört eine Zusammenfassung der WHO-Leitlinien zur klinischen Behandlung von Filovirus-Erkrankungen. Für Ärztinnen, Pfleger und Helfer in ressourcenbeschränkten Umgebungen klingt das vielleicht trocken. Vor Ort kann eine rechtzeitig verabreichte Flüssigkeit, ein erkannter Schock oder ein vorhandenes Medikament jedoch den Unterschied machen.