Ab 1. November wird Berlin zehn Tage lang zur offenen Bühne für Forschung: Die Berlin Science Week lädt dazu ein, die Stadt als Wissenschaftsstadt zu entdecken. Vom 1. bis 10. November 2026 stehen mehrere hundert, überwiegend kostenlose Veranstaltungen auf Deutsch und Englisch auf dem Programm – in Forschungsinstituten, Museen, Kulturorten und im öffentlichen Raum.

Mehr als 350 Veranstaltungen sind an über 120 Orten geplant. Zentrum des Festivals ist erstmals das Haus der Kulturen der Welt (HKW), dazu kommen Schauplätze in der ganzen Stadt. Vom 6. bis 8. November finden dort mehr als 100, laut Ankündigung rund 110 Veranstaltungen statt. Das Festivalmotto lautet „In Touch“: Es geht um die persönliche Seite der Wissenschaft, darum, wie Forschung Leben berührt und verbessert, die beteiligten Menschen prägt und Verbindungen schafft.

Zwischen Nobelpreisen und Berliner Schnauze

„Berlin forscht auf Weltniveau“, sagt Christian Rauch, Leiter der Berlin Science Week, und verweist auf Nobelpreisträger wie Einstein, Planck, Charpentier und Hegemann. Berlin war bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren ein Zentrum der Naturwissenschaften; im Harnack-Haus in Dahlem waren laut Artikel 35 Nobelpreisträger zu Gast. Ein Spaziergang durch Dahlem führt auf ihren Spuren, während „Hidden in the city“ weniger bekannte Episoden der Berliner Wissenschaftsgeschichte aufgreift – unter anderem zu Lise Meitner und Otto Lilienthal.

Auch die aktuellen Gäste können sich sehen lassen: Die Nobelpreisträger beziehungsweise im Artikel genannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Emmanuelle Charpentier und Hegemann, die Physik-Nobelpreisträger Brian Schmidt und Konstantin Novoselov sowie Peter Hegemann gehören zum Programm. Am 6. November, 15:30 bis 16:30 Uhr, sprechen Brian Schmidt und CERN-Teilchenphysiker Harry Cliff, gemeinsam mit Clara Nellist, über das sich wandelnde Verständnis des Universums. Am 7. November nehmen Konstantin Novoselov und Peter Hegemann am Falling Walls Science Summit teil.

Am 8. November um 16:30 Uhr präsentieren Marc Abrahams und frühere Preisträger bei den Ig Nobel Prizes ungewöhnliche Forschungsarbeiten. Die Veranstaltung beginnt laut Programm um 16:30 Uhr und dauert bis 18:00 Uhr. Wissenschaft darf dabei ruhig schräg werden.

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Das gilt auch für „Wie höflich spricht Berlin?“, bei dem Sprachwissenschaftler der Freien Universität die Berliner Schnauze untersuchen. „Who Owns Knowledge?“ fragt, wem Wissen und Daten gehören. Und beim Format „Wenn der Strom ausfällt, entscheidet Kommunikation“ testen Besucherinnen und Besucher einen Krisen-Chatbot. Bei „Stadt unter Druck?“ geht es um die Sicherheit öffentlicher Verkehrsmittel und digitaler Räume.

Kunst, KI und ein Labor zum Neustart

Die Berlin Science Week will Forschung und Stadtgesellschaft zusammenbringen – nicht bloß über Vorträge, sondern mit Kunst, Performances, Nachtleben und Diskussionen. Am 6. November eröffnet „In Touch“ von 13:00 bis 14:30 Uhr mit Yoshua Bengio und weiteren Gästen zu Vertrauen und Verantwortung in der künstlichen Intelligenz. Bei „Europe needs a Plan“ diskutieren am 7. November von 16:00 bis 17:30 Uhr unter anderem Olafur Eliasson und Francesca Bria über Europas wissenschaftliche und technologische Souveränität, KI-Infrastruktur und die Rolle der Kunst; im ursprünglichen Programm werden außerdem Tommaso Calarco genannt.

Das „Art & Science Opening Panel“ blickt auf 30 Jahre Kunst im Labor. „Fertile Void“ von Amanda Piña/Instituto Tropical beschäftigt sich am 6. November von 20:00 bis 21:30 Uhr mit Lithiumgewinnung in der Atacama. Bei „Cells’ Ears“ werden am 7. November von 21:00 bis 22:00 Uhr lebende Herzzellen Teil einer Performance und eines wissenschaftlichen Experiments. „What Hums Beyond“ bringt am 10. November von 19:00 bis 20:00 Uhr Live-Elektronik zur elektromagnetischen Topografie des Tieranatomischen Theaters.

Wer lieber selbst Hand anlegt, kann bei „Can You Restart the Lab?“ ein echtes Energielabor wieder hochfahren. Eine KI des Forschungszentrums Jülich versucht bei einer Dance-Challenge, die Bewegungen der Besuchenden nachzuahmen. Beim „Vibe Coding“ entsteht innerhalb von 90 Minuten ohne Programmierkenntnisse ein App-Prototyp. Und bei „Book a Scientist“ treffen Interessierte Forschende der Leibniz-Gemeinschaft im Speed-Dating-Format. 32 junge Forschende stellen ihre Projekte jeweils zwölf Minuten lang vor – kurz genug, dass niemand gedanklich schon beim nächsten Kaffee landet.

Am 7. November von 21:30 bis 23:30 Uhr treten bei „Queens of Science“ forschende Drag Queens mit Comedy und Choreografie auf. Das Programm nennt die Veranstaltung eine Science-Theatre-Drag-Show. „Laughing Matter“ verbindet am 6. November von 20:00 bis 21:30 Uhr Wissenschaft mit Improvisationskomödie. Auf der HKW-Terrasse richten sich Teleskope auf Jupiterstürme und Mondkrater.

Hormone, Mars und die Zukunft Europas

BBC-Journalistin Claudia Hammond spricht live mit der Endokrinologin Saira Hameed über Hormone. Die Live-Aufzeichnung von „The Evidence“ ist am 7. November von 14:15 bis 15:30 Uhr angesetzt. Am selben Tag, von 18:30 bis 20:30 Uhr, widmet sich „Sport – Ein Abend für Bauch, Beine, Kopf“ körperlicher Aktivität, Kreativität und Gesundheit. Später geht es bei einer Veranstaltung über Schleim um seine Verbreitung und mögliche Formen von Intelligenz.

Familien können am 7. November von 12:30 bis 13:30 Uhr mit Clarissa Corrêa da Silva über Gene und wissenschaftliche Fragen sprechen. Die DLR_Raumfahrt_Show am 8. November von 12:15 bis 13:30 Uhr führt zu Marsmissionen, Weltraumhotels und aktueller Raumfahrtforschung. Eine Lesung mit Raúl Krauthausen und Adina Hermann erzählt am 8. November von 10:30 bis 11:30 Uhr von Ela, einem elfjährigen Mädchen mit Rollstuhl und ihrem Traum vom All.

Am 8. November von 14:30 bis 16:00 Uhr bringt „Mehr Geschichten aus der Geschichte“ wissenschaftliche „Heureka“-Momente auf die Bühne. Bereits am 5. November spricht Steffen Mau bei der Einstein Lecture Dahlem von 18:00 bis 19:30 Uhr über die Krise des liberalen Gesellschaftsmodells. „The US Midterms in Perspective“ nimmt am 4. November von 18:00 bis 20:00 Uhr die Folgen der US-Zwischenwahlen für die USA und Europa in den Blick. Am 10. November geht es von 18:30 bis 20:00 Uhr bei „KI, Arbeit und soziale Ungleichheit“ um die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf Arbeit, Teilhabe und soziale Ungleichheiten.

„Science on the Spree“ fragt am 6. November von 15:30 bis 17:00 Uhr nach den Auswirkungen von KI auf Beziehungen, Vertrauen und psychische Gesundheit. Am 7. November von 19:30 bis 20:30 Uhr diskutieren Gäste über militärische KI und den Einsatz von Zivilisten als Testfeld für Technologien. Das Format „Promises and Limits of Biomimicry“ untersucht am 5. November von 18:00 bis 20:00 Uhr, was Handwerk und Wissenschaft von der Natur lernen können.

Zu den angekündigten Sprecherinnen und Sprechern gehören neben Yoshua Bengio, Brian P. Schmidt, Harry Cliff und Steffen Mau auch Claudia Hammond, Clarissa Corrêa da Silva und Raúl Krauthausen. Genannt werden außerdem Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Olafur Eliasson, Francesca Bria, Julia von Blumenthal, Natsai Audrey Chieza und Molly Stevens – dazu weitere Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Medien und Kultur.

Wissen zwischen Büchern

Forschung verlässt beim Programm „Wissen zwischen Büchern“ die Institutionen und zieht in 33 öffentliche Berliner Bibliotheken. Das Festival kooperiert dafür mit con gressa. Vom 1. bis 10. November sind mehr als 30 Veranstaltungen geplant; Forschende aus Berliner Spitzeninstituten sprechen über Fragen mit Alltagsbezug. Das ist eine dieser Ideen, die angenehm unkompliziert klingen: Man geht in die Bibliothek und landet plötzlich mitten in einem Gespräch über Wissenschaft.

Weitere Programmpunkte reichen von einer Veranstaltung zur digitalen, ökologischen und gesellschaftlichen