Am Freitag, 23. Oktober 2026, lädt der Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin zu einem kostenlosen Infotag über Arthrose ein. Von 14:00 bis 17:00 Uhr geht es unter dem Titel „Gelenkschmerzen: Ursachen erkennen, gezielt therapieren“ um Vorbeugung, Behandlung und die Frage, wann Medikamente oder Operationen überhaupt sinnvoll sind.

Willkommen sind Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie alle Interessierten. Veranstaltungsort ist der CityCube Berlin, Großer Saal, Jafféstraße, 14055 Berlin, nahe dem S-Bahnhof Messe Süd/Eichkamp. Nach den Vorträgen können Besucher Fragen stellen und mit den Referierenden sprechen. Ein kleiner Imbiss wird angeboten.

Was beim Infotag auf dem Programm steht

Fachleute erklären verständlich, welche Eigenmaßnahmen im Alltag möglich sind und welche Ursachen hinter Beschwerden stecken können. Auf dem Programm stehen Bewegung und Ernährung ebenso wie medikamentöse Therapien und operative Behandlungen.

  • „Arthrose – eine vermeidbare Erkrankung? Was kann ich selbst durch Ernährung und Bewegung beeinflussen?“ – Prof. Dr. Hadrian Platzer, UKSH Kiel
  • „Medikamentöse Therapieansätze gegen die Arthrose – Science oder Sciencefiction?“ – PD Dr. Timo Nees, Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
  • Behandlung von Beschwerden der kleinen Gelenke an Hand und Fuß – Prof. Dr. Hans-Dieter Carl, Präsident der DGORh
  • Behandlung von Beschwerden der oberen Extremität, darunter Schulter und Ellenbogen – Priv.-Doz. Dr. Tim Leschinger, Universitätsklinik Köln
  • Behandlung von Beschwerden der unteren Extremität, darunter Hüfte und Knie – Dr. Peter Naatz, Immanuel Krankenhaus Berlin

Arthrose betrifft häufig Knie, Hüfte, Finger oder Schulter und gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Alter. In Deutschland sind Millionen Menschen betroffen. DKOU-Präsident Frank Hildebrand betont jedoch, Arthrose bedeute nicht automatisch, dass Schmerzen hingenommen werden müssten. Bewegung, Ernährung, moderne Therapien und ein besseres Krankheitsverständnis könnten die Lebensqualität verbessern.

Auch Jörn Dohle, Präsident des DKOU, weist darauf hin, dass Arthrose nicht grundsätzlich eine unvermeidliche Folge des Alters sei. Frühzeitige Information und der richtige Umgang mit Beschwerden könnten helfen, Beweglichkeit zu erhalten und Schmerzen zu reduzieren. DKOU-Präsident Wolfgang Böker zufolge reichen gezielte Bewegungsübungen häufig aus; Medikamente oder Operationen seien nicht immer notwendig.

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Die Deutsche Rheuma-Liga Berlin informiert beim Infotag über Bewegungsangebote, Beratung, Informationen und Selbsthilfe. Veranstalter sind die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) in Kooperation mit der Deutschen Rheuma-Liga Berlin. Der Patiententag ist Teil des DKOU, der vom 20. bis 23. Oktober 2026 in Berlin stattfindet. Rund 10.000 Ärztinnen und Ärzte werden zum Kongress erwartet, darunter internationale Fachleute.

Zwischen Übungen, Sitzen und Schmerzmitteln

Arthrose ist ein fortschreitender Verschleiß des Gelenks, insbesondere des Gelenkknorpels. Heilbar ist sie bislang nicht. Die Behandlung soll das Gelenk möglichst lange erhalten und Beschwerden verringern. Empfohlen wird meist eine individuell zusammengestellte, multimodale Therapie aus Bewegung und gezielten Übungen, ausgewogener Ernährung, bei Bedarf Schmerzmitteln und gegebenenfalls Operationen.

Gerade bei Knie- und Hüftarthrose kann Bewegungstherapie Schmerzen lindern, die Gelenkfunktion verbessern und die Lebensqualität erhöhen. Im Alltag nutzen Menschen allerdings oft nur wenige der möglichen Gelenkwinkel. Sitzende Tätigkeiten und immer gleiche Bewegungen schränken die Beweglichkeit zusätzlich ein. 8,5 Stunden sitzen die Menschen in Deutschland durchschnittlich täglich. Das bleibt nicht völlig folgenlos: Muskulatur und Faszien können an Stärke und Flexibilität verlieren, Schmerzen verursachen und den Stoffwechsel im Gewebe beeinträchtigen. Ein schwacher, unflexibler Wadenmuskel kann etwa die Belastung des Kniegelenks erhöhen.

Bewegungsmangel steigert außerdem das Risiko für Übergewicht und weitere Erkrankungen, die Gelenkerkrankungen begünstigen können. Als Risikofaktoren für Gelenkverschleiß gelten auch Fettleibigkeit, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Belastungen durch Beruf oder Sport, Fehlstellungen sowie Knorpelschäden nach Verletzungen, Unfällen oder Stürzen.

Studien zeigen insbesondere bei Kniearthrose weniger Schmerzen und eine bessere Gelenkfunktion durch Bewegung. Verschiedene Trainingsformen kommen infrage. In Untersuchungen erzielte ein 20-minütiges Übungsprogramm ähnliche Effekte auf Schmerzen und Funktion wie ein 90-minütiges Training. Kraftübungen stärken die Muskulatur und können Gelenke entlasten, Dehnübungen verbessern die Flexibilität von Muskeln und Faszien. Eine erhöhte Muskel- und Faszienspannung wird als mögliche zusätzliche Gelenkbelastung beschrieben.

Zur konservativen Behandlung gehören Physiotherapie und Krankengymnastik. Sie sollen Beweglichkeit erhalten, einer Versteifung entgegenwirken, die Muskulatur trainieren und das Gewebe flexibel halten. Möglich sind Bewegungstherapie im Wasser, Beweglichkeits-, Ausdauer- und Krafttraining, isometrisches Muskeltraining, Tai Chi oder Yoga. Kälte- und Wärmetherapie, Elektrotherapie, Massagen und Akupunktur sollen die Durchblutung anregen und können Schmerzen sowie Schwellungen lindern. Orthesen, Schienen und spezielle Schuhe werden unter anderem bei Fußarthrose, Hallux rigidus und Rhizarthrose eingesetzt; sie stützen die Gelenke und können Schmerzen reduzieren.

Typische Beschwerden sind Anlaufschmerzen, Belastungsschmerzen, Gelenkschwellungen, schmerzhafte Bewegungseinschränkungen und Gelenksteifigkeit. Entzündungshemmende Medikamente können bei akuten starken Beschwerden kurzfristig eingesetzt werden, sollten aber mit Fachpersonal abgestimmt werden. Studien geben Hinweise, dass entzündungshemmende Wirkstoffe möglicherweise zur Chronifizierung von Schmerzen beitragen können. Eine langfristige Einnahme von Schmerzmitteln kann erhebliche Nebenwirkungen haben und behandelt die Ursache der Arthrose nicht.

Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Aspirin können unter anderem den Magen-Darm-Trakt und das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen. Auch Magenschutzmittel können Nebenwirkungen verursachen. Opioide bergen ein Abhängigkeitspotenzial und können Übelkeit, Müdigkeit, Verstopfung, eingeschränkte Denkfähigkeit, Stimmungsschwankungen und Depressionen auslösen. Bei längerer Einnahme kann zudem eine Dosiserhöhung erforderlich werden.

Hyaluronsäure-Injektionen können die Gleitfähigkeit des Gelenks verbessern, Entzündungen hemmen und Schmerzen lindern. Studien zur Anwendung bei Kniearthrose kommen allerdings zu unterschiedlichen Ergebnissen; beschrieben werden mögliche Vorteile ebenso wie Risiken, darunter Infektionen und Gelenkreaktionen. Kortison-Injektionen können einmalig als Akutmaßnahme Schmerzen und Entzündungen kurzfristig lindern. Eine längerfristige Kortisonbehandlung kann den Knorpelabbau verstärken.

Ernährung, Operationen und offene Fragen

Übergewicht steht mit Arthrose in Zusammenhang, weshalb Gewichtsabnahme ein Therapieziel sein kann. Empfohlen wird eine möglichst pflanzliche und ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Obst, Nüssen, Hülsenfrüchten und pflanzlichen Ölen. Nahrungsergänzungsmittel können bei bestehendem Nährstoffbedarf infrage kommen.

Operiert wird meist erst, wenn konservative Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind und Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen bleiben. Bei einer Arthroskopie wird über einen kleinen Schnitt ein Arthroskop in das Gelenk eingeführt, um Knorpel und andere Strukturen zu untersuchen und gegebenenfalls kleinere Eingriffe vorzunehmen. Bei Kniearthrose zeigen die genannten Studien jedoch keinen Vorteil für Schmerzen oder Kniefunktion. Der Gemeinsame Bundesausschuss beschloss 2015, Arthroskopien bei Kniearthrose ohne zusätzliche spezifische Diagnose nicht mehr von den Krankenkassen bezahlen zu lassen.

Gelenkversteifungen werden unter anderem am Sprunggelenk, am Großzehengrundgelenk und in bestimmten Fällen am Daumen durchgeführt. Nach einer Versteifung des Sprunggelenks müssen Nachbargelenke die fehlende Beweglichkeit ausgleichen; dadurch können dort Begleitarthrosen entstehen. Ähnliches gilt für die Versteifung des Großzehengrundgelenks. Eine Daumenversteifung kann die Kraftentfaltung verbessern und Schmerzen lindern, macht den Daumen jedoch weitgehend unbeweglich.

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