In Schönenwerd ging es am 27. Oktober 2026 um eine Frage, die im Alltag oft untergeht: «Was könnte hinter dem Verhalten eines Menschen stecken?» Der Förderverein Haus im Park lud zu einem Herbstanlass über psychische Gesundheit im Alter ein. Einsamkeit, Demenz und Gerontopsychiatrie standen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Herausforderungen des Älterwerdens.

Fachpersonen des Kantonsspitals Olten erklärten, weshalb Verständnis, soziale Beziehungen und individuelle Begleitung für ältere Menschen so wichtig sind. Referiert haben Dr. med. Moritz Strickler, Chefarzt Geriatrie, und Dr. med. Nathalie Mayor, Oberärztin Geriatrie. In zwei Fachbeiträgen kamen auch tabuisierte Themen der Gerontopsychiatrie zur Sprache – Dinge also, über die man nicht gern beim Kaffee plaudert, die aber viele Familien beschäftigen.

Wenn hinter dem Verhalten mehr steckt

Die anschließende Podiumsdiskussion griff Fragen aus dem Alltag auf und verband medizinische, pflegerische und gesellschaftliche Aspekte. Nicht nur Diagnosen und Medikamente seien für die Lebensqualität entscheidend, hieß es, sondern ebenso Verständnis, Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen.

Beim Apéro konnten die Besucherinnen und Besucher die Gespräche fortsetzen. Dazu kamen Informationsstände und Poster zur Gesundheitsversorgung sowie zur Pflegearbeit im Haus im Park. Der Förderverein ermöglichte und finanzierte den Informationsabend. Der Anlass sollte dazu beitragen, offen über psychische Gesundheit, Einsamkeit und Demenz zu sprechen.

Das Haus im Park versteht sich gemeinsam mit dem Förderverein als regionales Kompetenzzentrum für Pflege und Betreuung, Gesundheitsbildung, Prävention und die Sensibilisierung der Bevölkerung. Auch die fachliche Weiterentwicklung der Pflege gehört dazu. Seit Anfang 2026 arbeitet die Einrichtung enger mit dem Kantonsspital Olten zusammen, insbesondere bei der hausärztlichen und geriatrischen Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner.

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Einsamkeit bleibt oft unsichtbar

Soziale und emotionale Einsamkeit ist in der Schweiz im Alter verbreitet – und mit einem Stigma verbunden. Rund 160’000 Menschen über 62 Jahren sind betroffen, wie Pro Senectute 2022 angab. Viele sprechen nur ungern darüber. Mangelnde soziale Einbindung, eingeschränkte Mobilität und Schmerzen können die Isolation zusätzlich begünstigen; zugleich gilt Einsamkeit als Risikofaktor für die psychische und körperliche Gesundheit.

Für ältere Menschen zählen Selbstbestimmung, soziale Teilhabe und eine gesundheitsfördernde Lebensqualität zu den zentralen Bedürfnissen. Genau dort setzt ein Projekt an, das Menschen ab 65 Jahren informieren und sensibilisieren, zur Selbstaktivierung anregen und individuelle Unterstützung ermöglichen will. Es stärkt gesundheitsrelevante Ressourcen und die Gesundheitskompetenz im Bereich sozialer Teilhabe – und soll sozialer wie emotionaler Einsamkeit entgegenwirken.

Vier ältere Schauspielerinnen und Schauspieler des Theaterensembles Obertor führen dafür ein kurzes Theaterstück in Mundart auf. Darin geht es um Einsamkeit in unterschiedlichen Lebenssituationen und um Ideen für mehr soziale Teilhabe. Verständlich und unterhaltsam, aber ohne Klamauk. Das Stück dient als Einstieg, danach folgt eine professionell moderierte Gesprächsrunde.

Die Teilnehmenden tauschen sich über das Theaterstück und eigene Erfahrungen aus, formulieren Wünsche und Ideen und erhalten alltagsrelevantes Wissen zu sozialer Teilhabe und Einsamkeit. Durch Austausch und partizipative Mitwirkung sollen sie eigene Ressourcen mobilisieren und ihre Gesundheitskompetenz stärken.

Von der Bühne zu Angeboten vor Ort

Umgesetzt wird das Projekt mit lokalen und regionalen Partnern, darunter Gemeinden, Kirchgemeinden und Fachorganisationen für ältere Menschen. Sie stellen Räume und Infrastruktur bereit, laden zum Anlass ein, bewerben ihn lokal oder integrieren ihn in bestehende Veranstaltungen wie Seniorennachmittage.

Auch bereits vorhandene Angebote sollen sichtbarer werden. Dafür gibt es Informationstische mit Flyern und Broschüren, Beiträge von Altersbeauftragten, kurze Vorstellungen lokaler Angebote durch Vereinsvertretungen sowie begleitete Informationsinseln. Die Motivation, die aus einer Veranstaltung entsteht, soll so möglichst direkt mit den Möglichkeiten vor Ort verbunden werden – nicht erst irgendwann, sondern wenn der Mantel noch über dem Stuhl hängt.

Im Pilotprojekt 2022–2023, vor allem in den Kantonen Zürich und Bern, wurden über 1’000 Seniorinnen und Senioren erreicht. Bei den Teilnehmenden und den gastgebenden Institutionen stieß das Angebot auf große Resonanz. Seit 2024 befindet sich das Projekt in der Multiplikationsphase und wird bis 2026 in verschiedenen Regionen der Deutschschweiz umgesetzt.

Scham, Zahlen und Selbstwirksamkeit

Eine weitere Einordnung liefert das Projekt „Einsamkeit im Alter“: Jede vierte Person über 55 Jahre in der Schweiz fühlt sich einsam – rund 444’500 Menschen. Bei den 65- bis 74-Jährigen liegt der Anteil bei 24 Prozent, bei den 75- bis 84-Jährigen bei 25 Prozent. Besonders häufig betroffen sind Menschen über 85 Jahre; dort leiden 37 Prozent unter Einsamkeit.

Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die sich oft schämen oder nur schwer über ihre Lage sprechen. Das Projekt will deshalb die Selbstwirksamkeit fördern, Menschen ab 65 Jahren zur sozialen Teilhabe ermutigen und Einsamkeit enttabuisieren. Im Haus im Park bekam diese Absicht an diesem Herbstabend einen sehr konkreten Ort: Gespräche, Fragen aus dem Alltag, ein Apéro – und die Möglichkeit, genauer hinzusehen, bevor man Verhalten vorschnell einordnet.