Wie viel Technik verträgt die Medizin, ohne dass der Mensch aus dem Blick gerät? Genau darum geht es bei der Vorab-Pressekonferenz zum DIVI26 am 26. November 2026 von 11:00 bis 12:00 Uhr. Die Online-Pressekonferenz steht unter dem Thema „Die Intensivmedizin der Zukunft – zwischen Hightech und Menschlichkeit“ und wird von Friederike Gehlenborg aus der Pressestelle DIVI26 moderiert.

Die Teilnahme erfolgt über einen Microsoft-Teams-Link. Als Veranstaltungsort ist Hamburg, Deutschland, angegeben; fachlich gehört die Veranstaltung zu Medizin, Ernährung, Gesundheit und Pflege. Für Med Hamburg ist der Termin damit ein früher Blick auf einen Kongress, der wenige Tage später ebenfalls in Hamburg beginnt.

KI zwischen Unterstützung und Grenze

Der 26. Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, kurz DIVI26, findet vom 2. bis 4. Dezember 2026 im Congress Center Hamburg statt. Sein Motto lautet „Der Mensch im Mittelpunkt“. Im Zentrum steht die Rolle Künstlicher Intelligenz in der Intensiv- und Notfallmedizin – mitsamt ihren Chancen und Grenzen.

Eine der angekündigten Gesprächsrunden trägt den Titel „Besiegt KI die Sepsis? Wie künstliche Intelligenz die Medizin verändert – und welche Rolle die menschliche Entscheidung dabei spielt“. Referentin ist Dr. med. Lina-Hanne Ko, Fachärztin für Innere Medizin und internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

PD Dr. Dirk Weismann betont, dass KI Informationen strukturieren, Risiken abschätzen und die ärztliche Beratung unterstützen kann. Entscheidungen mit existenzieller Tragweite dürften jedoch ausschließlich Menschen treffen. Maßgeblich blieben die ärztliche Indikation sowie der tatsächliche oder mutmaßliche Wille der Patientinnen und Patienten. Eine KI dürfe weder den Patientenwillen ersetzen noch über Beginn, Begrenzung oder Beendigung einer Behandlung entscheiden. Gerade Entscheidungen über Leben und Tod verlangten Verantwortung, Empathie und eine Abwägung individueller Werte – also Dinge, die sich nicht einfach in eine Softwaremaske pressen lassen.

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Europäische KI-Regelungen sollen für den Einsatz medizinischer KI verbindliche Rahmenbedingungen schaffen. Medizinische KI-Anwendungen gelten als Hochrisiko-Anwendungen und unterliegen deshalb strengen Auflagen. Im Alltag einer Intensivstation könnten solche Systeme Studierende beim Verständnis komplexer Zusammenhänge unterstützen oder Ärzten bei der Ermittlung von Differentialdiagnosen helfen. Auch eine kontinuierliche Anpassung der Dosierung von Vasopressoren ist als mögliche Anwendung genannt – die Verordnung bliebe dabei bei den Ärzten.

Die Bewertung von KI-Empfehlungen soll weiterhin durch Menschen erfolgen. Verantwortung für medizinische Entscheidungen und deren Umsetzung tragen Intensiv- und Notfallmediziner sowie die jeweiligen Fachexperten. Dazu gehören auch Pflegefachpersonen und weitere Gesundheitsfachberufe, die insbesondere bei der Bewertung KI-basierter Empfehlungen in die Entscheidungsfindung einbezogen werden sollen. Der Austausch mit Onkologen, Chirurgen und Gastroenterologen bleibt ebenfalls unverzichtbar.

Was auf der Pressekonferenz zur Sprache kommt

Unter dem Punkt „Die Intensiv- und Notfallmedizin von morgen: Was heute schon möglich ist“ sprechen Professor Dr. med. Uwe Janssens und Rolf Dubb, B.Sc. M.A. Janssens ist Kongresspräsident, medizinischer Geschäftsführer der DIVI und Direktor der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital Eschweiler. Dubb ist Kongresspräsident und Leiter des Fachbereichs Weiterbildung der Akademie der Kreiskliniken Reutlingen.

Ein weiterer angekündigter Beitrag fragt: „Wenn Organe bei Kindern versagen – wie weit kann die Intensivmedizin Leben retten?“ Dazu spricht Professor Dr. med. Christian Dohna-Schwake, leitender Oberarzt für pädiatrische Intensivmedizin und Infektiologie auf der Kinderintensivstation K1 am Universitätsklinikum Essen. Ein weiterer Vortrag soll noch ergänzt werden.

Weitere Themen der Pressekonferenzen sind neue Technologien in der Intensiv- und Notfallmedizin, die Situation der Pflege zwischen Hightech, Personalmangel und Gesundheitsreformen, Advance Care Planning, Patientenwünsche am Lebensende sowie ethische Fragen der Intensiv- und Notfallmedizin.

Kongresspräsident Janssens nennt als zentrale Herausforderung, die Menschlichkeit in der Medizin trotz technischer Fortschritte zu bewahren. KI soll Behandlungsteams effizienter machen und helfen, bei steigenden Patientenzahlen die Behandlungsqualität zu erhalten und weiterzuentwickeln. Der Druck im Alltag bleibt trotzdem real: mehrere Tausend Teilnehmende aus Intensiv- und Notfallmedizin, Pflege, Rettungsdienst, Wissenschaft, Therapie, Management und Ausbildung werden zum Kongress erwartet.

Vom Online-Termin in den Hörsaal

Der digitale Auftakt am 26. November ist nicht die einzige Pressekonferenz rund um DIVI26. Am 2. Dezember findet von 10 bis 11 Uhr eine hybride Kongress-Pressekonferenz statt. Zwischen Bildschirm, Klinikflur und Kongresszentrum geht es dann um dieselbe schwierige Balance: technische Möglichkeiten nutzen, ohne Verantwortung an Maschinen abzugeben.

Bis dahin bleibt für Interessierte der Microsoft-Teams-Termin am 26. November. Hamburg ist als Veranstaltungsort angegeben, das Congress Center Hamburg wird wenige Tage später zum Treffpunkt der Fachwelt – und irgendwo dazwischen liegt die praktische Frage, wie sich Hightech anfühlt, wenn neben dem Monitor ein Mensch um Luft ringt.