Med Hannover, 5.10.2026 – In der Medizin entsteht täglich ein Berg an Informationen: Arztbriefe, Labordaten, Röntgenaufnahmen und Gen-Sequenzierungen. Am Medizinischen Datenintegrationszentrum (MeDIC) der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) werden solche medizinischen Daten innerhalb der Hochschule strukturiert zusammengeführt und für Forschungszwecke bereitgestellt.

Dahinter steckt deutlich mehr als ein gemeinsamer Speicherort. Das MeDIC arbeitet mit verschiedenen Instituten und Kliniken der MHH zusammen und stellt die nötigen technischen, rechtlichen und organisatorischen Strukturen bereit. Datenschutz, Datensicherheit und die informationelle Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten gehören dabei zu den zentralen Schwerpunkten.

Wenn Daten über Klinikgrenzen hinweg sprechen sollen

Die MHH will ihre lokalen Datenbestände allerdings nicht isoliert betrachten. Die technische Infrastruktur zwischen Universitätskliniken soll ausgebaut und gefestigt werden, damit medizinische Daten standortübergreifend besser ausgetauscht werden können. Das Ziel: Patientenversorgung und Forschungsmöglichkeiten gemeinsam weiterzuentwickeln.

Damit das funktioniert, müssen Krankheitsverlaufsdaten aus den beteiligten Kliniken interoperabel sein. Gemeint ist damit, dass Daten technisch zwischen den Beteiligten ausgetauscht und zugleich einheitlich verstanden und interpretiert werden können. Klingt trocken, ist in der Praxis aber der Knackpunkt: Ein Datensatz muss am anderen Standort nicht nur ankommen, sondern dort auch sinnvoll lesbar sein.

Das Projekt NUM-DIZ koordiniert und stimmt die Voraussetzungen und erforderlichen Maßnahmen für Interoperabilität und den standortübergreifenden Datenaustausch ab. Die an den NUM-Datenintegrationszentren aufgebauten Infrastrukturen, Datenbestände und Datennutzungsregeln sollen deutschlandweite Datennutzungsprojekte ermöglichen. Grundlage sind potenziell nutzbare Patientendaten aus der klinischen Versorgung von inzwischen 38 NUM-DIZ-Partnern.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Eine Infrastruktur für Forschung an vielen Standorten

Jeder NUM-DIZ-Partner baut dafür eine technische, personelle und organisatorische Infrastruktur auf. So sollen an allen deutschen Universitätsklinika Strukturen für vernetzte Gesundheitsdatenforschung verfügbar sein. Auf lokaler Ebene sollen sich die Datenintegrationszentren zu umfassenden Forschungsinfrastrukturdienstleistern entwickeln – für medizinische Forschungsszenarien am jeweiligen Standort ebenso wie für Projekte über Klinikgrenzen hinweg.

Die DIZ arbeiten mit dem Deutschen Forschungsdatenportal für Gesundheit und weiteren zentralen Komponenten der Medizininformatik-Initiative (MII) zusammen. Sie leisten damit Beiträge zur Gewinnung medizinischer Erkenntnisse. Gemeinsam mit NUM-RACOON und weiteren NUM-Infrastrukturprojekten soll NUM-DIZ eine nationale Ressource bereitstellen, die hochwertige Gesundheitsdaten, Patientenpartnerschaften und Forschungsexpertise bündelt. Daraus sollen zeitnah wissenschaftlich fundierte Antworten für die Gesundheitsversorgung entstehen.

Das MeDIC der MHH ist an zahlreichen Großprojekten beteiligt. Zu den Kooperationspartnern gehören weitere Universitätskliniken, das Deutsche Krebsforschungszentrum sowie Partner aus Krankenversorgung, Wissenschaft und Industrie. Entstanden ist das Zentrum im Rahmen der Medizininformatik-Initiative als Teil des Konsortiums HiGHmed. Heute ist es Teil des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) und weiterhin der Medizininformatik-Initiative.

Vom Forschungsdatensatz zurück ans Krankenbett

Den politischen und finanziellen Rahmen liefert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Es fördert die Medizininformatik-Initiative und die Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit mit rund 500 Millionen Euro. Die Fördermaßnahme soll die medizinische Forschung stärken und die Patientenversorgung verbessern.

Alle deutschen Universitätskliniken arbeiten derzeit gemeinsam mit Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Krankenkassen und Patientenvertretungen an geeigneten Rahmenbedingungen. Forschungserkenntnisse sollen dadurch schneller in die Patientenversorgung gelangen. Beim MII-Symposium am 24. und 25. März 2026 kamen Akteure der digitalen Gesundheitsforschung zusammen. Nach zehn Jahren Projektlaufzeit wurden dort Ergebnisse bilanziert und künftige Perspektiven diskutiert.

Über das Deutsche Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG) können Forschende Gesundheitsdaten und Bioproben der deutschen Universitätsmedizin zentral für wissenschaftliche Untersuchungen beantragen. Für klinisch Forschende gibt es außerdem das Online-Lernportal „MII-Academy“. Es vermittelt, wie medizinische Daten für Forschungsprojekte beantragt und analysiert werden können.

Auch Patientinnen und Patienten sollen nachvollziehen können, was mit ihren Gesundheitsdaten geschieht. Die MII veröffentlichte im Mai 2023 eine Webseite, die über die Nutzung von Gesundheitsdaten für medizinische Forschungszwecke informiert. Zwischen Klinikalltag, Formularen und Datenbanken bleibt das ein ziemlich menschliches Bedürfnis: zu wissen, wer die eigenen Informationen nutzt – und wofür.