Auf einem kurzen Stück der Georg-Wilhelm-Straße in Hamburg-Wilhelmsburg ist ein Versuch mit Cashew-Asphalt gescheitert. Der Belag, der klimafreundlicheren Straßenbau ermöglichen sollte, ist inzwischen beschädigt und erfüllt nach Angaben der Verkehrsbehörde die Anforderungen nicht mehr.

Getestet wurde der Pflanzen-Asphalt 2025 erstmals in Hamburg. Der Abschnitt war rund 60 Meter lang und lag zwischen Kuckuckshorn und Trettaustraße. Dort sollte ein Bio-Klebemittel aus Cashew-Schalen das erdölhaltige Bitumen ersetzen. Die Idee dahinter: weniger Emissionen und Ressourcenverbrauch im Straßenbau – und langfristig niedrigere Kosten.

Der Versuch endet im November

Die Schäden werden derzeit fachlich ausgewertet. Die Erkenntnisse sollen in die weitere Forschung einfließen. Voraussichtlich Anfang November, beziehungsweise im November, wird der Testbelag abgefräst und durch herkömmlichen Asphalt ersetzt. Die Verkehrsbehörde beziffert die Kosten dafür auf rund 50.000 Euro.

Bei der CDU in Hamburg-Mitte sorgt das für Kritik. Sie bemängelt die zusätzlichen Kosten, die längere Bauzeit und dass die Sanierung aus Steuergeldern bezahlt wird. Die rund zwei Kilometer lange Georg-Wilhelm-Straße wird seit 2023 grundsaniert und instandgesetzt – ausgerechnet auf dieser ohnehin laufenden Baustelle sollte also auch ein neuer Baustoff seine Alltagstauglichkeit beweisen.

Genau das sei der Sinn solcher Versuche, erklärt die Verkehrsbehörde: Innovative Baustoffe müssten unter realen Verkehrsbedingungen geprüft werden und nicht bloß im Labor. Die Strecke hat dem Cashew-Asphalt allerdings deutlich zugesetzt. Der Belag ist teilweise bereits wieder beschädigt.

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Cashew-Schalen statt Bitumen – mit Fragezeichen

Hamburg hatte den Test vor dem Hintergrund seiner Klimaschutzverpflichtungen gestartet, unter anderem aufgrund des Volksentscheids. Herkömmlicher Straßenbau gilt als besonders klimaschädlich. Auch Stuttgart und Frankfurt testeten den Stoff; serienreif ist das Bindemittel weiterhin nicht. Zum damaligen Zeitpunkt war es außerdem deutlich teurer als gewöhnlicher Asphalt.

Schon zum Projektstart gab es Einwände. Sabine Sommer vom BUND hielt den Ansatz grundsätzlich für sinnvoll, gab aber zu bedenken, dass Cashews nicht besonders regional seien und ihre Produktion viel Wasser benötige. Johannes Büchner vom Institut für Straßenwesen der TU Braunschweig erklärte, aus den Schalen müsse zunächst Öl hergestellt werden. Eine stärkere Wiederverwertung von Asphalt sei aus seiner Sicht wirksamer.

Die Verkehrsbehörde zieht aus dem Flop eine recht grundsätzliche Lehre: Einzelne biobasierte Materialien allein machen den Straßenbau noch nicht klimafreundlich. Wichtiger seien auch das Recycling von altem Asphalt, eine klimafreundlichere Herstellung und der Verzicht auf energieintensive Rohstoffe.

Gerade an der TU Braunschweig, wo Straßenbau-Fachmann Johannes Büchner den Versuch früh kritisch eingeordnet hatte, wirkt diese Erkenntnis wenig überraschend. Ein Bindemittel kann an einer Stelle Erdöl ersetzen – wenn der gesamte Weg dorthin viel Wasser, Verarbeitung und Energie braucht, bleibt die Rechnung kompliziert. Auf der Georg-Wilhelm-Straße ist sie vorerst sichtbar: beschädigte Oberfläche, Fräse im November, neuer herkömmlicher Asphalt.